US-Präsidentschaftswahlen

Warum während des TV-Duells der Vize-Kandidaten eine Fliege der heimliche Star war

Auch die Fliege auf seinem Kopf konnte ihn nicht aus der Ruhe bringen: Vize-Präsident Mike Pence.

Auch die Fliege auf seinem Kopf konnte ihn nicht aus der Ruhe bringen: Vize-Präsident Mike Pence.

Eine Debatte wie in alten Zeiten: In der Nacht auf Donnerstag haben sich in Salt Lake City (Utah) Vizepräsident Mike Pence und Kamala Harris, die Kandidatin der Demokraten für das Vizepräsidium, zum TV-Duell getroffen. Sie stritten über Corona, die Wirtschaft und Präsident Trump.

So richtig zufrieden kann wohl weder Mike Pence noch Kamala Harris sein. Pence, Vize von Präsident Donald Trump, wirkte während des TV-Duells am Mittwoch wie ein Roboter – was wohl auch damit zusammenhing, dass sich der 61-Jährige nicht aus der Ruhe bringen liess, selbst dann nicht, als eine Fliege auf seinem schlohweissen Haar landete.

Harris wiederum, die Nummer zwei hinter Präsidentschaftskandidat Joe Biden, schien mit der Rolle, die sie zu spielen hatte, irgendwie überfordert zu sein. Zum einen wollte sie sich wohl durch Pence, der sich konsequent um sämtliche Zeitlimits foutierte und einfach weitersprach, nicht provozieren lassen. Eine schwarze Frau sieht sich, gerade in Amerika, mit vielen Zerrbildern konfrontiert; das der aufgebrachten, allzu kecken Schwarzen («angry black woman») ist eines der hartnäckigsten und übelsten. Zum andern schien Harris aber auch keine klare Strategie zu haben. Sie wirkte jedenfalls nicht wie eine Staatsanwältin, die sich vorgenommen hatte, den Leistungsausweis der Regierung Trump vor laufender Kamera in Frage zu stellen.

Eine nicht gerade förderliche Rolle spielte während der 90 Minuten dauernden Debatte, die in Salt Lake City (Utah) über die mit Plexiglas verstärkte Bühne ging, auch die Moderatorin Susan Page. Die langjährige Journalistin der Tageszeitung «USA Today» fragte die beiden Kandidaten brav zu neun Themenfelder ab, liess aber keine echte Diskussion aufkommen.

Auch sah Page davon ab, nachzuhaken, was angesichts der ausweichenden Antworten von Pence und Harris einem Versäumnis gleichkam. So konfrontierte die Moderatorin den Vizepräsidenten nicht mit dem umweltpolitischen Leistungsausweis der Regierung Trump; stattdessen liess sie Pence sagen: «Das Klima ändert sich. Wir folgen der Wissenschaft.» Harris wiederum musste erneut nicht erklären, ob denn ein Präsident Biden eine Erweiterung des Supreme Court befürworten würde, um die sich abzeichnende Mehrheit des konservativen Flügels zu brechen.

Am stärksten in die Haare gerieten sich die beiden Kandidaten bei den Themenfeldern Gesundheit und Wirtschaft. Wenig überraschend überzog Harris die Arbeit der Regierung Trump in der Coronakrise mit ätzender Kritik. Sie sagte, dass der Präsident bereits Ende Januar gewusst habe, wie gefährlich das Virus sei. So ist es im neusten Buch von Starjournalist Bob Woodward nachzulesen. Aber Trump habe sich dazu entschieden, die Gefahr für die amerikanische Bevölkerung herunterzuspielen.

Auch griff die Senatorin aus Kalifornien die Regierung Trump dafür an, dass sie nach vier Jahren im Amt immer noch versuche, die Gesundheitsreform Obamacare abzuschaffen. Der Vizepräsident wirkte in diesen Momenten ziemlich überfordert; ihm blieb nichts anderes übrig, als seinen Chef, den Präsidenten, zu loben.

Pence wiederum kritisierte die Demokratin für das wirtschaftspolitische Programm, für das Joe Biden Wahlkampf macht. Er behauptete, die Demokraten wollten die Steuern sämtlicher Amerikaner erhöhen. Und er erwähnte immer und immer wieder den «Green New Deal», die umweltpolitischen Vorstellungen des linken Flügels der Demokratischen Partei, die von Biden nicht geteilt werden. Der «Green New Deal» werde buchstäblich das Fundament zerstören, auf dem die amerikanische Wirtschaft stehe, behauptete Pence.

Dieses Hin und Her war nicht besonders originell. Aber im Gegensatz zum Schrei-Duell der vergangenen Woche, als Präsident Donald Trump seinem Herausforderer Joe Biden ständig ins Wort fiel, wurde immerhin ein wenig über politische Inhalte diskutiert. Ob dabei ein einziger Wähler seine Meinung änderte, bleibt offen.

Der heimliche Star der Debatte war ja sowieso eine Fliege. Gegen Ende der Diskussion, als das Interesse auch bei den engagiertesten Zuschauern langsam schwand, setzte sich das Fluginsekt auf das schlohweisse Haar des Vizepräsidenten. Und blieb dort mehr als zwei Minuten lang sitzen. Dann hatte auch die Fliege genug gesehen und gehört.

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