USA

Trumps Arbeitsminister stolpert über Epstein-Skandal – Alexander Acosta tritt zurück

US-Arbeitsminister Alexander Acosta tritt ab.

US-Arbeitsminister Alexander Acosta tritt ab.

Alex Acosta tritt zurück, nachdem die Rolle, die er im Skandal um den Triebtäter Jeffrey Epstein gespielt hatte, kritisiert worden war. Epstein schmort derweil in New York in Untersuchungshaft.

Für einmal verabschiedete sich Donald Trump von einem hochrangigen Mitarbeiter nicht mit einem Tweet. Als Arbeitsminister Alex Acosta am Freitag im Garten des Weissen Hauses seinen Rücktritt bekannt gab, wurde er vom Präsidenten mit warmen Worten überschüttet – so sagte Trump, in gewohnt unbeholfener Art, er «schätze» es, dass Acosta hispanische Vorfahren habe. (Seine Eltern stammen aus Kuba.)

Höchstwahrscheinlich war der Präsident ganz einfach froh darüber, dass der Arbeitsminister ihm eine Last abgenommen hatte. Denn in der letzten Woche wurden Trump und Acosta ständig auf den Skandal um den Triebtäter Jeffrey Epstein (66) angesprochen.

Umstrittene Rolle als Staatsanwalt

Acosta spielt in diesem Skandal eine wichtige Rolle. Vor mehr als zehn Jahren war der abtretende Arbeitsminister nämlich als verlängerter Arm des nationalen Justizministeriums im Süden von Florida tätig gewesen. Als Staatsanwalt ging Acosta nicht nur gegen die UBS und den Whistleblower Bradley Birkenfeld vor; er koordinierte auch das Vorgehen der Bundesbehörden im Fall Epstein.

Über die Affäre Epstein gestolpert: US-Arbeitsminister Alexander Acosta bei der Bekanntgabe seines Rücktritts mit Präsident Donald Trump in Washington.

Über die Affäre Epstein gestolpert: US-Arbeitsminister Alexander Acosta bei der Bekanntgabe seines Rücktritts mit Präsident Donald Trump in Washington.

    

Bei Jeffrey Epstein handelt es sich um einen reichen Financier, der sich in Palm Beach (Florida) und New York mit einflussreichen Freunden umgab, mit Berühmtheiten wie Donald Trump oder Bill Clinton opulente Partys feierte und eine Vorliebe für junge Begleiterinnen besass. Dies fiel auch der lokalen Polizei auf, die Epstein zu bespitzeln begann – und Beweise dafür ansammelte, dass er in den Jahren 2001 bis 2006 mehr als 50 Kinder sexuell missbrauchte.

Da die Ermittlungen der lokalen Behörden nicht vorwärtskamen (auch weil Epstein ein Team von höchst erfolgreichen Anwälten um sich geschart hatte), schaltete sich Acosta in den Fall ein. In enger Absprache mit Epsteins Anwälten handelte er einen Vergleich aus.

Demnach erklärte sich der Financier vor einem Lokalgericht für schuldig, Prostituierte angeheuert zu haben. Dafür wurde er im Juni 2008 im Verwaltungsbezirk Palm Beach County mit 18 Monaten Gefängnis bestraft, von denen er aber nur 13 Monate in Halbgefangenschaft absitzen musste. Seither ist er in Florida und New York als Sexualstraftäter registriert.

Der US-Multi-Millionär Jeffrey Epstein ist wegen neuen Anschuldigungen im Zusammenhang mit Sexhandel festgenommen worden.

Der US-Multi-Millionär Jeffrey Epstein ist wegen neuen Anschuldigungen im Zusammenhang mit Sexhandel festgenommen worden.

Acosta sagte am Mittwoch, an einer langfädigen Pressekonferenz, dieser Vergleich sei der beste Deal gewesen, den er habe aushandeln können. Denn es sei notorisch schwierig, Sexualstraftätern den Prozess zu machen, hätten doch die Opfer Angst, sich öffentlich zu äussern.

In Erklärungsnot

Die Recherchen der Journalistin Julie Brown, die für die Tageszeitung «Miami Herald» arbeitet, zeichneten aber ein etwas anderes Bild. Demnach hätten Mitarbeiter von Acosta eine mehr als 50 Seiten zählende Anklageschrift gegen Epstein zusammengestellt, in der Epstein nachgewiesen wurde, dass er auch gegen Bundesgesetze verstossen hatte.

Auch versprach der Staatsanwalt den Verteidigern Epsteins, dass die Opfer des Triebtäters nicht vorgängig über den Vergleich informiert würden – sie konnten sich damit nicht vor Gericht gegen den Deal wehren. Warum er dies tat, und warum er damit einverstanden war, dass minderjährige Opfer von sexuellem Missbrauch als Prostituierte bezeichnet wurde, konnte Acosta letztlich nicht erklären.

An den Tag kam diese Geschichte auch, weil es der Reporterin Julie Brown in den vergangenen Monaten gelang, mit Opfern von Epstein zu sprechen – und einer breiten Öffentlichkeit wurde es endlich klar, wie gezielt der Financier vorgegangen war. So beschäftigte er ein Team von Mitarbeiterinnen, die Mädchen aus angespannten sozialen Verhältnissen in seine Villas brachten.

Schützt der Vergleich vor neuen Ermittlungen?

Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in New York – die ebenfalls dem nationalen Justizministerium unterstellt ist – wurde Epstein am Samstag im Grossraum New York erneut verhaftet. Staatsanwalt Geoffrey Berman scheint fest davon überzeugt zu sein, dass ein Prozess gegen Epstein mit einem Schuldspruch enden wird. Die Anklageschrift, die am Montag veröffentlicht wurde, beruht dabei auf Delikten, die bereits im Zentrum der Ermittlungen in Florida standen.

Bisher ist darin die Rede von drei Opfern; bereits hätten sich aber zahlreiche weitere Frauen gemeldet, heisst es in New York. Epstein weist derweil den Vorwurf, er habe Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen betrieben, als unzutreffend zurück. Auch behaupten seine Anwälte, dass der Vergleich, den er 2008 mit Acosta ausgehandelt habe, ihn vor weiteren Ermittlungen schütze.

Das sind die Ex-Mitarbeiter von Donald Trump:

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