Kommentar

Reden ist besser als boykottieren: Gut, dass das WEF Donald Trumps «Feind» nach Davos einlädt

Kündigt Vergeltung gegenüber den USA an - und will nach Davos reisen: Irans Aussenminister Javad Zarif.

Kündigt Vergeltung gegenüber den USA an - und will nach Davos reisen: Irans Aussenminister Javad Zarif.

Irans Aussenminister Javad Zarif schwört nach der Tötung des obersten Generals durch die USA Rache. Darum ist brisant, dass er nach Davos kommen will. Dort wird auch eine Delegation der USA, die Zarif «Staatsterroristen» nennt.

Wird die Tötung des iranischen Generals und Terrorfürsten Soleimani die Welt sicherer machen, wie US-Präsident Donald Trump sagt, der die Exekution befohlen hat? Oder wird sie zu Vergeltungsaktionen des Iran führen, zu einer Eskalation, ja sogar zu einem Krieg?

Niemand kann das zurzeit absehen. Klar ist, dass Trump mit seinem Entscheid ein grosses Risiko eingegangen ist. Vielleicht zahlt es sich aus – und es bleibt beim verbalen Säbelrasseln, weil der Iran es nicht mit der Grossmacht USA aufnehmen will. Vielleicht aber lässt das Regime seinen Drohungen Taten folgen und greift beispielsweise amerikanische Militärbasen in Syrien oder Irak an.

Der Drohnen-Anschlag auf Soleimani geschah, nachdem das WEF den iranischen Aussenminister Javad Zarif bereits eingeladen hatte. In den letzten Tagen gab Zarif, der in Davos früher gern die Friedenstaube spielte, den Scharfmacher. Er schwor Rache, tobte und polemisierte auf Twitter: Der US-Aussenminister sei ein «arroganter Clown». Da fragt man sich: So einer soll ans WEF kommen?

Die Antwortet lautet: Ja. Es ist richtig, dass die Organisatoren an der Einladung festhalten. Allein die Tatsache, dass iranische und amerikanische Regierungsvertreter dieselbe Konferenz besuchen, ist ein positives Zeichen. Im besten Fall kommt es in Davos zu einem Treffen der «Feinde».

Reden ist besser als boykottieren. Und wenn der Iran offiziell am WEF teilnimmt, entschärft das auch die Sicherheitsrisiken vor Ort: Racheakte an einen Anlass, den der Aussenminister besucht, sind unwahrscheinlicher.

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