Dacia Jogger
Grösse muss nicht teuer sein

Mit dem Jogger hat Dacia nun einen Siebensitzer im Angebot. Preislich bleibt er trotz neuer Grösse gewohnt attraktiv.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
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Beim Design kombiniert der Jogger Van, SUV und Kombi.

Beim Design kombiniert der Jogger Van, SUV und Kombi.

Bild: zVg

Grossfamilie, Fussballmannschaft oder Sammeltaxi: Es gibt Situationen, in denen ein Auto mehr als fünf Sitzplätze braucht. Grossraum-Vans im Stil eines VW-Bus oder siebensitzige SUVs sind aber je nach Einsatzgebiet unpraktisch gross und vor allem teuer. Ein klarer Fall also für Dacia. Die rumänische Marke hat sich in den letzten Jahren vom Nischenhersteller zur festen Grösse gemausert. Das Konzept von vernünftigen und sehr preiswerten Autos kommt vor allem bei Privatkunden sehr gut an. Seit 1999 gehört Dacia zur Renault-Gruppe und begann ab 2004 mit dem Logan, auch den westeuropäischen Markt zu bedienen. Seither wurden in 44 Ländern mehr als 7,5 Millionen Autos verkauft. Seit 2017 ist der Sandero der meistverkaufte Kompaktwagen Europas bei Privatkunden, der Duster ist seit 2018 das meistverkaufte SUV. Alle Modelle nutzen Technik aus dem Renault-Baukasten und bieten zunächst einmal nur das, was man im Alltag wirklich braucht. Auf Wunsch gibt es ein paar kleine Extras, von der Flut an kostspieligen Ausstattungsmöglichkeiten anderer Hersteller ist Dacia aber weit entfernt.

Die Rückleuchten im Hochformat sorgen für eine möglichst grosse Kofferraumöffnung.

Die Rückleuchten im Hochformat sorgen für eine möglichst grosse Kofferraumöffnung.

Bild: zVg

Das gilt auch für den Jogger, den neuesten und gleichzeitig auch grössten Dacia aller Zeiten. Wobei: Mit einer Länge von 4,55 Metern ist er acht Zentimeter kürzer als ein VW Golf Variant – und mit einem Leergewicht von 1251 kg ein echtes Leichtgewicht. Trotzdem bringt Dacia bis zu sieben Sitzplätze unter – und sogar auf der dritten Sitzreihe sitzen selbst Erwachsene noch, ohne sich unbequem verrenken zu müssen.

Möglich wird dies durch das clevere Design des Jogger, der auf der «CMF-B»-Plattform der Renault-Gruppe basiert, welche zum Beispiel auch im aktuellen Renault Clio zum Einsatz kommt. Eine kurze Haube, kurze Überhänge und der lange Radstand von 2,90 Metern schaffen viel Platz im Innenraum. Beim Design sucht Dacia einen Kompromiss zwischen Van, Kombi und SUV. Auffallend sind nebst den Karosserieverkleidungen im Offroad-Stil vor allem die hohe Bodenfreiheit von 20 Zentimetern und die nach den Vordertüren, welche übrigens vom Sandero übernommen wurden, ansteigende Dachlinie. Das schafft Kopffreiheit und sorgt dafür, dass die Passagiere auf den hinteren Reihen immer ein Stück höher sitzen als ihre Vordermänner. Das verbessert die Sicht nach vorne und soll so der Reisekrankheit vorbeugen.

Auch in der dritten Sitzreihe gibt es noch genügend Kopffreiheit.

Auch in der dritten Sitzreihe gibt es noch genügend Kopffreiheit.

Bild: zVg

Auf dem Dach montiert Dacia serienmässig eine Dachreling, die sich mit wenigen Handgriffen zum Querträger umbauen lässt. Diesen kauft man normalerweise extra; er erlaubt es, entweder die Ladung direkt zu fixieren, oder er dient als Basis für eine Dachbox, einen Fahrradträger oder Ähnliches.

Serienmässig wird der Jogger als Fünfsitzer angeboten. Dann fasst der Kofferraum 607 Liter, bei umgelegter Rückbank gar 1819 Liter – so viel wie ein Mercedes E-Klasse Kombi!

Die dritte Sitzreihe kostet 800 Franken Aufpreis; sie kostet ein paar Liter Kofferraum (506 bis 1807 Liter), lässt sich dafür aber auch relativ leicht ausbauen. Ein Sitz wiegt nur gerade rund 10 kg.

Bekannter Antrieb

Unter der Haube gibt es derzeit nur eine Option: den bekannten Dreizylinder-Benziner mit 110 PS und manuellem 6-Gang-Getriebe. Er treibt die Vorderräder an – Allrad gibt es weiterhin nur für den Duster – und kommt mit dem verhältnismässig leichten Raumwunder gut zurecht. Vor allem das früh anliegende maximale Drehmoment wirkt im Zusammenspiel mit dem Schaltgetriebe sehr angenehm. So muss man nicht ständig in einen tieferen Gang schalten, sobald man etwas beschleunigen möchte. Wer den Jogger mit Automatikgetriebe fahren will, muss sich noch gedulden. Ein solches wird es erst 2023 in Verbindung mit einem 140 PS starken Hybridantrieb geben, welchen sich der Jogger aus dem Renault Clio leihen wird. Ein Diesel ist hingegen nicht vorgesehen, stetig schrumpfende Marktanteile machen den Selbstzünder in diesem Preissegment nicht mehr rentabel. Und beim Preis ist beim Jogger, Dacia-typisch, nicht mehr viel Spielraum. In der Basisvariante, die zum Beispiel ohne fest verbauten Touchscreen auskommt und stattdessen das Smartphone des Fahrers über eine entsprechende Halterung integriert, ist der Fünfplätzer schon ab 15990 Franken zu haben. Die dritte Sitzreihe kostet 800 Franken Aufpreis.

Im Innenraum gibt es das typisch zweckmässige Dacia-Ambiente. Es fehlt jedoch an nichts.

Im Innenraum gibt es das typisch zweckmässige Dacia-Ambiente. Es fehlt jedoch an nichts.

Bild: zVg

Grundsätzliches wie ein Notbremsassistent, LED-Tagfahr-und-Abblendlicht, Isofix-Kindersitzbefestigung oder eine Zentralverriegelung ist in der Basis schon an Bord. Annehmlichkeiten wie eine Rückfahrkamera, schlüsselloser Zugang oder Klimaanlage müssen als Optionen oder Ausstattungslinien bezahlt werden. Doch selbst mit voller Ausstattung kommt der Jogger kaum über 20000 Franken.

Dafür darf man natürlich keine Wunder erwarten, kriegt aber ein solide gebautes und sehr geräumiges Auto mit tadellosen Fahreigenschaften. Einen typischen Dacia eben.

Dacia Jogger

Motor: 3-Zyl. Benzin, 999 ccm

Leistung: 110 PS/200 Nm

Antrieb: 6-Gang manuell, FWD

L×B×H: 4547×1784×1632 mm

Kofferraumvolumen: 607–1819 l

Gewicht: 1251 kg

0–100 km/h: 10,5 Sek.

Vmax: 183 km/h

Verbrauch WLTP: 5,9 l/100 km

Preis: ab 15990 Franken

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