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Prinz Andrew wirft ein schlechtes Licht auf das Königshaus

Tritt von seinen öffentlichen Ämtern zurück: Prinz Andrew.

Tritt von seinen öffentlichen Ämtern zurück: Prinz Andrew.

Im Buckingham-Palast geht die Sorge um, dass der Epstein-Skandal der britischen Monarchie nachhaltig schaden könnte.

Die britische Monarchie in der Krise: Nach tagelangem Dauerfeuer der Medien und zunehmender Ungeduld der wahlkämpfenden Spitzenpolitiker hat das Königshaus den umstrittenen Prinzen Andrew aus der Öffentlichkeit verbannt. Der 59-jährige Lieblingssohn der Queen werde alle seine Funktionen «auf absehbare Zeit» ruhen lassen, hiess es am Mittwochabend.

Der Herzog von York steht seit Jahren wegen seiner Freundschaft mit dem als Sexualverbrecher verurteilten Multimillionär Jeffrey Epstein in der Kritik. Laut Staatsanwaltschaft hatte Epstein einen Sexhandelsring betrieben und Hunderte junger Frauen ausgebeutet und missbraucht. Seit dem Tod des New Yorker Finanzjongleurs in einer Gefängniszelle im August tobt in den USA ein Rechtsstreit um Ansprüche gegen den Nachlass des 66-Jährigen, dessen Vermögen mehr als eine halbe Milliarde Dollar betragen haben soll.

Immer wieder kam dabei auch Andrews Name ins Spiel. Nicht nur hatte sich der Prinz mehrere Jahre lang immer wieder von Epstein in dessen New Yorker Anwesen einladen und um die Welt fliegen lassen. Ganz konkrete Vorwürfe gegen ihn richtete eine Mutter von drei Kindern: Sie sei 2001 als 17-Jährige, so Virginia Roberts Giuffre, von Epstein «zur Sexsklavin gemacht» und zum Geschlechtsverkehr mit dem Herzog gezwungen worden, so ihre seit mehreren Jahren verbreiteten, vom Königshaus stets dementierten Vorwürfe.

Dem Vernehmen nach bereitet das BBC-Magazin «Panorama» ein ausführliches Interview mit der Prinzen-Beschuldigerin vor. Dadurch gewannen Andrews Verhandlungen mit der BBC-Sendung «Newsnight» an Fahrt. Dass der Herzog aber ausgerechnet zum Auftakt der heissen Wahlkampfphase der Befragung durch Starmoderatorin Emily Maitlis zustimmte, in dem Interview vage Phrasen verwendete und jedes Mitgefühl mit Epsteins Opfern vermissen liess, darf im Nachhinein zu den schlimmsten Fehlentscheidungen in seinem an Peinlichkeiten reichen Leben gezählt werden.

Seit seinem Rückzug von der Rolle als britischer Handelsbeauftragter 2011, schon damals unter dem Schatten der Epstein-Vorwürfe, füllte Andrew sein Leben vor allem mit karitativen Einsätzen. In den vergangenen Tagen wandten sich Unternehmen wie der Firmenberater KPMG, Kommunikationsriese BT und die Investmentbank Standard Chartered von den Organisationen des Prinzen ab, mehrere australische Unis kappten die Verbindung zu ihm.

Druck von Prinz Charles

Wie die Monarchie dastehe, wollte die Moderatorin des TV-Duells der Spitzenkandidaten von Torys und Labour am Dienstag wissen. «Könnte besser sein», erwiderte Labour-Chef Jeremy Corbyn unter dem Beifall des Publikums. Die Szene soll im Buckingham-­Palast für helle Aufregung gesorgt haben. Offenbar drängte vor allem Andrews älterer Bruder, Thronfolger Prinz Charles, auf eine Frontbegradigung.

Die tags darauf vollzogene Demütigung des Herzogs – ein historischer Schritt für eine normalerweise loyale Institution – wurde dadurch verschleiert, dass die Erklärung in seinem Namen abgefasst war. Er selbst habe Königin Elizabeth, 93, um den Schritt gebeten, sie habe zugestimmt. Anders als im BBC-Interview am vergangenen Samstag sprach der Prinz diesmal eindeutig von seinem Mitgefühl mit Epsteins Opfern. Er stehe, «falls notwendig», für Auskünfte an die beteiligten Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung.

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