Der verheerende Anschlag am Istanbuler Atatürk-Flughafen trifft die Türkei in einer Phase, die gleich mehrfach besonders kritisch ist, nämlich wirtschaftlich und politisch. Mit der Wiederannäherung an Israel und Russland versuchte die türkische Regierung in dieser Woche, die Weichen für eine neue Aussenpolitik zu stellen. Das Land ist dabei, sich aus der internationalen Isolation zu befreien, in die es nicht zuletzt durch die konfrontationsgeladene Politik des exzentrischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan geraten war.

Das Istanbuler Attentat zeigt, wie notwendig es ist, dass die Türkei gegenüber ihren Nachbarn und Partnern zu einer Politik des Dialogs und des Pragmatismus zurückkehrt. Auf sich allein gestellt wird das Land der wachsenden Bedrohung durch den Terror nicht begegnen können. Schädlich ist aber auch die extreme innenpolitische Polarisierung, die Erdogan seit Monaten mit seinen Plänen für ein Präsidialsystem schürt, das ihm noch mehr Macht verschaffen soll.

Auf den ersten Blick könnte der Terror Erdogan zwar in die Hände spielen. Der Präsident präsentiert sich seinen Landsleuten als der Einzige, der das Land vor dem Chaos bewahren kann. Tatsächlich aber schwächt dieser innenpolitische Machtkampf die Türkei und macht sie noch verwundbarer. Kein «starker Mann» allein kann den Massenmördern des IS oder kurdischen Terroristen Einhalt gebieten. Die Antwort auf den Terror muss in einer Stärkung der demokratischen Institutionen bestehen. Zumal das Land vor grossen ökonomischen Schwierigkeiten stehen dürfte. Der Terror vertreibt Investoren, Anleger und Touristen.

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