Weltuntergang

Weltuntergang, aber bitte später

Abschied oder Neuanfang? Sonnenuntergang, z. B.  auf der Bettlerchuchi.Urs Schaffner

Abschied oder Neuanfang? Sonnenuntergang, z. B. auf der Bettlerchuchi.Urs Schaffner

Apokalypse bald? Der Maya-Kalender gibt an, dass am 21. Dezember das Ende unseres Planeten naht. Ob und wann die Erde untergeht, darüber streiten sich Experten nicht. Dennoch herrscht Verunsicherung.

Jahre, die auf «runde» Zahlen fallen, müssen immer für Weltuntergangsfantasien herhalten. Von 999 auf 1000 oder jüngst von 1999 auf 2000 – das scheint nicht ohne kosmische Verwerfungen abgehen zu können. Dabei geht es nur um ein Kalenderdatum. Und Kalender sind menschgemachte Ordnungssysteme für die Zeit. Die ältesten «Kalender»-Versuche wurden wahrscheinlich mit dem Mond gemacht. Er ist am besten in seinen Veränderungen zu beobachten. Für Ackerbau-Kulturen wichtig ist das Sonnenjahr, um den Zeitpunkt von Aussaat und Ernte bestimmen zu können. Das geht aber auch mit den Sternen.

Eine Maya-Nullrunde...

Wie kommen die Maya mit ihrem Kalender gerade auf den 21.12.2012? Auch für uns sieht das Datum «interessant» aus, das ist aber Zufall. Denn im Maya-Kalender ist das Datum 13.0.0.0.0. Wirklich interessant daran ist, dass die Maya offenbar so etwas wie die Null kannten und dass sie mit dem Positionssystem rechneten. Und nicht mit dem Additionssystem, wie es die Römer noch taten.

Fünfstellige Datumsangaben gehören zu der sogenannten «Langen Zählung» (long count). Dabei werden die Tage gezählt und mit der Basis 20 notiert. Einheit ist der Tag: k’in. 20 k’in sind 1 vinal (das ist von hinten die zweite Stelle). Dann gibt es eine Konzession ans Sonnenjahr: 360 Tage (oder 18 vinal) sind 1 tun (dritte Stelle). 20 tun sind 1 k’atun, 20k’atun 1bak’tun. Und wer jetzt aufmerksam mitgezählt hat, weiss, dass das ominöse Datum bedeutet, dass der bak’tun Nummer 13 vollendet ist.

...gibt es eben nicht

Warum das so bemerkenswert sein soll, bedarf weiterer Klärung. Natürlich kann man rechnen: 1bak’tun entspricht 144000Tagen (=20 x 360 x 20); 13 bak’tun wären 1872000Tage. 13 ist bei den Maya eine heilige Zahl und keineswegs eine Unglückszahl. Das Datum 13.0.0.0.0 4Ajaw8Kumk’u wurde von den Maya als Schöpfungsdatum der gegenwärtigen Welt angesehen. Rechnet man mit den 1872000Tagen zurück, kommt man ungefähr auf ein Datum, das im julianisch-gregorianischen Kalender mit einem Tag im August 3114v.Chr. gleichzusetzen wäre. Ein Datum 0.0.0.0.0 kannten die Maya nicht. Die 0 zusammen mit der nächst grösseren Einheit war immer der letzte Tag der kleineren. Also «wiederholt» sich gewissermassen am 13.0.0.0.0 die Schöpfung.

Aber kein Maya würde so etwas behaupten. Gefeiert hätte man das Datum schon. Auch die Vollendung von 9bak’tun (entspricht etwa 435n.Chr.) wurde gefeiert. Das bezeugen archäologische Funde. Aber dafür, dass es mit der Welt zu Ende gehen könnte, gibt es keine Anhaltspunkte. Die meisten Datumsangaben der Maya gehen natürlich nicht über 13bak’tun hinaus. Aber gerechnet wurde durchaus weiter: Beim «Schöpfungstag» sprang der Zähler einfach wieder auf 1, bei Datumsangaben in der Zukunft wird aber ganz normal weiter bis 20 gezählt und eine sechste Stelle hinzugefügt.

Die Räder der Zeit

Die «lange Zählung» wurde natürlich im Alltag nicht gebraucht. Die Maya-Könige brauchten sie, um ihre Herrschaft zu legitimieren. Damit konnte man Daten religiösen Ursprungs in Beziehung zu biografischen Daten setzen und ihnen so eine besondere Deutung geben.

Für den Alltag hatten die Maya ein System mit zwei Zyklen. Einen Ritualkalender (Tzolk’in) mit 260Tagen. Dort wurden 20Tagesnamen mit 13 Zahlen verbunden. Und einen Kalender, der ans Sonnenjahr angelehnt war (Haab) mit 18Monaten zu 20 Tagen (=360Tage), die fehlenden 5Tage (das Sonnenjahr dauert 365,24Tage und etwas dazu) fügte man einfach am Ende des Jahres hinzu. Sie waren Unglückstage, da ging man am besten nicht aus dem Haus. Das «Schöpfungsdatum» 4Ajaw 8Kumk’u meint einen Tag, der im Tzolk’in-Zyklus 4Ajaw hiess, der auf das Haab-Datum 8Kumk’u fiel.

Und der Weltuntergang?

In sich ist das System unfehlbar. Wie es aber in «unser» System zu integrieren wäre, ist umstritten. Die Forschung richtet sich mehrheitlich nach der sogenannten GMT-Korrelation (Goodman, Martinez, Thompson). Eine Urkunde aus der Kolonialzeit weist auf ein Datum im Jahr 1539. Und daraus würden sich dann 3114v.Chr. und der 21.Dezember 2012 ergeben. Der Vermessungsingenieur Andreas Fuls von der TU Berlin hat in seiner Dissertation eine andere Korrelation vorgeschlagen. Sie basiert auf den Mondphasen, den Venusaufgängen, Finsternissen und Sonnenbeobachtungen. Dafür gibt es Datumsangaben in den Maya-Dokumenten. Und sie «passen» im Gesamten besser als die GMT-Angaben. Das Problem dabei ist, dass die ganze Maya-Chronologie 208Jahre nach vorne geschoben werden muss. Das gibt der etablierten Forschung noch zu denken. Aber archäologische und Klimadaten stützen Fuls’ Hypothese.

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