Augenschein
3,5 Jahre nach dem Hitzesommer: Schäden wirken im Hardwald noch immer nach

Der regenreiche Sommer 2021 habe vor allem den Neupflanzungen geholfen, erklärt Revierförster Christian Kleiber auf einer Begehung durch den geschädigten Hardwald von Birsfelden und Muttenz.

Tobias Gfeller Jetzt kommentieren
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Wegen der Trockenheitsschäden von 2018 und 2019 mussten viele Bäume im Hardwald gefällt und Neupflanzungen gesetzt werden.

Wegen der Trockenheitsschäden von 2018 und 2019 mussten viele Bäume im Hardwald gefällt und Neupflanzungen gesetzt werden.

Tobias Gfeller

Die Bilder der Luftaufnahmen des Hardwalds sind noch omnipräsent. Trotzdem sorgten sie am Samstagnachmittag wieder für Erstaunen, als Revierförster Christian Kleiber entsprechende Fotos an einem Seil zwischen zwei Bäumen aufgehängt hatte. «In welcher Jahreszeit sind diese Fotos entstanden?», fragte Kleiber die gut 20 Personen, die sich der von den Grünen-Sektionen Muttenz und Birsfelden organisierten Begehung angeschlossen hatten.

Auf die korrekte Antwort «Sommer im Juli» kam niemand. Es waren die Aufnahmen vom Hitze- und Trockensommer 2018, der Teile des Hardwalds von oben derart braun aussehen liess, wie der Wald sonst im Herbst daherkommt. Die Trockenheitsschäden waren derart stark, dass der Wald während eines Jahres gesperrt werden musste, da abgestorbene Bäume und Äste Personen gefährdet hätten.

Die Schäden sind noch immer sichtbar. Dort, wo grossflächig Holz geschlagen werden oder umgefallene Bäume herausgenommen werden mussten, prägen nun Neuanpflanzungen das Bild. Diese hätten vom regenreichen Sommer 2021 am meisten profitiert, erklärt Christian Kleiber. Deren Wachstum war durch die Feuchtigkeit überdurchschnittlich stark. Vom starken Regen konnten jene Bäume, die in den Jahren zuvor stark gelitten haben, weniger stark profitieren.

Regenreicher Sommer 2021 brachte etwas Entspannung

Hardwald-Revierförster Christian Kleiber.

Hardwald-Revierförster Christian Kleiber.

Bild: Tobias Gfeller

Grundsätzlich lasse sich aber schon sagen, dass sich die Situation im Hardwald «entspannt» hat, meinte Kleiber, um gleich anzufügen:

«Die Schäden sind noch immer da. Es braucht mehrere solche regenreichen Jahre wie 2021, damit sich dies ändert.»

Die Probleme wurden zwar im Hitzesommer 2018 offensichtlich, deren Ursprung reiche aber mehr als zehn Jahre zurück, weil bereits zuvor die Trockenphasen immer länger und die Temperaturen immer höher geworden waren. Der Sommer 2018 sorgte aber nicht nur für Akutschäden, sondern auch für Schäden, die noch mehrere Jahre anhalten, betonte Revierförster Kleiber.

«Vorher war der Wald ein geschlossenes Gefüge. Heute hat es Löcher, wo Bäume abgestorben sind. Auf einmal stehen Bäume in der Sonne, die vorher beschattet waren. Dadurch werden sie anfälliger.»

Zudem bieten die Löcher Angriffsflächen für Winde, was die geschwächten Bäume ebenfalls gefährdet.

Dass es 2018 und auch 2019 den Hardwald derart stark getroffen hat, war aufgrund des Kiesbodens, der vergleichsweise schlecht Feuchtigkeit speichert, kein Zufall. Doch auch in Sachen Aufforstung ist der Hardwald eine spezielle Herausforderung. Nicht nur, dass auf ihn ein hoher Druck durch Freizeitnutzungen durch den Menschen herrscht, er wird auch überdurchschnittlich stark durch Stickstoffoxide von der Industrie, dem Strassen- und Eisenbahnverkehr und grundsätzlich der Stadt belastet.

Das sorgt für ein invasives Brombeerwachstum, wodurch ganze Flächen verdichtet werden. Das verhindere eine natürliche Verjüngung, die in anderen Wäldern funktioniert. Der Forstbetrieb der Bürgergemeinde Basel, welcher der Hardwald zu grossen Teilen gehört, muss deshalb nicht nur regelmässig die Brombeerflächen mähen, damit genügend Licht auf den Waldboden gelangt, sie muss auch komplett selber für die Verjüngung sorgen.

Der Hardwald ist überdurchschnittlich stark durch Stickstoffoxide belastet. Das sorgt für ein invasives Brombeerwachstum, das die natürliche Verjüngung des Waldes behindert.

Der Hardwald ist überdurchschnittlich stark durch Stickstoffoxide belastet. Das sorgt für ein invasives Brombeerwachstum, das die natürliche Verjüngung des Waldes behindert.

Tobias Gfeller

Mischwald mit vier Baumarten soll robuster sein

Christian Kleiber versucht, mit einem Mischwald für eine grösstmögliche Robustheit für die kommenden Jahrzehnte zu sorgen. Dafür pflanzt er auf einer Fläche, auf der neu aufgeforstet wird, jeweils vier verschiedene Baumarten an, die gut mit Wärme und Trockenheit umgehen können. Das Risiko einer Monokultur ist ihm zu gross, auch wenn der gewählten Baumart heute gute Prognosen gestellt werden. Kleiber sagt:

«Man kann nie wissen, was in Zukunft passiert, ob eine Baumart wie die Esche heute von einem Pilz befallen wird oder anderweitig Probleme bekommt. Wenn es von den vier angepflanzten Baumarten drei langfristig schaffen, haben wir hier in hundert Jahren einen robusten Mischwald.»
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