Die Demonstranten reagierten auf eine Erklärung von elf Studentenvereinigungen, in der diese ihre Unterstützung für Bouteflika versichert hatten. Daraufhin versammelten sich am Vormittag etwa 500 Studenten der Universität von Algier unter der Losung "Nicht in meinem Namen". Sie riefen unter anderem "Nein zur fünften Amtszeit", "Bouteflika hau ab" und "Algerien frei und demokratisch".

Sicherheitskräfte der Universität schlossen daraufhin die Tore des Campus, um die Studenten an einer Demonstration auf der Strasse zu hindern. Dennoch kam es auch ausserhalb der Anlage zu Protesten von 100 bis 200 Studenten. Diese zogen am Nachmittag durch die Innenstadt, wobei sich ihnen weitere Gruppen anschlossen. Die Polizei versuchte, die Demonstration mit Tränengas zu beenden. Es kam zu kleineren Zusammenstössen.

Mehrere Professoren erklärten sich mit den Protesten der Studenten solidarisch. Sie kritisierten ein "politisches System, das zu einer echten Bedrohung für unsere Zukunft geworden ist".

Im Grossraum Algier trafen sich zudem rund 500 Journalismus-Studenten auf ihrem Campus, mehrere hunderte weitere Studenten demonstrierten vor der Anlage.

Auch ausserhalb der Hauptstadt gingen Algerier gegen eine weitere Kandidatur ihres Präsidenten auf die Strasse. Die Nachrichtenseite TSA berichtete über Demonstrationen in Constantine, Tizi Ouzou, Ouargla und Annaba.

Angesichts des wachsenden Widerstands will Bouteflika die offizielle Einreichung seiner Kandidatur vorziehen. Er werde seine Unterlagen bereits am Sonntag vorlegen, teilte Bouteflikas Wahlkampf-Manager Abdelmalek Sellal mit.

Nach Schlaganfall im Rollstuhl

Der bald 82-jährige Bouteflika steht seit bald 20 Jahren an der Spitze des Staates. Dass er bei der Wahl am 18. April erneut antritt, obwohl er sich seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und im Rollstuhl sitzt, hat tausende Algerier auf die Strassen getrieben.

Das Ausmass der Proteste hat offenbar auch Algeriens Regierung überrascht. Ministerpräsident Ahmed Ouyahia versicherte am Montag im Fernsehen, die Präsidentschaftswahl werde wie geplant im April stattfinden. Sie werde in "friedlicher und zivilisierter Weise entscheiden", ob Bouteflika ein fünftes Mandat bekomme.

In dem autoritär geführten Maghreb-Staat gibt es trotz des Ölreichtums grosse soziale Probleme, die Arbeitslosigkeit ist hoch, Korruption grassiert. Mehr als ein Drittel der Algerier sind nach Angaben der Weltbank jünger als 20 Jahre. Sie sind besonders von Arbeitslosigkeit betroffen.