Citroën ë-C4
Vive la e-Volution!

Für den ë-C4 lockt Citroën mit einem Schnäppchenpreis. Um damit zu punkten, haben die Franzosen für einmal alles Skurrile weggelassen.

Dave Schneider Jetzt kommentieren
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Beim Aussendesign mischt Citroën Schräghecklimousine und SUV.

Beim Aussendesign mischt Citroën Schräghecklimousine und SUV.

Bild: zVg

Ob hydropneumatische Federung, Lenkrad mit feststehender Nabe oder Luftkissen, um Parkrempler zu vermeiden: Citroën geht gerne einen eigenen Weg. Mit Modellen wie dem CV2 (Deux-Chevaux), dem ikonischen DS oder dem dachlosen Kunststoffwagen Méhari hat sich die französische Marke längst unsterblich gemacht. Mit unkonventionellen Fahrzeugen wie dem C4 Cactus oder dem erst kürzlich vorgestellten Plastikwürfel Ami, der aus lediglich 230 Teilen besteht, sorgte Citroën auch in der neueren Zeit immer mal wieder für Aufsehen. Doch seit die Marke 1975 von Peugeot aufgekauft wurde, anschliessend Teil von PSA war und heute nur eine von vielen Marken des Stellantis-Konzerns ist, kann sich die Marke mit dem Doppelwinkel im Emblem immer weniger Extravaganzen leisten. Dennoch: Steht ein neues Citroën-Modell vor der Markteinführung, ist auch die Erwartungshaltung entsprechend – und man ist schon fast enttäuscht, wenn es dann keine Skurrilität aufweist. Die neue Generation des C4 ist so ein Fall: Zwar ist die Karosserieform eine wilde Kreuzung aus Schräghecklimousine und SUV mit einem Heckdesign, das polarisiert – doch solche Crossovers sind längst nicht mehr ausgefallen, sondern aktuell gross in Mode. Eigenwillige Technik und schräge Details sucht man vergebens, wenn man von der Laptop-Halterung, die anstelle eines konventionellen Handschuhfachs auf Knopfdruck aus der Konsole surrt, einmal absieht. Stattdessen konzentriert sich der neue C4 auf eine andere Kernkompetenz des Herstellers, nämlich auf den Fahrkomfort. «Das ist unser Alleinstellungsmerkmal», bestätigt Daniel Fuchs, Marketingchef von Citroën Schweiz: Citroëns sollen bequemer sein als die Mitbewerber. Dass die Stellantis-Tochter mit der neuen Generation des C4 keine Experimente eingehen will, ist verständlich – zu wichtig ist der Wiedereinstieg in das Kompaktsegment. «Mit dem neuen C4 rüstet sich die Marke für ein starkes Comeback in dieser wichtigen Klasse», bekräftigt Citroën-Chef Vincent Cobée. «Ein innovativer Auftritt und ein einzigartiger Komfort veranschaulichen die stilistische Identität unserer neuen Kompaktlimousinen.» Die Blicke liegen dabei vor allem auf der rein elektrisch angetriebenen Variante ë-C4, die neben konventionellen Benzin- und Diesel­motoren mit einem Leistungsspektrum von 100 bis 155 PS angeboten wird. Der ë-C4 ist bereits ab 29900 Franken erhältlich und damit ein verlockendes Angebot. Allerdings kann man bei diesem Preis keine Wunder erwarten: Die Leistung fällt mit 100 kW (136 PS) nicht gerade üppig aus, genauso wie die Batteriegrösse, die mit 50 kWh immerhin für maximal 350 Kilometer nach WLTP ausreicht. Dafür kann der Akku mit maximal 100 kW geladen werden – damit sind im Idealfall 80 Prozent in 30 Minuten wieder voll. Im Vergleich: Der deutlich kleinere Renault Zoe mit glei- cher Leistung ist derzeit zwar zu einem ähnlichen Preis er- hältlich, allerdings nur dank eines grosszügigen Rabatts, den Renault Schweiz aktuell gewährt. In der Preisliste ist er ab 36300 Franken deutlich teurer. Mit einer gleich grossen Batterie schafft der 35 Zentimeter kürzere Zoe zwar eine grössere Reichweite (385 km nach WLTP), dafür lädt er mit 50 kW nur halb so schnell.

Im Innenraum fällt vor allem die Laptop- und Tablethalterung für den Beifahrer auf.

Im Innenraum fällt vor allem die Laptop- und Tablethalterung für den Beifahrer auf.

Bild: zVg

Fokus auf Fahrkomfort

Unterwegs im ë-C4 zeigt sich deutlich, dass Citroën bei der Abstimmung den Fokus auf den Fahrkomfort gelegt hat. Der Hauptfaktor ist dabei die patentierte Federung mit hydraulischen Anschlägen, die einerseits grössere Federwege ermöglicht und andererseits das Phänomen der Rückfederung vermeidet. Das Fahrzeug rollt dadurch sehr komfortabel ab, fühlt sich aber auch entsprechend «weich» an – das typische, wie in Watte gepackte Citroën-Fahrgefühl. In Verbindung mit der leichtgängigen Lenkung ist der ë-C4 sicherlich kein Kurvenjäger, sondern ein kommoder Cruiser. Dazu passt der kaum hörbare Elektroantrieb ausgezeichnet. Fahrkomfort hat aber auch viel mit dem Innenraum zu tun: Die bequemen, nicht zu weichen Sitze im ë-C4 tragen viel dazu bei, aber auch die gute Bedienergonomie im Cockpit mit digitalen Anzeigen und einem freistehenden Bildschirm über der Mittelkonsole. Auch das Platzangebot trägt dazu bei – allerdings nur auf den vorderen Sitzen. Im Fond ist der Kopfraum wegen der coupéhaften Dachlinie eingeschränkt, und gerade in einem Elektroauto erhofft man sich etwas mehr Beinfreiheit. Avantgardistisches, wie es die Marke mit dem doppelten Winkel im Logo immer wieder hervorgebracht hat, sucht man auch im Innenraum des neuen ë-C4 vergebens. Doch das ist auch gut so, schliesslich will Citroën mit dem neuen Modell nicht nur auffallen, sondern bei der Rückkehr in die wichtige Kompaktklasse auch ein grosses Stück vom Kuchen abbekommen. Mit Schrulle und Extravaganz erschafft man sich zwar treue Fans – auf grosse Stückzahlen kommt man damit aber nicht.

Citroën ë-C4.

Citroën ë-C4.

Bild: zVg

Citroën ë-C4

Motor: E-Maschine
Leistung: 136 PS /260 Nm
Antrieb: Aut./1 Gang, FWD
L×B×H: 4360×2032×1520 mm
Kofferraumvolumen: 380 l
Gewicht: 1655 kg
0–100 km/h: 9,7 Sek.
Vmax: 150 km/h
Reichweite WLTP: 350 km
Preis: ab 29 900 Franken

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