Seat Ibiza
Die Partyinsel wird zum Baby-Löwen

Seat legt den Ibiza neu auf. Der Kompakte bildet nach wie vor das Fundament der Modellpalette.

Philipp Aeberli
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«Modularer Querbaukasten»; die deutsche Aussprache wirkt bei den spanischen Seat-Leuten noch etwas holprig. Aber die offizielle Bezeichnung für die vielseitigen Fahrzeugplattformen aus dem VW-Konzernregal ist auch ein echter Zungenbrecher. Aber was sind schon Worte? Es sind die Taten, die zählen. Und wie man in Deutschland Autos baut, das haben die Spanier definitiv erlickt. So gut, dass Seat als erste Konzernmarke die neue «MQB A0-Plattform» verwenden darf. Noch vor VW Polo und Skoda Fabia kommt also der Seat auf der neuen Kompaktwagen-Basis.
Seat ist auf dem Weg nach oben - und konnte im ersten Quartal erneut einen Rekordzuwachs von 14,5% bei den Absatzzahlen vorweisen. Daran trägt natürlich der Leon einen grossen Teil bei und auch der 2016 lancierte SUV Ateca. Zudem steigerten die Spanier auch ihre Rendite, da die Autos in immer höheren Ausstattungsvarianten verkauft werden. Trotzdem wollen die Spanier die Basis nicht vernachlässigen. Vieles, was den Erfolg der Marke ausmacht, verdankt man nämlich dem kleinen Ibiza. Er lockt die jungen Kunden, die für das moderne Image der Marke verantwortlich sind. Er ist es, der dank erschwinglichem Preis die Marke attraktiv für Jedermann macht - 5,4 Millionen Ibiza wurden seit 1984 verkauft. Und er ist es auch, der dank seinem flinken Fahrverhalten das sportliche Image der spanischen Marke prägt. Ein grosses Erbe also, das die neue, fünfte Generation anzutreten hat.

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Gewachsener Knirps
Wichtigste Änderung für den neuen Ibiza: Er ist dank der neuen Plattform gewachsen. Zwar wurde er in der Länge um einen Millimeter gekürzt und um einen Millimeter flacher, doch wuchs er deutlich in die Breite: Plus 87 mm. Zudem Wuchs der Radstand um fast 10 Zentimeter. Das sorgt für deutlich mehr Platz im Innenraum. Vor allem der Zuwachs in der Breite macht sich sofort bemerkbar. Das Raumgefühl ist deutlich grosszügiger, wodurch das Auto erwachsener wirkt. Man wähnt sich schon fast im grossen Bruder, dem Leon. Auch, weil die Sitze, die Tacho-Einheit und das Lenkrad aus eben diesem übernommen wurden. Das Interieur an sich fällt vor allem mit einer Neuen Navi-Einheit auf. Anstelle von konventionellen Tasten gibt es berührungsempfindliche Flächen links und rechts des Touchscreens. Zudem gibt es neu gestaltete Ziereinlagen und zahlreiche Ablagefächer. Damit die Kosten im Rahmen bleiben, musste man natürlich, gerade im Vergleich zum Leon, an gewissen Stellen sparen. Das Cockpit ist daher grösstenteils in Hartplastik gefertigt. Halb so wild, die meisten Teile berührt man im Alltag sowieso nie; Türtafeln und Lenkrad sind in Leder gekleidet und wirken hochwertig. Insgesamt hinterlässt der Ibiza im Interieur einen guten Eindruck; wer wirkt wertig verarbeitet und durchwegs solide. Auch das Platzangebot auf den Rücksitzen ist, für einen Kompakten von nur gerade 4,06 Metern Länge, absolut in Ordnung. Der Kofferraum fasst 355 Liter, ein Zuwachs von 60 Litern. Schade nur, dass beim Umklappen der Rückbank eine kleine Schwelle entsteht und der Laderaum damit nicht ganz eben ist.

Erwachsener Fahrspass
Auf der Strasse macht der junge Spanier mit seinem durch scharfe Kanten geprägten Design, einen sehr erwachsenen Eindruck. Die neue Plattform wurde, im Vergleich zum Vorgänger, um 35% Verwindungssteifer. Das macht sich vor allem auf schlechten Strassenabschnitten bemerkbar, wo auch bei groben Schlaglöchern nichts knarzt und knackt im Innenraum. Das Fahrwerk präsentiert sich sehr ausgewogen, steckt auch gröbere Unebenheiten und zittern oder rumpeln weg und vermittelt einen agilen Eindruck. Vor allem in der «FR»-Version, die um 15 Millimeter tiefergelegt wurde, bietet der Ibiza den typischen Fahrspass, den man vom Kompakten, der seinen Namen von der spanischen Party-Insel hat, erwartet: Handlich, zielgenau und flink.
Für die erste Testfahrt stand der Ibiza in zwei Motorisierungen bereit, die in der Schweiz zu den beliebtesten zählen dürften. Schon zur Markteinführung im Juni ist der turbogeladene 1-Liter-Motor mit drei Zylindern erhältlich. Er leistet 115 PS, was für den rund 1100 kg leichten Ibiza ausreichend ist. Er gefällt mit spritziger Leistungsentfaltung und sportlichem aber unaufdringlichem Klang. Er soll 4,7 l/100 km verbrauchen und ist mit 6-Gang-Handschaltung oder 7-Gang-DSG erhältlich. Die selben Optionen bietet auch der vorläufige Top-Motor, der allerdings erst ab Sommer erhältlich sein wird: Der neue 1,5-Liter-Vierzylinder mit aktiver Zylinderabschaltung und 150 PS.
Die Preise für den neuen Ibiza starten bei 15 750 Franken (75 PS).