Mercedes EQB
Strom für die ganze Familie

Mercedes baut das Angebot an E-Autos weiter aus. Der EQB will ein vollwertiges Familienauto ohne Wenn und Aber sein.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Mercedes EQB.

Mercedes EQB.

Bild: zVg

E-Autos sind auf dem Vormarsch: Einerseits steigen die Zulassungszahlen kontinuierlich an – per Ende Oktober lag der Anteil der batterie-elektrischen Antriebe bei 11,6%.

Ersichtlich wird die Elektrifizierung aber nicht bei den Zulassungen, sondern beim Modellangebot der Hersteller. Dieses wird nämlich laufend ausgebaut – und deckt immer mehr Marktsegmente ab. Zuerst waren E-Antriebe in Kleinwagen präsent, mit dem Model S von Tesla kam die erste Limousine hinzu – später folgten weitere Limousinen, meist im hohen Preissegment. Vor allem beliebt sind SUVs, weil sich bei dieser Bauform die Akkus besonders gut im Unterboden verstauen lassen. Entsprechend hoch ist hier das Angebot.

Was aber bislang noch fehlte: ein echtes, geräumiges Familienauto mit grossem Kofferraum, fünf oder gar sieben Sitzen und das zu einem zumindest einigermassen erschwinglichen Preis. Letzterer steht zwar noch nicht fest, doch dürfte der neue EQB von Mercedes, der im Februar in den Handel kommen soll, bei knapp unter 60000 Franken starten. Das macht ihn nicht zum Schnäppchen, für einen Mercedes mit derart viel Nutzwert und moderner Technik ist das aber in Ordnung.

Bekannte Hülle, neue Innereien

Die technische Basis teilt sich der jüngste Stromer von Mercedes mit dem SUV-Modell GLB mit konventionellem Antrieb. Für optische Differenzierung sorgen ein komplett verschlossener Kühlergrill und durchgängige Leuchtenbänder an Front und Heck. Geblieben ist das gradlinige und robuste Design des GLB. Das sorgt nicht nur für markante SUV-Optik, sondern auch für sehr viel Nutzwert. Diesbezüglich nimmt es der EQB auch mit waschechten Familienvans auf, die inzwischen schon fast ausgestorben sind. Gepaart mit dem E-Antrieb macht das den Stromer mit Stern fast schon zum konkurrenzlosen Angebot mit 495 bis 1710 Liter Laderaum und sieben Sitzen. Grossgewachsene werden auf den Plätzen in der dritten Reihe zwar nicht wirklich bequem sitzen, für Kinder sind sie aber allemal reisetauglich.

Elektrisch in den Urlaub

Der neue EQB soll vornehmlich ein Familienauto sein und bietet sich mit seinem grosszügigen Raumangebot natürlich für die Reise in den Urlaub an. Spätestens hier kommt die Frage nach der Reichweite auf: 419 Kilometer prognostiziert die WLTP-Messung.

Nach der ersten Testfahrt schätzen wir, dass auch bei reiner Autobahnfahrt noch gut 300 Kilometer möglich sind. Oder, familientauglicher ausgedrückt: Etwa alle 2½ bis 3 Stunden ist eine Pause nötig, was ein durchaus angenehmer Reiserhythmus ist. Der im Unterboden verbaute Akku bietet 66,5 kWh nutzbare Energie und kann an einer Schnellladestation mit maximal 100 kW geladen werden. Das erscheint in Anbetracht von Konkurrenten wie dem Tesla Model Y oder dem Kia EV6, welche mit deutlich mehr als 200 kW laden, erst einmal bescheiden. Doch: Der EQB hält seine maximale Ladeleistung bis fast 80% Ladestatus konstant durch. 32 Minuten braucht er, um diesen zu erreichen – ein paar Minuten langsamer als die Konkurrenz, aber weiterhin durchaus reisetauglich.

Mercedes EQB

Mercedes EQB

Bild: zVg

Das gilt auch für die Fahreigenschaften des «Raumwunders»: Auf der ersten Testfahrt fällt vor allem die sehr gute Geräuschisolierung auf. Wie auch die übrigen Elektromodelle mit Stern bietet der EQB hier genau das, was man von einem Mercedes erwarten darf – erhabene Stille. Wind- und Abrollgeräusche sind kaum zu hören, und auch vom E-Antrieb ist so gut wie nichts zu vernehmen. Gepaart mir dem guten Federungskomfort ermüdet man auch auf langen Strecken kaum. Beim Antrieb wird Mercedes zunächst zwei Varianten anbieten: den EQB 300 4 Matic und den EQB 350 4 Matic. Das Basismodell bietet 228 PS und 390 Nm Drehmoment.

Damit wirkt das 2,2 Tonnen schwere SUV zwar nicht sportlich schnell, für ein Familienauto aber absolut ausreichend motorisiert. Wer mehr Leistung will, kriegt im «350» 292 PS und 520 Nm Drehmoment, was für deutlich flottere Beschleunigung sorgt. Bei Reichweite und Verbrauch sind beide Versionen identisch.

Identisch ist auch die Gestaltung des Cockpits mit zwei aneinander gereihten Displays im Querformat. Eines dient als übersichtliche Tachoeinheit, das andere als Infotainmentsystem, das sich einfach über Touchscreen, eine Bedieneinheit auf der Mittelkonsole oder über die gut funktionierende Sprachsteuerung bedienen lässt.

Mercedes EQB

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Bild: zVg

Besonders angenehm sind Funktionen wie die «Augmented reality»-Navigation, die die Richtungspfeile in ein Kamerabild einbettet, und der ausgefeilte Routenplaner, der Ladestopps automatisch und passend einberechnet. Zudem bietet Mercedes auch einen eigenen Service zur Abrechnung der Ladekosten an; so kann mit einer Karte an fast allen Ladestationen in Europa unkompliziert geladen werden.

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