Fiat

Der mit der kleinen blauen Pille

Fiat 500X

Fiat 500X

Der aktuelle Werbespot zum Fiat 500 X ist derzeit in aller Munde – doch reicht eine Viagra-Pille, um aus dem Italiener ein grosses Auto zu machen?

Eigentlich ist der Fiat 500X ja ein Jeep. Oder ist der Jeep Renegade ein Fiat? Die Grenzen zwischen der amerikanischen Fiat-Tochter Chrysler/Jeep und dem italienischen Mutterhaus sind nicht mehr ganz klar ersichtlich. Sicher ist, dass uns der Jeep Renegade im Test vor ein paar Monaten sehr gut gefallen hat. Es bleibt die Frage, ob der Fiat auf Augenhöhe mit dem «Amerikaner» ist. Im Test stand der stärkste Dieselmotor (zwei Liter Hubraum, 140 PS) der an die neuentwickelte Neunstufenautomatik gekoppelt war. In dieser Kombination lässt sich das Auto durchaus keck bewegen, auch wenn der Diesel nicht wirklich spritzig wirkt. Und die Automatik? Die schaltet, eigentlich: immer. Allein bis man 55 km/h erreicht hat, stehen vier Gangwechsel an. Wenigstens spürt man fast nichts von den Schaltvorgängen, die Steuerung der Automatik ist durchaus gelungen. Man kann natürlich auch eine Sportstellung anwählen, aber dann wird erst ganz spät hochgeschaltet – das passt dann nicht zum Charakter des Autos. Also besser im Normalmodus fahren.

Fiat 500X

Fiat 500X

Innen ist der 500X ein echter Fiat. Will heissen, die Sitzposition, die Ergonomie und das Platzangebot sind gut, aber nicht überragend. Und nicht besser als beim Jeep. Besser ist aber das Raumgefühl. Weil die Fensterflächen grösser sind als beim Renegade, wirkt der 500X luftiger. Und innen kann man – die entsprechende Geldbörse vorausgesetzt – in Luxus schwelgen. Lenkrad- und Sitzheizung, Klimaautomatik, ein ordentliches Multimediasystem (Blue&me ist zum grossen Glück längst Geschichte . . . ) und gute Verarbeitung überzeugen durchaus. Aber eben, dann wirds nicht billig. Unser Testwagen mit nahezu allen Optionen kostet nicht weniger als 43 750 Franken. Es gibt den «X» zwar schon ab 19 990 Franken, allerdings dann nur mit Vorderradantrieb und einem etwas lethargischen Benziner mit 110 PS. Wie gesagt, unser Testwagen war mit vielen Optionen aufgerüstet. Und dass mehr nicht immer besser ist, wurde rasch klar. 225/45 R 18 war als Bereifung auf den Prüfling geschraubt. Und, anders als der Renegade, mag der Fiat 500X mit dieser Bereifung leichte Unebenheiten nicht. Er stuckert immer leicht, rollt nicht ganz so elegant ab. Hier wäre wohl die Standardbereifung mit grösserem Querschnitt und entsprechend höherer Eigendämpfung die bessere Wahl. Auch bei der Tachoeinheit gibt es etwas Kritik. Hier wurde für einmal am falschen Ort gespart . . . Die Tachonadel ist so kurz, dass man schätzen muss, wie schnell man gerade fährt. Man kann sich das Tempo auch digital in der Mitte des Kombiinstruments anzeigen lassen. Vielleicht möchte man sich anstelle des Tempos aber lieber etwas anderes an dieser Stelle anzeigen lassen.

Fünf Millimeter längere Zeiger, und alles wäre okay. Aber sonst macht der Fiat wirklich eine gute Figur. Auch wenn kein ebener Laderaumboden entsteht, wenn man die Rücksitzlehnen abklappt, das Platzangebot ist gut. Und auch das Fahrgefühl ist sehr okay. Man kann den kompakten Fiat auch durchaus sportlich bewegen, ohne hilflos am Lenkrad zu hängen. Das spricht für die Sitze, die in unserem Fall allerdings mit etwas rutschigem Leder der Edelmanufaktur Poltrona Frau bezogen waren. Die neun Gänge wurden natürlich auch implantiert, um den Verbrauch so tief wie möglich zu halten. Laut Fiat soll der 500X 5,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Ein Liter mehr wars in unserem Test. Aber das ist angesichts der Fahrzeuggrösse, der Komfortausstattung und der Fahrleistungen akzeptabel. Und, die Start/Stop-Automatik funktioniert hervorragend. Schneller Neustart, kein Ruckeln – so soll es sein. Optisch ist der Fiat schon eine ganze Ecke runder als der etwas pummelig wirkende Jeep. Mit den ausgestellten Radhäusern kommt der 500X maskulin ums Eck, fast noch maskuliner als das sein Bruder von der «Männermarke» Jeep. Preislich ist der Renegade allerdings auch fast gleichauf mit dem Fiat-Crossover. Es dürfte also eine Frage des persönlichen Geschmacks sein, für welches der beiden Autos man sich – wenn überhaupt – entscheidet.

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