Die G-Klasse ist ein Urgestein, nicht nur im Mercedes-Portfolio, sondern auch in der übrigen Autowelt. Kein anderes Modell wird seit so vielen Jahren gehegt und gepflegt - und in äusserlich fast unveränderter Form gebaut. Trotzdem hat die G-Klasse einen grossen Wandel hinter sich; zu Beginn des Geländewagens bei Mercedes war das Auto das pure Gegenteil des Luxus-Offroaders von heute.
Die Anfänge der G-Klasse datieren aus den frühen 1970er-Jahren. 1972 vereinbarten Daimler-Benz und Steyr-Daimler Puch (heute Magna Steyr, weiterhin in Graz) die Entwicklung eines Geländewagens, hauptsächlich für militärische Zwecke. Nicht nur die deutsche Bundeswehr, sondern auch die iranische Armee zählten zu den angestrebten Kunden. Dies nicht zuletzt, da der iranische Herrscher Mohammad Reza Pahlavi seinerzeit Grossaktionär bei Daimler-Benz war und nach einem Patrouillen-Fahrzeug für seine Streitkräfte suchte. 1975 wurde schliesslich die Serienproduktion in Graz (A) beschlossen, wo die G-Klasse noch heute zu grossen Teilen von Hand gebaut wird.
Über die Jahre fand der «G» nicht nur bei zahlreichen Armeen Abnehmer, sondern auch bei Förstern, Feuerwehren und privaten Offroad-Fanatikern. Sie schätzten alle die robuste Bauweise, die hervorragenden Geländeeigenschaften und die einfach gehaltene Form, wodurch sich der Wagen leichter reparieren lässt. Diese Punkte kristallisierten sich mehr und mehr zu den Kernpunkten des Gelände-Benz heraus.
Noch heute baut er auf einem soliden Leiterrahmen auf und bietet permanenten Allradantrieb mit drei unabhängig aktivierbaren Differenzialsperren und Geländeuntersetzung. Der «G» wühlt sich noch immer durch hartes Gelände. Und das, obwohl das für die meisten privaten Kunden vielleicht gar nicht mehr so wichtig ist. Denn die G-Klasse, die über die Jahre stets behutsam weiterentwickelt wurde und damit auf dem neusten Stand der Technik blieb, hat sich gewandelt: Vom unverwüstlichen Profi-Gerät für hartes Gelände zum edlen Lifestyle-Offroader, der auf den Boulevards dieser Welt eine gute Figur macht. Ein schickes Accessoire für die Flaniermeile, inzwischen mit voll digitalem Cockpit, reichlich Leder im Innenraum, gehobenem Fahrkomfort und bis zu 585 PS aus einem kräftigen V8-Motor. Trotzdem hat Mercedes nicht vergessen, was die Kernwerte einer G-Klasse sein sollen.

Gelände erleben
Um Kunden und Fans glaubhaft zu vermitteln, dass der «G» seinem Namen weiterhin Ehre macht, eröffnet Mercedes noch dieses Jahr ein «G-Klasse-Experience-Center» in Österreich, unweit der Magna-Steyr-Fabrik, wo der Geländewagen gebaut wird.
Auch die Werksteststrecke, der Schöckl, ist in Sichtweite. Während auf der Bergstrecke, auf der sich jede G-Klasse vor dem Serienstart bewähren muss, Steigungen von bis zu 60% zu bewältigen sind, geht Mercedes auf dem kontrollierten Experience-Center noch einen Schritt weiter. Auf Rampen werden Gefälle von bis zu 100% gefahren. Was für das Auto noch kein Problem ist, wird für den Fahrer zur Mutprobe: Man hängt im Sicherheitsgurt und hat das Gefühl, gerade in den Boden hineinzurasen.
Weiter bietet das Experience-Center Fahrten über hohe Schotterberge und einen abwechslungsreichen Parcours durch den Wald, gespickt mit Verschränkungen, Steigungen, Gefälle und gar einer Wasserdurchfahrt. So lässt sich unter fachkundiger Anleitung erfahren, warum sich die G-Klasse seit 1979 ihren Legendenstatus erarbeiten konnte.

Neuer Diesel
Der Geburtstag des Geländewagens wird nicht nur mit dem neu gebauten Offroad-Park gefeiert. Zeitgleich mit dem Jubiläum lanciert der Stern einen neuen Diesel im G. Der G400d reiht sich, wie es der Name vermuten lässt, zwischen dem bekannten Einstiegsdiesel G350d (286 PS/ 600 Nm) und dem V8-Benziner im G500 (422 PS/610 Nm) ein. Der Reihen-Sechszylinder leistet 330 PS und 700 Nm Drehmoment. Damit sprintet der Kult-Offroader bei Bedarf in 6,9 Sekunden auf 100 km/h und verbraucht laut WLTP-Messung 9,6 l/ 100 km. Deutlich sparsamer also, als der V8-Benziner, auch wenn natürlich das hohe Gewicht von knapp 2,5 Tonnen und der nicht unerhebliche Luftwiderstand des kantigen Blechkleides Tribut fordern.
Auf der Strasse wirkt der starke Diesel sehr souverän. Er schiebt ohne Verzögerung an, bleibt dabei laufruhig und hält genügend Reserven bereit. Das wirkt sehr passend und macht die G-Klasse zum erhabenen Gleiter, auch wenn der Federungskomfort konzeptbedingt nicht ganz so hoch ist wie in modernen SUVs mit komplexer Luftfederung.
Dafür zeigt ihnen die G-Klasse spätestens im Gelände durch das kantige Heck mit Reserverad und Anhängerkupplung, an die bis zu 3,5 Tonnen gehängt werden dürfen.
Preislich wird sich der G400d ebenfalls zwischen G350d (ab 119 700 Franken) und G500 (ab 139 400 Franken) einordnen.
Damit hat sich die G-Klasse über die Jahre auch preislich stark weiterentwickelt. Aber: Die Qualität sowohl der Mechanik als auch des Innenraumes ist von erster Güte. Schliesslich will die G-Klasse auch nach 40 Jahren nicht zum alten Eisen gehören und stärker als die Zeit sein. So heisst das Sondermodell zum Jubiläum: «Stronger than time».