Fiat

Der «kleine» Raumgleiter

Fiat 500L

Fiat 500L

Fiat 500 L heisst der Minivan aus dem Hause Fiat, der eben zu seinem Dauertest-Dienst angetreten ist.

Nur der Name des Autos ist wegen der engen Verwandtschaft zum 500er schon irreführend. In Zahlen: der 500L ist 415 cm lang und satte 178 cm breit. Im Vergleich zum Cinquecento bedeutet dies: er ist 61 cm länger und 16 cm breiter als sein kleiner Bruder. Damit spielt der «L» in einer anderen Liga und muss gegen Konkurrenten wie einen Opel Meriva (429 cm), dem Mini Countryman (410 cm)  oder einen Skoda Yeti (422 cm) antreten. Und dieses Segment ist sehr umkämpft. Und: in diesem Umfeld zählt praktischer Nutzen oft mehr als der schöne Schein. Das Auto steht relativ hochbeinig da, die hochgezogene Front, die breite Spur und die kräftig gewölbten Radhäuser sollen wohl Kraft und Widerstandskraft symbolisieren. Der 500L polarisiert entsprechend wie der Mini. Man mag ihn, oder eben nicht. Gar nicht übersehbar ist das Raumangebot im Fiat. Man sitzt wirklich bequem, auch wenn grosse Menschen sich etwas längere Sitzkissen wünschen würden. Insbesondere im Fond gibt es Kniefreiheit ohne Ende, die Kopffreiheit ist ohnehin extrem grosszügig bemessen. Die Übersicht ist auch sehr okay, die Fensterflächen grosszügig dimensioniert. Allerdings muss man im Winter unbedingt auch die Dreiecksfenster in den A-Säulen freimachen, sonst übersieht man locker einen australischen Roadtrain. Und: es gibt jetzt endlich einen richtig passenden Motor für den 500L.

Bisher war er nämlich nur mit drei mässig interessanten Motoren zu haben. Der Zweizylinder mit 0,9 Liter Hubraum und der 1300er-Diesel waren schlicht zu schwach für den grossen 500er. Und der 1,4 Liter Benziner ohne Aufladung hatte schlicht viel zu wenig Drehmoment. Unseren Dauertest bestreitet der Fiat nun aber mit dem neuen Triebwerk, einem 1,6 Liter grossen Diesel, der maximal 105 PS leistet. Also auch kein Leistungsgigant, dank des früh anstehenden, maximalen Drehmoments von satten 320 Nm fährt sich der 500 L nun durchaus fein. Auch wenn der Selbstzünder nicht zu den leisesten Vertretern seiner Gattung gehört, stört das Diesel-Motorgeräusch eigentlich nur beim Kaltstart. Ist der Motor einmal warm gefahren, hält sich die Lärmbelästigung in Grenzen. In Grenzen halten sich auch die sportlichen Ambitionen des Autos. Und das ist alles andere als ein Kritikpunkt. Denn der Fiat rollt geschmeidig ab und verwöhnt die Passagiere mit einem hohen Fahrkomfort. Zusammen mit der edlen Ausstattung und der leicht zu bedienender Schaltung ist der 500 L ein sehr angenehmer Begleiter, sogar auf längeren Reisen. Bisher haben wir rund 1000 Kilometer mit dem Wagen absolviert und dabei im Schnitt genau sechs Liter pro 100 Kilometer verbraucht. Dies ist wesentlich mehr als Fiat verspricht (4,5 L/100 km). Der Verbrauch dürfte allerdings mit zunehmender Kilometerleistung des Motors noch etwas zurückgehen. Der Fiat 500 L hat seine Schwächen, aber er wird Familien, die sich damit abfinden können, auch begeistern. Etwas erhöhte Sitzposition, Platz in Hülle und Fülle, da und dort etwas italienisches Flair, der 500L ist ein sympathisches Auto. Trotz, oder eben weil er nicht perfekt ist.

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