Persönlich
«Alli Billetts, bitte»

Jolanda Sauta
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Das U-Abo des TNW.

Das U-Abo des TNW.

Kenneth Nars

Für die Tage, an denen ich in Basel arbeite, benötige ich eigentlich kein U-Abo. Ich wohne so nahe an der Redaktion, dass ich öfters zu Fuss zur Arbeit gehe. Ausnahmen bilden etwa Arbeitseinsätze in Liestal, Ausflüge oder ganz verregnete Tage mit Wind, an denen der Schirm nachgibt. Mein kürzlich ersteigertes U-Abo hat allerdings einen ganz anderen Grund.

Schwer atmend und froh über mein gelungenes Zeitmanagement besteige ich am Bahnhof SBB den Interregio Richtung Sissach. Der Sprint hat sich gelohnt. Just als sich die Türen synchron schliessen, wird mir bewusst, dass ich glatt vergessen habe, das Billett zu lösen. Schnell lade ich die entsprechende App herunter. Ich höre schon den Kontrolleur am anderen Ende des Wagens. «Schnell», denke ich. Erst 27 Prozent. «Das kann ich schaffen. Das dauert noch, bis er bei mir ankommt.»

Denkste! Er hat genau einer Passagierin kurz aufs Ticket geschaut, als er sich schon neben mir auftürmt und das Unvermeidliche verlangt. Mit reflexartigem Hundeblick strecke ich ihm mein Handy entgegen und entschuldige mich ausführlichst für meine Vergesslichkeit, meine Fahrt zu bezahlen. 78 Prozent. Der bärtige Mann unterbricht mich: «Ja, ja, machen Sie schnell! Ich warte gleich hier.» Ich, baff, tippe meine Personalien ein, klaube meine Kreditkarte hervor, bestätige den per SMS erhaltenen Code und zeige ihm ein zweites Mal mein Handy – diesmal mit QR-Code. Er nickt nur beiläufig und geht weiter. Mir hat diese Kulanz hundertmal mehr Eindruck gemacht, als wenn es ein grosses Theater gegeben hätte.

jolanda.sauta@chmedia.ch