Amy Coney Barrett

Sie hat sieben Kinder: Trumps Kandidatin könnte dem obersten Gericht für Jahre den Stempel aufdrücken

USA: Trump nominiert Barrett für Ginsburg-Nachfolge am Obersten Gericht

USA: Trump nominiert Barrett für Ginsburg-Nachfolge am Obersten Gericht

Im Alter von 48 Jahren soll Amy Coney Barrett zur Richterin am Supreme Court aufsteigen, und auf Wunsch von Präsident Donald Trump den Sitz der verstorbenen linken Ikone Ruth Bader Ginsburg übernehmen. Fünf Dinge, die Sie über das neue Aushängeschild des konservativen Amerikas wissen müssen.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat am Samstag erwartungsgemäss die 48 Jahre alte Amy Coney Barrett als Richterin am Obersten Gericht in Washington nominiert. Die Konservative soll den Sitz der linken Richterin Ruth Bader Ginsburg übernehmen. Während einer Zeremonie im Weissen Haus lobte der republikanische Präsident die Juristin aus South Bend (Indiana) als eine Frau mit «beispiellosen Errungenschaften». Barrett ist, nach Neil Gorsuch (2017) und Brett Kavanaugh (2018) die dritte Nomination Trumps für einen Sitz am Obersten Gericht. Fünf Dinge, die Sie über die designierte Supreme Court-Richterin wissen müssen.

1. Barrett legte eine juristische Blitzkarriere hin

Amy Coney Barrett gilt unter Sozialkonservativen schon lange als eine juristische Koryphäe. Die Law School an der University of Notre Dame in South Bend (Indiana) schloss sie 1997 an der Spitze ihres Jahrgangs ab, der immerhin 188 Studentinnen und Studenten stark war. 2002 wurde sie an die Fakultät der katholischen Universität berufen. Damals war sie 30 Jahre alt. 2017 folgte die Nomination für einen Posten an einem Berufungsgericht des Bundes in Chicago (Illinois), auf Vorschlag von Präsident Donald Trump. Der Senat bestätigte Barrett im Oktober 2017 mit 55 zur 43 Stimmen, gegen den Widerstand der Demokraten.

First Lady Melania und rechts von ihr die Kinder der nominierten Richterkandidatin (zwei Adoptivkinder stammen aus Haiti) sowie der Vater.

First Lady Melania und rechts von ihr die Kinder der nominierten Richterkandidatin (zwei Adoptivkinder stammen aus Haiti) sowie der Vater.

2. Barrett hat es geschafft, Karriere und Familie zu vereinbaren

Wie bringt sie dies bloss unter einen Hut? Amy Coney Barrett ist nicht nur eine angesehene Rechtsprofessorin und Berufungsrichterin. Sie ist auch Mutter von sieben Kindern, allesamt jünger als 20 Jahren; zwei dieser Kinder stammen aus Haiti und wurden von ihr und ihrem Mann Jesse adoptiert. Das jüngste ihrer Kinder, der mittlerweile acht Jahre alte Benjamin, hat Down-Syndrom. Während einer Anhörung im Senat vor drei Jahren sagte Barrett, dies stelle die ganze Familie vor besonderen Herausforderungen. Benjamin nehme aber einen speziellen Platz in der Familie ein und sämtliche Geschwister sagten, er sei ihr Favorit. Barrett sagt, nur dank ihres Gatten sei es ihr möglich, sich sämtlichen Herausforderungen zu stellen. Jesse Barrett war früher Staatsanwalt, unterrichtet nun an der Notre Dame Law School und arbeitet für die Anwaltskanzlei South Bank Legal.

Präsident Trump übergibt das Mikrofon seiner Richterkandidatin Amy Coney Barrett.

Präsident Trump übergibt das Mikrofon seiner Richterkandidatin Amy Coney Barrett.

3. Unter Juristen gilt Barrett als Erbin von Antonin Scalia

Vor vier Jahren wurde Amy Coney Barrett in einem TV-Interview über ihre Zeit als rechte Hand von Antonin Scalia am Supreme Court gefragt. Barrett, die dem prominentesten konservativen Richter Amerikas in den Jahren 1998 und 1999 als «Law Clerk» gedient hatte, lachte und sagte: Seither sei es mit ihrer Karriere nur noch bergab gegangen. Scalia sei nicht nur der «intelligenteste und witzigste» Jurist gewesen, für den sie gearbeitet habe, sondern auch ein fordernder Mentor – der ihr beigebracht habe, wie man seine Vorstellungen energisch vertrete, ohne dabei den Respekt vor anderen Meinungen zu verlieren. Angesichts dieser lobenden Worte für Scalia, der 2016 starb, ist es wohl kein Zufall, dass Barrett im konservativen Amerika bereits als Erbin des lebensfreudigen Supreme Court-Richter gilt – ein Sprachrohr, dass die Fähigkeit hat, über das intellektuelle Fundament einer konservativen Rechtsprechung zu diskutieren, ohne dabei abgehoben zu wirken. So ist auch Barrett Anhängerin der These, dass amerikanische Verfassungsartikel und Gesetzestexte wörtlich genommen werden müssten. «Richter sollten keine Politik machen», sagte sie am Samstag.

4. Ihr Glaubensbekenntnis stösst immer wieder auf Vorbehalte

Wie Antonin Scalia auch ist Amy Coney Barrett eine gläubige Katholikin. An ihrem Wohnort South Bend gehört ihre Familie einer charismatischen Bewegung mit dem Namen «People of Praise» an, die gewisse Zeremonien protestantischer Freikirchen mit katholischen Ritualen verbinden. In den Augen des Religionshistorikers John Fea, der an der Messiah University in Mechanicsburg (Pennsylvania) forscht, weckt Barrett damit Erinnerungen an evangelikale Supreme Court-Richter des 19. Jahrhunderts. Fea sagt: «Barrett spricht die Sprache des Glaubens.» In den Augen ihrer Kritiker macht sie das angreifbar. So hielt ihr die Senatorin Dianne Feinstein im Jahr 2017 vor: «Das Dogma lebt laut in Ihnen und das ist beunruhigend.» Barrett kann mit diesem Vorwurf wenig anfangen. Sie antwortete damals, dass sie sehr wohl unterscheiden könne zwischen Rechtsprechung und Glaubensbekenntnis. «Meine persönliche Sicht beeinflusst meine Entscheidfindung nicht.»

5. Barrett könnte den Supreme Court jahrzehntelang prägen

Die Republikaner im Senat, die 53 der 100 Mandate stellen, setzen alles daran, Barrett möglichst schnell zu bestätigen – damit sie ihre Arbeit noch vor dem Wahltag am 3. November aufnehmen könne. (Eine Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung unterstützt dieses Vorgehen nicht.) Mit Barrett am Supreme Court würde der konservative Flügel sechs der neun Mitglieder stellen, so viele wie zuletzt in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Weil die Richter am Supreme Court in Washington keine Amtszeitbeschränkung kennen, würde Barrett die Rechtsprechung des Verfassungsgerichts, gerade in sozialpolitischen Fragen, für Jahrzehnte prägen. Ruth Bader Ginsburg zum Beispiel war 87 Jahre alt, als sie am 18. September starb.

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