BMW Alpina
BMW für Kenner

Von aussen sieht ein Alpina fast so aus wie ein normaler BMW. Die entscheidenden Unterschiede finden sich im Detail.

Philipp Aeberli
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BMW Alpina B3 Touring.

BMW Alpina B3 Touring.

Bild: David Künzler

«Der Alpina-Kunde weiss in der Regel, was er will», sagt Philipp Vogelsang, Geschäftsführer der Garage Vogelsang AG in Grenchen SO. Der Familienbetrieb hat seit Januar nebst BMW eine weitere Marke im Verkaufsportfolio: BMW-Alpina.

Alpina ist eine kleine Manufaktur, beheimatet in Buchloe im Allgäu (D). Gut 300 Angestellte machen hier aus einem BMW «von der Stange» ein exklusives Kleinserienfahrzeug. Mit einem «Tuner» oder «Veredler» darf man Alpina aber nicht gleichsetzen: Die Marke ist offiziell als Hersteller eingetragen und vergibt sogar eigene Chassis-Nummern. «Alpina liefert die entscheidenden Komponenten wie Fahrwerksteile und Motoren ans BMW-Band, wo diese verbaut werden. Anschliessend wird das Auto zu Alpina geliefert, wo der Innenraum nach Kundenwunsch veredelt wird», erklärt Michael Frei, Verkaufsleiter beim Alpina-Importeur Heidegger AG. So entstehen um die 2000 Fahrzeuge pro Jahr – zum Vergleich: Die BMW-Gruppe stellte 2021 2,52 Millionen Autos her!

Jeder Alpina wird mit einer nummerierten Plakette zum Unikat.

Jeder Alpina wird mit einer nummerierten Plakette zum Unikat.

Bild: David Künzler

Ein Massengeschäft ist der Handel mit den exklusiven BMW-Ablegern also nicht. «Diesen Sommer werden wir den 1000. Alpina seit Import-Beginn 1978 in die Schweiz bringen», rechnet Michael Frei auf. Per Ende Mai wurden dieses Jahr in der Schweiz 19 Alpina zugelassen, mehr war für die Schweiz auch nicht vorgesehen. Das Geschäftsmodell ist ganz auf kleine Stückzahlen und exklusive Fahrzeuge ausgelegt. Auf riesige Werbekampagnen verzichtet Alpina genauso bewusst, wie auf reisserische Rabatte und Aktionen.

Trotz überschaubarer Verkaufszahlen freut sich Philipp Vogelsang, nun einer von vier Alpina-Vertretern in der Schweiz zu sein: «Das ist auch eine Herzensangelegenheit. Ein Alpina ist ein sehr besonders Produkt –und spricht damit auch eine ganz andere Kundschaft an als die Serien-Modelle von BMW.»

Der Innenraum lässt sich individualisieren, aussen dominiert Understatement.

Der Innenraum lässt sich individualisieren, aussen dominiert Understatement.

Bild: zVg

Das Besondere offenbart sich auf einer Testfahrt mit einem B3 Touring. Er basiert auf dem 3er-Kombi und wurde in Alpina-typischer Manier optisch dezent überarbeitet: eine Spoiler-Lippe an der Front, vier Endrohre am Heck, filigrane Speichenfelgen im 20-Zoll-Format und auf Wunsch ein seitliches Dekor-Set. Zudem fällt die deutlich grössere Bremsanlage auf – das Gegenstück zu den Massnahmen unter der Motorhaube. Der 3-Liter-Reihensechszylinder basiert auf dem Motor, der auch im BMW M3 zum Einsatz kommt. Alpina optimiert aber alle relevanten Komponenten und verpasst dem Motor damit einen deutlich anderen Charakter. Mit 462 PS (ab Modellpflege im Herbst 495 PS) hat der Alpina zwar weniger Leistung als das BMW-Topmodell, dafür aber weit mehr Drehmoment: 700 Nm (ab Modellpflege 730Nm) stehen im Datenblatt. Dass der Kombi in 3,6 Sekunden auf 100 km/h sprinten könnte und bis zu 300 km/h schnell sein kann, ist aber völlige Nebensache. Denn ein Alpina soll kein nervöses Sportgerät, sondern ein souveräner, sportlicher und komfortabler Wagen für die Strasse. Das modifizierte Fahrwerk verfügt sogar über eine extra weiche «Comfort+»-Einstellung, mit der es besonders fein federt. Das Automatikgetriebe bleibt wenn immer möglich in hohen Gängen und lässt den Motor sein Drehmoment ausspielen, anstatt hektisch in tiefere Gänge zu wechseln. So fährt man im B3 sehr entspannt – trotz, oder eben gerade wegen der hohen Leistung, die der Wagen in Reserve hat. In der Sport-Einstellung wird der Auspuffklang etwas präsenter, Lenkung und Fahrwerk fühlen sich straffer an. Der serienmässige Allradantrieb schickt mehr Leistung an die Hinterachse und der Kombi fühlt sich nun deutlich agiler und sportlicher an – ohne dabei zum lauten Aufschneider zu werden. Den Verbrauch für den Benziner gibt Alpina mit 10,1 l/100 km an. Bei gemütlicher Fahrt auf der Autobahn sind auch 8,5 l/100 km möglich. Mit dem D3S hat der Hersteller auch eine sparsamere Diesel-Version mit 355 PS / 730 Nm und Allradantrieb im Angebot; hier liegt der Verbrauch bei 6,9 l/100 km. Und auch hier steht im Herbst die Modellpflege, unter anderem mit neuem Digital-Cockpit, an. Beide Modelle sind als Limousine und Kombi zu haben.

Der B3 kostet ab 99900 Franken.

Der B3 kostet ab 99900 Franken.

Bild: David Künzler

Per Ende 2025 wird Alpina seine Eigenständigkeit aber aufgeben und Teil der BMW Group. Die immer strengeren Gesetze bezüglich Emissionen und Sicherheitssystemen machen die Entwicklung der Kleinserien-Fahrzeuge kaum mehr möglich. Bleibt zu hoffen, dass der legendäre Name und die bald 60-jährige Historie auch in neuen Händen gut gepflegt werden.