Gipfeltreffen

Trump verwirrt Freund und Feind – worüber sprach er mit Putin?

«Kein Freund der USA», aber Putin ist schon wieder eingeladen.Pablo Martinez Monsivais/Key

«Kein Freund der USA», aber Putin ist schon wieder eingeladen.Pablo Martinez Monsivais/Key

Nachrichtendienst-Koordinator Dan Coats: «Wie bitte? Putin kommt nach Washington? That is going to be special».

In den Augen von Aussenminister Mike Pompeo gibt es keinen Grund zur Sorge. Die gesamte amerikanische Regierung sei der Meinung, die Bedrohung, die von Russland ausgehe, sei «echt». Und Präsident Donald Trump setze alles daran, Amerika und seine Verbündeten «vor russischer Aggression zu schützen».

Dies sagte der US-Chefdiplomat am Donnerstag dem Nachrichtensender «Fox News Channel». Und eigentlich hätte sich Washington nach diesem Bekenntnis zur Position, dass Russlands Präsident Wladimir Putin alles andere als «ein Freund der USA» ist, beruhigt zurücklehnen können. Aber am Ende einer turbulenten Woche, die mit dem Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin in Helsinki (Finnland) begonnen hatte, blieb ein schaler Beigeschmack.

Denn selbst Parteifreunde des Präsidenten sind nun offen der Meinung, Trump lasse sich von Putin über den Tisch ziehen, weil der Amerikaner (aus welchem Grund auch immer) möglichst schnell das bilaterale Verhältnis zwischen den beiden Staaten verbessern wolle. Will Hurd, ehemaliger CIA-Agent aus Texas und seit 2015 republikanisches Mitglied des Repräsentantenhauses, formulierte es in einem Meinungsbeitrag für die «New York Times» so: «Indem er Wladimir Putin in die Hände spielt, partizipiert der Anführer der freien Welt aktiv an einer russischen Desinformationskampagne, die Russlands Dementi legitimiert und die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten gegenüber Freund und Feind schwächt.» Dazu passt, dass Trump am Donnerstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die «Fake News Media» – die Medien, die nicht nach seinem Gusto berichteten – als «eigentliche Volksfeinde» bezeichnete, und darüber spekulierte, dass Journalisten nach einer bewaffneten Konfrontation mit Russland lechzten. Auch sagte er über seinen Vorgänger im Weissen Haus, Barack Obama habe sich während seiner Kontakte mit Putin wie ein gutgläubiger Trottel («patsy») aufgeführt.

Was haben sie geredet?

Tatsache ist, dass einige hochrangige Mitarbeiter der amerikanischen Regierung auch Tage nach der mehrstündigen privaten Unterredung der beiden Präsidenten in Helsinki nicht wissen, was Trump und Putin denn genau vereinbart haben. (Pompeo sagte dazu im Gespräch mit «Fox News», die beiden hätten über «viele Dinge» gesprochen, darunter Terrorismusbekämpfung und Abrüstungsbemühungen.) So sagte Dan Coats, der Koordinator der 16 Nachrichtendienste der US-Regierung, während eines Gesprächs an einer Sicherheitskonferenz in Aspen (Colorado): «Ich weiss nicht, was während dieser Sitzung geschah.» Der Präsident besitze selbstverständlich das Vorrecht, sich mit Amtskollegen privat zu unterhalten. Hätte Trump im Vorfeld aber seinen Ratschlag eingeholt, sagte Coats, «dann hätte ich einen anderen Weg vorgeschlagen. Aber das ist nicht meine Aufgabe.»

Allem Anschein nach war Coats, der als DNI (Director of National Intelligence) direkt dem Präsidenten rapportiert, auch nicht darüber informiert, dass Trump ein zweites Treffen mit Putin anstrebt. Am Donnerstag gab die Pressesprecherin des Weissen Hauses bekannt, der russische Präsident sei eingeladen worden, «im Herbst» nach Washington zu kommen. Als Coats während seines Gesprächs an der Sicherheitskonferenz in Aspen von dieser Einladung Putins ins Weisse Haus erfuhr, machte er ein überraschtes Gesicht und sagte: «Wie bitte?» Und dann fügte er an, lachend: «That is going to be special.» Diese Aussage lässt sich mit «Das wird speziell werden» oder mit «Das wird aussergewöhnlich werden» übersetzen.

Weltkriegsende feiern

Später berichteten Reporter, das Weisse Haus sei über die Reaktion von Coats alles andere als glücklich gewesen. Denn der Geheimdienst-Koordinator – lange Senator und US-Botschafter – spielte damit den Kritikern des Präsidenten in die Hände. Diese behaupten schon lange, Trump stehe unter Putins Fuchtel. Aber der Präsident gab diesen Konspirationstheorien mit seinem Auftritt in Helsinki neue Nahrung. So schien Trump dem Dementi Putins Glauben zu schenken, wonach der Kreml im Wahlkampf 2016 keinen Hacker-Angriff auf amerikanische Politiker unternommen hätte. (Später korrigierte sich Trump.) Den Gipfel nannte er «einen grossen Erfolg».

In Washington wird bereits darüber spekuliert, dass Trump seinen russischen Amtskollegen auf den 10. November in die amerikanische Hauptstadt einladen werde. Für diesen Tag hat der amerikanische Präsident eine Militärparade auf der Pennsylvania Avenue geplant – um das offizielle Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren zu begehen. Kostenpunkt: 12 Millionen Dollar.

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