Fasnacht
Basel-Stadt: Ändstraich vor dem Morgestraich

Aus, Ende. Die Basler Fasnacht versinkt im Tränenmeer. Derweil versuchen Waggis, ihre Waren doch noch sinnvoll unterzubringen.

Lea Meister, Jonas Hoskyn, Benjamin Rosch
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Adie Fasnacht, bevor sie begonnen hat.

Adie Fasnacht, bevor sie begonnen hat.

Roland Schmid

«Sali. Stösst Du auch zu unserer Trauergruppe?»
«Gerne.»
«Aber vorher Händewaschen nicht vergessen.»

Es ist Freitagnachmittag um etwa 15 Uhr und in der «Rio-Bar» am Barfi hat sich ein Dutzend Fasnächtler um ein paar Stangen Bier und Cüpli versammelt. Mehr und mehr tröpfeln ein, einige mit verheulten Augen, manche mit einem zynischen Spruch, sodass es sich anfühlt wie ein Totenmahl. Gewissermassen stimmt die Metapher: Ein Virus hat die Fasnacht gebodigt. Die Angst vor einem unkontrollierten Ausbruch des Corona-Virus war zu gross, als dass eine Veranstaltung mit bis zu 200000 Teilnehmenden guten Gewissens stattfinden könnte.

Lange haben es viele nicht wahrhaben wollen. Sie haben sich in ihren Cliquenchats gegenseitig in ihrer Hoffnung bestärkt, bis dann nach der Pressekonferenz der Basler Regierung überall die Erkenntnis durchsickerte: fertig, aus, Ändstraich vor dem Morgestraich.

Wir bitten alle, sich daran zu halten.

(Quelle: Baschi Dürr, Vorsteher Justizdepartement)

Die Regierung von Basel-Stadt hat eine rigide Umsetzung der bundesrätlichen Verordnungen beschlossen. Verboten sind alle privaten und öffentlichen Veranstaltungen in Zusammenhang mit der Fasnacht. In der Medienmitteilung steht explizit: «Darunter fallen der Morgenstreich, der Cortège, Veranstaltungen mit Schnitzelbängg, Schlussveranstaltungen wie Kehraus- und Schnitzelbanggschlussabende, Guggenkonzerte, Laternen- und Requisitenausstellungen, Bälle, und Bummelsonntage.» Die IWB werden am Montag um 04.00 Uhr das Licht nicht löschen. Die Beizen dürfen ihren ordentlichen Betrieb aufrechterhalten, die Keller hingegen bleiben geschlossen und es gelten die normalen Verordnungen des öffentlichen Raums. Es war den einzelnen Regierungsräten Conradin Cramer, Baschi Dürr, Elisabeth Ackermann und Lukas Engelberger anzumerken, dass es ihnen nicht leicht gefallen war. Und auch, dass es nicht einfach wird, alles einfach durchzusetzen. Entsprechend appellierte Sicherheitsdirektor Dürr mehrfach an die Eigenverantwortung, vor allem der Aktiven, aber auch der Passiven. Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger ergänzte: «Sie können uns glauben: Das fällt uns nicht leicht.» Allerdings wäre es nach einer Fasnacht kaum möglich, etwaige Ansteckungen zurückzuverfolgen. Dass dem so ist, zeigt das Beispiel Nordrhein-Westfalen, wo Behörden fieberhaft nach Teilnehmern eines Faschingsumzugs fahnden.

«Es geht um ein nationales, wenn nicht globales Interesse»

Früh waren die Stimmen jener zu vernehmen, die sich nicht an die Regel halten und dennoch in irgendeiner Form Fasnacht machen wollen. Die Polizei ist darauf vorbereitet. Kommandant Martin Roth sagt: «Wir werden jetzt nicht ein Heer aufstellen und Cliquen jagen. Aber es geht um ein nationales, wenn nicht globales Interesse.» Wichtig wird vor allem der Umgangston, wobei sich Roth keine Sorgen macht: «Basler Schugger können umgehen mit Basler Bürgern.» Wenn die Polizei renitente Fasnächtler treffe, dann würden diese angesprochen. «Wir haben nun mal die Rolle der Spassbremse, das wird sicher eine Herausforderung.»

Nicht nur jener Teil der Fasnacht ist betroffen, der auf der Strasse stattfindet. Auch Schnitzelbängge wird es kaum geben. «Das Schnitzelbank-Comité nimmt zur Kenntnis, dass aufgrund der Corona-Krise sämtliche Fasnachtsveranstaltungen abgesagt wurden», heisst es auf deren Internetseite. «Die Bänke werden vom Comité gebeten, sich an das Verbot zu halten und in keinen öffentlichen Lokalen und Beizen aufzutreten.»

Wurfware der Wagencliquen zu Gunsten von Bedürftigen

In sozialen Medien macht eine besondere Aktion für die Wagencliquen die Runde. Schliesslich drohen tonnenweise Früchte, Gemüse und andere Give-aways zu verschimmeln. Mayke von der Wagenclique Stadtdyfeli startete gestern gemeinsam mit Bastian Seehofer, dem Präsidenten von «Be aware and share», eine Charity-Aktion. Am Montag und Dienstag nehmen die beiden Spenden aller Waggiswägen entgegen und verteilen diese direkt und sofort an obdachlose Menschen, Asylheime und Waisenhäuser. Sie rufen dazu auf, einige Tonnen an Lebensmitteln zu retten und damit gemeinsam Gutes zu bewirken.

Kontakt Charity-Aktion

bastian@baas-schweiz.ch

Spenden können am Montag und am Dienstag von 10.00 – 18.00 Uhr in der Zollhalle St. Johann abgegeben werden. Ganz nach dem Motto «Heb di fescht an de Läbensmittel» werden sämtliche Esswaren entgegengenommen, Blumen und Alkohol sind nicht erwünscht. Wer Spenden hat, aber keine Möglichkeit, sie vorbeizubringen, solle sich bei den beiden melden, sie statten auch einen Besuch ab.