Pure Fahrfreude; leichtfüssiges Fahrgefühl; reinrassiger Sportwagen: Mit Bezeichnungen wie diesen werden sportliche Fahrzeuge aller Art angepriesen. Bei Caterham dürfte man dafür nur ein Schmunzeln übrig haben. Denn reiner, purer und leichter als ein Caterham Seven kann ein Sportwagen kaum sein. Genau die richtige Wahl also, um den goldenen Herbst in vollen Zügen zu geniessen.
Gegen Regen oder kalten Wind kann man sich im britischen Zweiplätzer mit einem kleinen Faltverdeck und Kunststofftürchen schützen. Für das richtig pure Fahrerlebnis bleibt das Dach hinter den Sitzen zusammengefaltet und die Türteile im kleinen Kofferraum. So sitzt man fast komplett an der frischen Luft – und erlebt das Fahren einzigartig nah und intensiv. Genauso wie im legendären Urahn, dem Lotus Seven, der von 1957 bis 1972 gebaut wurde. Caterham kaufte 1973 die Lizenz zum Bau des Seven – und hat die Konstruktion seitdem zwar im Grundkonzept erhalten, aber den Roadster auch stetig verbessert. Die derzeit extremste Ausprägung ist der Seven 485 CSR. Er verfügt auf Wunsch über ein grösseres Chassis (11 Zentimeter breiter, 15 Zentimeter länger), um mehr Platz für Insassen und Gepäck zu schaffen. Trotzdem bleibt die klassische Optik des britischen Roadsters erhalten: freistehende Räder, lange Haube und kleine, runde Scheinwerfer. So könnte der Seven für den Laien glatt auch als Oldtimer durchgehen. Nur Details wie die LED-Leuchten, die Klappensteuerung am seitlichen Auspuff oder die vielen Karbon-Teile verraten, dass der Seven zum modernen Sportwagen gereift ist und es faustdick unter seinem zierlichen Blechkleid hat.
Der radikale Verzicht und die gezielten Leichtbaumassnahmen sorgen dafür, dass der Brite auf ein Leergewicht von nur 550 Kilogramm kommt. Andere Sportwagen wiegen gerne das Doppelte oder Dreifache. Mit 240 PS aus einem 2-Liter-Saugmotor, dessen Basis von Ford stammt, resultiert ein Leistungsgewicht, dass sich selbst vor den stärksten Kandidaten aus Zuffenhausen oder Maranello nicht verstecken muss. Caterham gibt an, dass der Sprint auf 100 km/h in nur 3,5 Sekunden möglich ist. Das klingt angesichts des enormen Vortriebs glaubwürdig, ist aber eigentlich nur die halbe Wahrheit. Denn Zahlen spielen bei diesem Sportwagen nur eine Nebenrolle. Es geht hier vor allem um das einzigartige Erlebnis.


Schall und Wind
Die Fahrt im Caterham beginnt mit dem Einsteigen. Man öffnet keine Tür, man steigt über den Seitenschweller ins passgenau geschnittene Cockpit. Grossgewachsene und Ungelenkige können das Lenkrad entfernen, um die Beine besser in den schmalen Tunnel einfädeln zu können. Mit den optionalen Vierpunktgurten verzurrt man sich fest mit dem kleinen Briten und findet sich in einem minimalistischen Cockpit wieder, das ganz auf das Wesentliche reduziert wurde: kein grosser Bildschirm für Naviga-tion und Unterhaltung, keine Tasten für die Sitzheizung, keine elektrischen Spiegel und elektronischen Fahrhelfer. Ein paar Tasten für Licht, Heizgebläse und Blinker, ein paar Uhren für die wichtigsten Motordaten, Tacho und Drehzahlmesser. Mehr gibt und braucht es hier nicht.
Mit tiefem Bass meldet sich der 4-Zylinder über das seitliche Auspuffend- rohr zum Dienst. Per Knopfdruck lässt sich zudem eine Klappe öffnen, die den Motorklang von zivil auf verheissungsvoll ändert. Die Pedale liegen eng beieinander, sodass man den Fussraum zwar vor dem ersten Losfahren etwas abtasten sollte, danach aber sehr flink und präzise schalten und walten kann.
Sofort wird klar, dass hier nicht die Elektronik, sondern der Mensch fährt. Kupplung und Schalthebel fühlen sich mechanisch und präzise an und lassen sich mit sehr kurzen Wegen bedienen. Das Bremspedal ist ungewöhnlich hart, ein Bremskraftverstärker ist nicht mit an Bord, vermittelt dafür aber viel Rückmeldung. Dasselbe gilt auch für die Lenkung, die ohne Servounterstützung auskommt.
Fast sämtliche Helfer, die man sich von modernen Autos gewohnt ist, fehlen hier. Trotzdem – oder eben gerade deswegen – fasst man schnell Vertrauen zum schnellen Seven.
Dass sich der kleine Roadster sehr leichtfüssig bewegt, ist zwar angesichts der technischen Daten keine Überraschung, dafür aber umso begeisternder. Auf jeden Fall überraschend ist aber, wie sicher und souverän der Seven fährt. Der jahrelange Feinschliff ist hier deutlich zu spüren. Federn und Dämpfer wurden sehr feinfühlig abgestimmt. So federt das Fahrwerk auch gröbere Unebenheiten erstaunlich sanft weg und der Wagen bleibt souverän in der Spur. Auch beim Beschleunigen aus engen Kurven ist der Seven nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Trotz fehlender Fahrhilfen und viel Leistung braucht man also kein erfahrener Rennpilot zu sein, um den schnellen Zweisitzer zu beherrschen. Vielmehr braucht es schon eine ordentliche Portion Selbstdisziplin: Denn das fantastische Kurvenverhalten, der grossartige Klang und die Drehfreude bis weit über 8000 Umdrehungen des Sportmotors und die mechanisch präzise Bedienung bereiten enormen Spass – und können gefährlich verführerisch sein.
Aber: Man kann den Roadster auch wunderbar gemütlich bewegen, die Landschaft geniessen und darüber staunen, wie genügsam das Leichtgewicht ist. Der angegebene Werksverbrauch von 7,5 l/100 km ist durchaus realistisch. Und selbst bei flotter Fahrweise bleibt der Seven unterhalb der 10-Liter-Marke.
Trotzdem hat es die geniale, über die Jahre gereifte Konstruktion derzeit schwer. Die Ingenieure von Caterham arbeiten mit Hochdruck daran, den starken 485 CSR mit der sportlichen 6-Gang-Handschaltung auf den neuen WLTP-Zyklus zu trimmen, sodass er auch in Zukunft zugelassen werden kann. Derzeit ist das leider nicht möglich. Der Schweizer Importeur, Kumschick Sports Cars AG in Schötz, hat sich aber noch rechtzeitig eingedeckt und einige Fahrzeuge an Lager.

Lagerbestand Caterham Seven.

Kumschick Sports Cars, Schötz

Lagerbestand Caterham Seven.