Ausstellung «Lieblingsstücke»
Erlesene Schriften und andere Fundstücke aus der Basler Unibibliothek

Die Universitätsbibliothek Basel zeigt die Lieblingsobjekte ihrer Mitarbeitenden – es sind nicht nur Bücher.

Christoph Dieffenbacher
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Etwas unübersichtlich, aber voller Entdeckungen: die Ausstellung «Lieblingsstücke» in der Universitätsbibliothek Basel.

Etwas unübersichtlich, aber voller Entdeckungen: die Ausstellung «Lieblingsstücke» in der Universitätsbibliothek Basel.

Juri Junkov

Rund 7,5 Millionen Bücher und Zeitschriften zählt die Universitätsbibliothek Basel, die UB. Kurz nach der Universität im Jahr 1470 gegründet, gilt sie als die älteste weltliche Bibliothek der Schweiz. Ihr historischer Bestand wird laufend digital zugänglich gemacht. Und seit längerem sammelt und hütet sie viel mehr als Gedrucktes: zum Beispiel auch Karten, Bilder, DVDs, Handschriften, Inkunabeln, Papyri-Rollen, Musikalien und komplette Nachlässe – fein säuberlich geordnet, katalogisiert und verteilt auf verschiedene Archive in Kellerräumen und Magazinen mehrerer Häuser.

Bibliotheken sind Orte des Wissens, das sich gleichzeitig laufend spezialisiert und immer wieder erneuert. Wie können sie als Institution ihren historisch gewachsenen Bestand einem grösseren Publikum präsentieren? Wie lassen sich ihre vielfältigen kulturellen Schätze zeigen, die sie teils seit Jahrhunderten aufbewahren? Eine Antwort darauf kommt jetzt von der UB: Sie hat ihre Mitarbeitenden gebeten, ihre «Lieblingsstücke» aus dem Bestand für eine Ausstellung auszuwählen.

Eine Achtjährige schreibt einen Brief aus dem Kloster

Dabei haben die Verantwortlichen Wert darauf gelegt, dass alle Beteiligten etwa gleich viel Platz in den Schaukästen erhalten – von der Buchrestauratorin über den Hausfotografen bis zur Germanistin. «Vielen Mitarbeitenden ist ein bestimmtes Stück besonders ans Herz gewachsen und sie identifizieren sich damit», sagt UB-Direktorin Alice Keller: «Das Schöne an einer Bibliothek ist ja, dass die Objekte immer auch für andere Benutzende da sind – und das auch noch in 100 oder 200 Jahren.»

Kommentiert werden die 35 ausgewählten Lieblingsstücke von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst: Sie erläutern, wie sie auf ihre Bibliotheksschätze gestossen sind und was sie an ihnen genau fasziniert. Das älteste Objekt der von Yvonne Häfner kuratierten Ausstellung ist eine byzantinische Evangelien-Handschrift aus dem 8./9. Jahrhundert, ein wertvolles Prachtstück.

Später trifft man beim Rundgang auf Beispiele aus den Anfängen des Buchdrucks und Originalhandschriften von Erasmus von Rotterdam, Wolfgang Amadeus Mozart, Albert Schweitzer und Robert Walser. Da findet sich auch ein berührender Brief einer Achtjährigen aus einem Frauenkloster an ihre Mutter, geschrieben kurz vor Weihnachten 1498.

Der älteste gedruckte Stadtplan von Paris

Manche Objekte warten darauf, auch vom Publikum entdeckt zu werden: etwa der Bilderzyklus des Basler «Revolutionären Totentanzes» von 1798, die bis nach Japan verbreiteten «Heidi»-Aquarelle der Illustratorin Martha Pfannenschmid oder der «Jazz»-Roman (1927) von Hans Janowitz, der die Jazzmusik auf die Literatur zu übertragen versuchte.

Der älteste gedruckte Pariser Stadtplan aus den 1550er-Jahren, notabene das einzige erhaltene Exemplar, hängt neben der seit den 1980er-Jahren erfolgreichen Graphic-Novel-Serie «The Sandman» von Neil Gaiman. Und irgendwo steht ein Fussballpokal aus den Beständen des Wirtschaftsarchivs, den man hier kaum erwarten würde.

Die Besuchenden bewegen sich zwischen vielerlei Objekten und quer durch die Zeiten hindurch, was die Ausstellung etwas unübersichtlich macht. Dafür wird man durch manche weitere Fundstücke entschädigt: die Sprichwörtersammlung von 1541 des Publizisten und Druckers Sebastian Franck, ausgewählt von der Kuratorin. Oder die CD-ROM von 1985, die erstmals sämtlichen erhaltenen altgriechischen Texten Platz bot, von Homer bis zum Untergang von Byzanz. Nahezu vergessen ist heute die liberale Basler Zeitung «Der Basilisk» aus dem 19. Jahrhundert, die nur wenige Jahre erschien.

Mit einem Beitrag zur Ausstellung beteiligt hat sich auch Direktorin Alice Keller, die ein gedrucktes Verzeichnis elektronischer Zeitschriften von 1994 in die Glasvitrine legte. Ein Beispiel für die rasante Entwicklung der Bibliotheken der letzten Jahrzehnte: Das Verzeichnis war wenig später vollkommen überholt – und wurde vom Internet und seinen Online-Archiven abgelöst. Damals wurden weltweit 181 solcher E-Journals nachgewiesen – heute ist den Benutzenden der UB nahezu das Tausendfache davon zugänglich.

«Lieblingsstücke», Universitätsbibliothek Basel, bis 22. Juni 2022. Geöffnet Mo–Fr, 8–20 Uhr, Sa, 12–20 Uhr. www.ub.unibas.ch