Volkswagen

Nicht neu und doch anders

VW Polo GTI

VW Polo GTI

Facelift nennt man es, wenn ein Hersteller ein Modell nach ein paar Jahren vor allem optisch überarbeitet. Wie VW den Polo. Den Polo GTI aber, den hat man in Wolfsburg deutlich mehr als nur geliftet.

So wie der «brave» Polo basiert auch der GTI (noch) nicht auf dem MQB, also dem Allerheilmittel aus Wolfsburg. Und das ist vielleicht genau der Punkt, wieso wir den aktuellen GTI als den besten Polo aller Zeiten taxieren. Die Ingenieure konnten so richtig aus dem Vollen schöpfen: Fahrwerk auf konventionelle Weise anpassen, einen neuen Motor ins Häuschen schrauben, eine elektromechanische Lenkung einbauen oder dem Stabilitätsprogramm eine Sportstufe schenken.

Man hatte in Wolfsburg offenbar richtig viele Freiheiten, ohne sich den Restriktionen des «Modularen Quer Baukastens» (MQB) unterwerfen zu müssen. Das einzige, das man wirklich verpasst hat, ist der Einbau eines mechanischen Sperrdifferenzials an der Vorderachse, hier kommt die elektronische Fahrhilfe XDS+ zum Einsatz, welche eines oder beide kurveninneren Räder gezielt abbremst, wenn Untersteuern droht. Das funktioniert zwar gut, noch mehr Freude hätten Sportfahrer aber sicher an einem mechanischen Bauteil, wie es zum Beispiel beim Golf GTI Performance verwendet wird. Aber eben, bald – also in etwa zwei Jahren – kommt dann ohnehin der ganz neue Polo. Und den wird es mit Sicherheit mit 4×4 geben, womit Traktionsprobleme dann endgültig der Vergangenheit angehören.

Neu steckt im Polo GTI ein 1800er-Benziner, der 192 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 320 Nm liefert. Er löst den bisher verbauten 1,4 Liter grossen Benziner ab. Die 320 Nm gibts aber nur, wenn man den Vierzylinder an ein manuelles Sechsganggetriebe koppelt. Mit DSG bleiben gerade einmal 250 Nm übrig, denn das Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen verträgt nicht mehr Drehmoment. Zwar nennt VW für den Paradesprint für beide Versionen den selben Wert (6,7 Sekunden), aber das Auto mit Schaltgetriebe fährt sich halt schon souveräner. Optimiert wurde auch das Ansprechverhalten des Turboladers und – natürlich – der Verbrauch. Wolfsburg nennt 5,6 Liter pro 100 Kilometer als Verbrauch (mit DSG), 6,0 l/100 km für den Handschalter. Papier ist geduldig… Aber, die Sache mit dem optimierten Ansprechverhalten hat schon was. Wir waren vor allem mit dem Handschalter unterwegs, und der reagiert tatsächlich nahezu verzögerungsfrei auf die Befehle des Gasfusses. Ein Turboloch ist definitiv nicht auszumachen. Sehr fein!

Auf der Rennstrecke Ricardo Tormo bei Valencia musste der GTI beweisen, dass er ein echter Sportler ist und nicht nur ein mit viel Dampf und karierten Sitzbezügen aufgebrezelter Kleinwagen. Und wir können dem Polo tatsächlich eine gewisse Rennstreckentauglichkeit zusprechen. Es ist immer noch ein Strassenauto, doch er macht seine Sache doch sehr gut. Stellt man das Stabilitätsprogramm auf Sport, lässt die Elektronik doch weit mehr zu, als man von VW erwartet hätte. Klar, im Notfall macht der Wächter aus Bits and Bytes den Sack zu, aber da muss man schon richtig schnell sein, um das zu spüren. Oder eben: viel zu schnell.

Gut auch die elektromechanische Lenkung, die ausreichend Feedback bietet. Und im gefahrenen Auto war das optionale Sport-Select-Fahrwerk verbaut. Per Tastendruck lassen sich die Dämpfer deutlich straffer stellen, die Wankneigung des Aufbaus wird etwas geringer. Auf der Strasse allerdings sollte man die Finger von der Taste lassen. Da wird der VW Polo GTI rasch zum Hoppelhasen, wenn die Strassenoberfläche schlecht ist. Der Unterschied beim Federungskomfort zwischen den beiden Stufen ist beachtlich. Natürlich gibts den kleinen Flitzer nicht umsonst. Wobei er auf den ersten Blick auch gar nicht so teuer ist. Mit Handschaltung gibts den bis zu 236 km/h schnellen Polo GTI ab 27’400 Franken. Mit ein paar Nettigkeiten werden daraus aber schnell mal über 30’000 Franken. Allein schon die hinteren beiden Türen kosten 680 Franken zusätzlich. Das ist doppelt so viel wie VW für das doch aufwendige Sport-Select-Fahrwerk haben will, eine nicht ganz nachvollziehbare Preispolitik. Den GTI mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gibt es übrigens ab 29’200 Franken.

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