Coronavirus

Am Samstag öffneten alle Grenzen: Der Ansturm der Einkaufstouristen blieb aus

Weiter gähnende Leere: Die  Grenzübergänge im Dreiland waren am Samstag kaum frequentiert. Bild: Boris Burkhardt

Weiter gähnende Leere: Die Grenzübergänge im Dreiland waren am Samstag kaum frequentiert. Bild: Boris Burkhardt

Seit Samstag sind alle Grenzübergänge wieder offen. Nach wie vor darf man aber nur in Ausnahmefällen passieren. Nur an der Wiese in Riehen war am Samstag die Hemmschwelle gering, die Grenze zu übertreten.

Es ist eine absurde Situation, die die grosse Politik den Bewohnern diesseits und jenseits der Grenze zumutet: Alle Grenzübergänge sind seit Samstag wieder offen, auch jene komplett gesperrten an den grünen Grenzen in Riehen. Passiert werden dürfen sie aber nach wie vor nur in Ausnahmefällen. Es sind dies auch schon mehr als in den ersten sechs Wochen seit der Grenzschliessung vor genau zwei Monaten am 16. März: Pendler, Besuche von Verwandten und Lebenspartnern, Termine beim Arzt und vor Gericht.

Einkaufstourismus gehört jedoch nach wie vor nicht zu den «triftigen Gründen»; nur wer sich als Schweizer oder Franzose aufgrund oben genannter Ausnahmen sowieso in Deutschland aufhält, darf nun neu auch dort einkaufen. Deshalb kann die Mitarbeiterin des Drogeriemarktes im Rhein-Center auch nicht sagen, ob die wenigen schweizerischen und französischen Kunden am Samstag legal in der Schweiz waren.

Wer als Einkaufstourist eine 100-fränkige Busse in Kauf nimmt, kanns probieren. Doch gerade am Grenzübergang Kleinhüningen hätte man es nicht versuchen sollen: Der war nämlich auch am Samstag noch besetzt. «Die Beamten sind heute deutlich entspannter», berichtet eine junge Schweizer Mutter, die mit ihrem Sohn gerade den Papa in Deutschland besucht. Die deutschen Beamten stehen zu dritt vor dem Zollhäuschen, halten gelegentlich Autos an und steigen in die Trams ein, die im Siebeneinhalb-Minuten-Takt einfahren. Viel los sei heute nicht gewesen, sagen sie. Der Schweizer Kollege auf der anderen Seite kommt nur gelegentlich aus dem Häuschen.

Einkaufstourismus soll am 15.Juni wieder Fahrt aufnehmen

Der grosse Ansturm werde noch kommen, ist sich Alexander Müller von der Geschäftsleitung der Lebensmittelkette Marktkauf im Rhein-Center sicher: Spätestens am 15. Juni, wenn die Grenzen endgültig für alle geöffnet werden sollen. Während Konkurrenten wie Hieber oder Kaufring damit rechnen, dass der Einkaufstourismus nach dem 15. Juni eher langsam wieder Fahrt aufnehmen wird, weiss Müller aufgrund vieler Anrufe von Schweizer und französischen Kunden, dass die Nachfrage auch nach Corona ungebrochen sein wird. Schweizer Kunden machten im Marktkauf 65 Prozent des Umsatzes aus, französische 15 bis 20.

Szenenwechsel: Auf dem Bänkchen am rechten Ufer der Wiese beim Erlensteg sitzen zwei Mädchen. Sie befinden sich hier auf Riehener Boden; die deutsche Landesgrenze nach Altweil liegt gerade 300 Meter entfernt hinter den Familiengärten am Erlenweg. Es sind deutsche Mädchen, die die Hunde aus dem nahen Weiler Tierheim Gassi führen. Die Grenze im Erlenweg sei heute erstmals offen gewesen, erzählen sie begeistert. Dass sie sich zum Gassigehen weiterhin illegal in der Schweiz aufhalten, wussten sie nicht.

Kurz darauf fährt durch ebenjenen Erlenweg Richtung Deutschland eine junge Weiler Familie mit zwei Töchtern: Sie kehren von einer Velotour zurück. Dass auch das nicht erlaubt war, scheinen die Eltern zu wissen. Die Brücke über den Krebsbach direkt hinter der deutschen Grenze sei noch am Freitagabend mit Bauzäunen abgeriegelt gewesen, erinnert sich die Mutter, der Erlenweg selbst auf Schweizer Gebiet mit Absperrbändern zugekleistert.

Die Mutter arbeitet in Riehen: Sie ist sehr froh, dass sie am Montag wieder legal den Erlenweg benutzen darf. Denn da der Grenzübergang Altweil bis Samstag auch komplett gesperrt war, musste sie grosse Umwege fahren. Auch die Tochter darf den Schulweg nach Lörrach nun wieder an der Wiese entlangfahren; Bundesinnenminister Horst Seehofer hat seine Bundespolizisten ausdrücklich um Kulanz bei Schülern gebeten. (bob)

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