Vor allem in den Bergregionen der Schweiz ist der Suzuki Jimny ein fester Bestandteil des Strassenbildes. Oder manchmal auch: des Landschaftsbildes. Denn vor allem, wenn es auch abseits der Strasse vorwärtsgehen soll, ist der Jimny für viele die erste Wahl. Ein kleiner, preiswerter Geländewagen, der aber, im Gegensatz zu den modischen Crossver und Klein-SUV, echte Geländetauglichkeit mitbringt. Das macht den Jimny beinahe einzigartig. Dieses Nischen-Dasein verhilft dem Japaner zu grosser Beliebtheit und konstant hohen Verkaufszahlen.
Seit 1970 haben die Japaner rund 2,85 Millionen Stück in bislang nur drei Generationen verkauft; der bisherige Jimny war für heutige Verhältnisse unglaubliche 20 Jahre auf dem Markt. Höchste Zeit als für eine umfassende Erneuerung – auch wenn sich der Jimny der dritten Generation sogar im vergangenen Jahr noch prächtig verkaufte. Die Absatzzahlen blieben in den letzten sieben Jahren praktisch konstant. Ein Zeichen dafür, dass der kleine Geländewagen tatsächlich eine Nische bedient, in der er kaum Konkurrenz hat. Dieser Erfolg baut aber freilich auch Druck auf die Neuauflage auf.

Mode ohne Allüren

Um den Jimny in die Gegenwart zu holen, wollte ihm Suzuki mehr Lifestyle verpassen, um mehr neue Kunden zu gewinnen. Gleichzeitig soll der Jimny aber auch ganz der Alte bleiben: simpel, rustikal und robust.
Diesen Zwiespalt hat Suzuki mit dem neuen Jimny hervorragend gelöst, was sich schon auf den ersten Blick erkennen lässt. Er ist kompakt geblieben; im Vergleich zum Vorgänger wurde der Jimny, auch das ist in der heutigen Autowelt unüblich, um fünf Zentimeter verkürzt; er misst nun 3,64 Meter. Ansonsten blieben die Abmessungen beinahe identisch. Das Design wurde aber radikal verändert. Kam der Vorgänger noch eher brav und unscheinbar daher, darf der kleine Suzuki nun auffallen – vor allem wenn er in knalligem Leuchtgelb bestellt wird. Auffällig ist auch, dass der Neue bewusst kantig gezeichnet wurde, was ihm im Zusammenspiel mit den kompakten Abmessungen gut zu Gesicht steht. In einigen Details
zitiert er nicht nur den Ur-Jimny, der beispielsweise ebenfalls runde Frontleuchten und ausgestellte Radhäuser hatte, sondern auch andere bekannte Offroad-Legenden: An der Front meint man, etwas Jeep und etwas Hummer zu erkennen. Das Heck erinnert vor
allem beim Dachabschluss stark an die G-Klasse von Mercedes. Das alles nimmt man aber nicht als plumpe Kopie, sondern vielmehr als liebevolles Zitieren wahr. Zumal der Jimny im Gelände beweist, dass er sich zu Recht in der Liga der Gelände-Legenden wähnt.
Bei den ersten Testfahrten rund um Frankfurt musste sich der Jimny auf der Strasse und selbstverständlich auch abseits derselben beweisen. Auf Asphalt fühlt sich der kleine Dreitürer flink und leichtfüssig an. Das Fahrwerk und die Lenkung, typisch für einen Gelände-wagen, sind eher sanft ausgelegt. So kommt in Kurven zwar spürbar Seitenneigung auf, dafür wirkt der Jimny dank nur knapp 1,2 Tonnen Leergewicht sehr handlich.
Angetrieben wird der Japaner ausschliesslich von einem 1,4-Liter-Benziner mit 75 PS und 130 Nm Drehmoment. Der ist dem geringen Gewicht durchaus gewachsen und überzeugt mit gleichmässiger Leistungsentfaltung. Nur bei Geschwindigkeiten über 100 km/h wünscht man sich einen 6. Gang, um die Drehzahl etwas tiefer zu halten. Alternativ zum getesteten 5-Gang-Schaltgetriebe ist auch eine 4-Gang-Automatik erhältlich.

Er bleibt ein Arbeitstier

Beiden gemein ist der zuschaltbare Allradantrieb samt Geländeuntersetzung. Denn trotz radikal neuem Design und deutlich verbesserter Ausstattung mit Klima-Automatik, Navigationssystem und Spurhalteassistent bleibt der Jimny primär eines: ein echtes Arbeitstier für harte Geländepassagen. Er baut weiterhin auf einem soliden Leiterrahmen auf und meistert dank kurzen Überhängen, genügend Bodenfreiheit und schmalen Reifen auch steile Auf- und Abstiege. Neu helfen dabei die entsprechenden Assistenten fürs Anfahren am Berg und kontrollierte Bergabfahrten. Bis auf diese elektronischen Zugaben funktioniert der Jimny aber auch im Gelände rein mechanisch. Allrad und Untersetzung werden weiterhin über einen zusätzlichen Schaltstock zugeschaltet und nicht per Knopfdruck. Auch das Cockpit wurde mit dem neuen Touchscreen-Navi und der frischeren Gestaltung zwar moderner, bleibt aber weiterhin so zweckmässig, wie es in einem Jimny eben sein muss.
So wird die neue Generation des Klassikers mit seinem Design bestimmt auch ein paar neue Kunden bringen. Vor allem aber wird sie die angestammten Fahrer nicht enttäuschen und auch weiterhin als unverzichtbarer Begleiterin unersetzlich sein. Selbstverständlich weiterhin zu vernünftigen Preisen: ab 21 990 Franken.