Polizeigewalt

US-Polizisten gehen oft brutal vor – das hat auch mit ihrer Ausbildung zu tun

Wenig zimperlich: US-Polizisten in Las Vegas.

Wenig zimperlich: US-Polizisten in Las Vegas.

Schweizer Polizisten verbringen 104 Wochen in der Grundausbildung. Ihre Berufskollegen in Amerika gerade mal ein Drittel bis ein Fünftel der Zeit. Auch die Mentalität ist eine andere.

Amerikanische Polizisten greifen nötigenfalls hart zu. Dies hat zum einen damit zu tun, dass sie immer mit dem Schlimmsten rechnen – weil ihr Gegenüber bewaffnet sein und diese Waffen vielleicht einsetzen könnte. Der andere Grund ist, dass es amerikanische Gerichte den Polizisten erlauben, bei der Ausübung ihrer Arbeit Gewalt anzuwenden, ohne dass sie mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen – selbst wenn sie dabei töten.

Viele Afroamerikaner haben den Eindruck, die Polizei sei nicht in erster Linie da, um ihnen zu helfen. Dieser Eindruck ist so falsch nicht, wurden die Ordnungskräfte doch lange dabei eingesetzt, die Rassentrennung durchzusetzen, die bis in die Sechzigerjahre in weiten Teilen Amerikas legal war. Noch heute fehlt deshalb das Grundvertrauen in die Arbeit der Polizei. Vorfälle wie die Festnahme von George Floyd in Minneapolis, die mit dem Tod des Afroamerikaners endete, bestätigten diese Vorbehalte.

Eher behutsam: Schweizer Polizei bei einer Festnahme in Zürich.

Eher behutsam: Schweizer Polizei bei einer Festnahme in Zürich.

Keine einheitlichen Standards in Amerika

Zuletzt ist aber auch die Polizisten-Ausbildung in den USA vermehrt in den Fokus geraten. Dass Amerikas Ordnungshüter generell schlecht ausgebildet wären, lässt sich zwar nicht sagen. Einheitliche Standards gibt es allerdings auch nicht. Die Ausbildung ist Sache der Gliedstaaten; die Unterschiede sind entsprechend gross.

Doch selbst in Staaten mit höheren Anforderungen verbringen Anwärter in den USA wesentlich weniger Zeit in Ausbildung als etwa in der Schweiz, wie Stefan Aegerter bestätigt. Aegerter ist Vizedirektor des Schweizerischen Polizei-Instituts. Die Grundausbildung zum Polizisten in Amerika dauert je nach Behörde und Staat zwischen 18 und 33 Wochen - in der Schweiz sind es 104 Wochen, rechnet Aegerter vor. Zwei Jahre geht die Grundausbildung seit Anfang dieses Jahres hierzulande. Zuvor war es nur ein Jahr. Das reiche aber nicht aus, um die «notwendigen Handlungskompetenzen für den anspruchsvollen Job» zu erlernen.

Die Schweizer Polizei wählt in ihrer Arbeit einen anderen Ansatz als die Kollegen in den USA, ist Aegerter überzeugt. In der Aus- und Weiterbildung werde Wert darauf gelegt, dass die Beamten auch in unplanbaren Situationen «jederzeit die Menschenwürde achten und schützen». Dialog, Deeskalation, erst dann Durchgreifen - dieses Verständnis sei Teil der demokratischen DNA im Schweizer Polizeiwesen. In den USA gehe es dagegen vor allem darum, «das Recht durchzusetzen».

Welcher Ansatz «zielführender und würdiger» ist, liegt für Aegerter auf der Hand: «Was in den USA passiert, zeigt uns, dass unser Ansatz der richtige ist.»

Autor

Fabian Hock

Fabian Hock

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