Viele Impreza-Fahrer kennen das. Als die scharfen Versionen der Limousine als Ableger der sehr erfolgreichen Rallyefahrzeuge auf die Strasse kamen wurden sie als Renn-Schilter, Milchkannen-Express oder Subventions-Ferrari tituliert. Subaru wurde als Allradpionier in der Schweiz immer mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht. Tempi passati, die neuste Generation des schärfsten Subaru hat mit dem allem nicht mehr viel zu tun.

Nein, die Verarbeitung eines Audi, BMW oder Mercedes darf man im Innenraum nicht erwarten. Den Vergleich zu Ford, Renault oder Fiat aber braucht er aber nicht zu scheuen, im Gegenteil. Wie sich der Subaru fährt, konnten wir ja ausgiebig ergründen, einerseits bei der Präsentation, andererseits auf der Rennstrecke. Im Alltagstest aber fallen meist andere Sachen auf als bei der Hatz nach Rundenzeiten. Das ist auch beim WRX STI nicht anders. Das merkt man auch im Überlandbetrieb. Der 2,5 Liter grosse Boxermotor will gedreht werden. Unter 3000 Umdrehungen baut sich kaum Ladedruck auf, entsprechend fühlt sich der Viertürer eher etwas träge an. Hat die Nadel des Drehzahlmessers die «3» aber passiert, geht der WRX STI richtig gut vorwärts. Höchste Zeit für den nächsten Gang. Kein Problem, solange man nicht im Hauptberuf Ziseleur ist. Die Schalthebelführung fühlt sich zwar deutlich weniger knochig an als bei den Vorgängern, aber ein Kleinod der Feinmechanik ist die Sechsgang-Box nach wie vor nicht. Natürlich ist die Domäne des Subaru das kurvige Geläuf. Ziemlich neutrales, eher eine Spur untersteuerndes Fahrverhalten, immer genügend Grip dank 4×4 und endlich eine Lenkung, die genügend präzise arbeitet. Die Federung ist natürlich straff. Und, besonders an der Vorderachse im Alltagsbetrieb nicht immer harmonisch. Eine Komfortsänfte wollte und will der WRX STI aber natürlich nicht sein.

Erfreulich einfach ist die Bedienung. Da gibt es keine elektronische Parkbremse, keinen Abstandstempomaten und auch keine Sitzlüftung, auch wenn das angesichts der möglichen Fahrleistungen durchaus ab und zu praktisch wäre. Der Vorteil davon ist, dass es verhältnismässig wenige Schalter und Knöpfe gibt, die Bedienung ist simpel. Die Schalter in der Mittelkonsole kann man im Alltag getrost vergessen. Auf normalen Strassen sind die Auswirkung der verstellbaren Antriebsmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse nicht spürbar. Der Automatikmodus macht das prima – wieder etwas mehr, um das man sich nicht kümmern muss.

Wer Subaru und Turbo hört wird sofort denken: sparsam ist der sicher nicht. Stimmt, den Öko-Preis wird man mit dem wilden Japaner nicht gewinnen. Im Test waren es genau 10,7 l/100 km. Das ist nicht wenig, aber offenbar steht Subaru auf realistische Verbrauchsangaben. Jedenfalls verbrauchte der WRX STI nur 3 dl mehr als das Werk vorgibt. Das schaffen nur ganz wenige Autos im Testbetrieb. Auf den 460 Liter fassenden Kofferraum kann man wahlweise einen kleinen oder einen richtig grossen Heckflügel montieren lassen. Wer es eher dezent mag, setzt auf den kleinen Heckabschluss. Für 44’900 Franken gibt es einen voll alltagstauglichen Sportler mit hohem Nutzwert und keinerlei Allüren.