Buchveröffentlichung
Ab wann ist man süchtig? «Die Sucht-Enzyklopädie Addictionary» bietet Antworten

Zwei Basler präsentieren im neuen Buch «Die Sucht-Enzyklopädie Addictionary» Antworten und Lösungsansätze.

Nora Bader
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Otto Schmid und Thomas Müller mit ihrem neuen Werk, das wegen der Coronapandemie später erschienen ist.

Otto Schmid und Thomas Müller mit ihrem neuen Werk, das wegen der Coronapandemie später erschienen ist.

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Ab wann ist man süchtig? Wie gefährlich sind Drogen? Und wird man von einmal Heroin konsumieren abhängig? «Rund ums Thema Sucht gibt es viele Mythen», sagt der Basler Suchtexperte Otto Schmid. Gemeinsam mit Thomas Müller hat er deshalb den Addictionary herausgegeben – eine Sucht-Enzyklopädie.

Es ist das fünfte gemeinsame Werk der beiden Autoren und soll Laien wie Fachleute ansprechen, Fragen beantworten und aufklären. Und: «Wissenschafter, die publizieren wollen, finden im Addictionary wichtige Hinweise», so Schmid. Er selber hat einen Lehrauftrag an der Universität Basel und werde da oft von jungen Menschen gefragt, ab wann man denn süchtig sei. Diese und weitere Fragen, die den beiden Basler Autoren immer wieder gestellt werden, haben sie gesammelt und an Experten weitergegeben.

In erster Linie müssen soziale Probleme, die durch Abhängigkeit entstehen, angegangen werden.

(Quelle: Otto Schmid, Suchtexperte)

Die Antworten wurden zusammengetragen und fachgerecht aufgearbeitet. Das Buch bietet neben einem tiefen Einblick in das Wesen der Sucht auch Hilfestellungen. Die zu Wort kommenden Suchtexperten stammen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch von weiter her – wie Michael Krausz aus Vancouver in Kanada.

Fragen wären ohne Pandemie ähnlich gewesen

«Begonnen haben wir mit dem Buchprojekt lange vor der Pandemie», so Schmid. Die Idee entstand im Sommer 2018. Anfang 2019 fragten sie Autoren an. Veröffentlichen wollten sie das Buch eigentlich im März 2020. «Dann kam Corona und veränderte alles», so Schmid. Er ist aber überzeugt, dass die Mehrheit der von den Jugendlichen gestellten Fragen an die Experten während oder nach der Pandemie dieselben gewesen wären. Obschon er und Co-Autor Thomas Müller, beide in der Suchtberatung tätig, feststellen würden, dass sich das Verhalten verändere.

Die Mehrheit der Konsumenten kann mit psychoaktiven Substanzen verantwortungsvoll umgehen.

(Quelle: Otto Schmid, Suchtexperte)

«Bei Jugendlichen nimmt seit der Pandemie zum Teil der Konsum von Cannabis zu, bei Erwachsenen ist es eher der Alkoholkonsum, der steigt», vermutet Schmid. Man spüre, dass die Pandemie zunehmend belastend sei gerade für ängstliche oder einsame Menschen. Und bei älteren Personen nehme deshalb eher der Konsum an Beruhigungs- und Schlafmitteln zu.

Die Grenze zwischen Genuss und Sucht

Der Rausch sei seit jeher ein Bedürfnis des Menschen. «Die Mehrheit der Konsumenten kann mit psychoaktiven Substanzen verantwortungsvoll umgehen, aber wenn ein Suchtproblem besteht, soll man Hilfe annehmen», so Schmid. Die Grenze zwischen Genuss und Sucht verschwimme schnell. «Mittlerweile wissen wir, dass etwa Kokain sehr schnell abhängig macht.»

Es brauche vermehrt andere Ansätze, um Sucht in den Griff zu bekommen, etwa mit einer Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung. «In erster Linie müssen soziale Probleme, die durch Abhängigkeit entstehen, angegangen werden», führt Schmid aus. Oft seien Schwierigkeiten oder Traumata aus der Kindheit Grund für eine Sucht. Und: «Erwachsene sind immer Vorbilder, Modell für Jugendliche.» Kinder von Eltern mit Suchtproblemen seien deshalb oft gefährdeter. Viele weitere Antworten liefert die Sucht-Enzyklopädie.

«Die Sucht-Enzyklopädie Addictionary», O. Schmid und Th. Müller, 153 Seiten, 15 Euro, Pabst Verlag.

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