Joe Biden

Keiner zu alt, US-Präsident zu sein – oder etwa doch?

Joe Biden, 77, wäre der älteste US-Präsident der Geschichte, wenn er im November gegen Donald Trump gewinnen würde. (Bild: Keystone)

Joe Biden, 77, wäre der älteste US-Präsident der Geschichte, wenn er im November gegen Donald Trump gewinnen würde. (Bild: Keystone)

Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter sagt, 80-Jährige sollten das Amt nicht mehr ausführen dürfen. Joe Biden sieht das ganz anders.

Ronald Reagans rhetorischer Trick war genial: Als ein Moderator dem damals 73-Jährigen bei einer Fernsehdebatte 1984 die Frage stellte, ob er nicht zu alt sei, um erneut für das US-Präsidentschaftsamt zu kandidieren, sagte Reagan: «Ich werde die Jugendlichkeit und Unerfahrenheit meines Herausforderers nicht zum Thema machen.» Die Zuschauer lachten – und Reagan gewann eine zweite Amtszeit. Gerade jetzt aber fragt sich wieder ganz Amerika: Wann ist man eigentlich zu alt, um Präsident zu sein? Mit 73 jedenfalls nicht. Das zeigte nicht nur Reagan, das betont auch der 73-jährige Donald Trump. Mit 78 offenbar noch immer nicht. So alt wäre der demokratische Kandidat Joe Biden, wenn er im Januar 2021 ins Weisse Haus einziehen würde. Trotzdem gibt es diverse aktuelle Beispiele, die einen fragen lassen, ob Ü70er wirklich die richtigen sind für das mächtigste Amt der Welt.

Joe Biden, heute 77, verwechselte jüngst seine Frau mit seiner Schwester. Sein unverständliches Sprechen sorgt für Stirnrunzeln. Und immer wieder erzählt er Geschichten, die nie passiert sind; zuletzt etwa jene von seiner Verhaftung durch die Apartheids- Polizisten in Südafrika.

Biden lächelt das alles weg: Was Amerika jetzt brauche, sei jemand mit viel Erfahrung, der das Amt ohne lange Einführung ausführen könne. Er macht auf seine allmorgendlichen Trainingseinheiten aufmerksam und hat sich Haare transplantieren lassen, um jugendlicher auszusehen.

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Wie körperliche Schwäche – und die kommt nun mal mit dem Alter, trotz Liegestützen und Haarverdichtungen – von Politikern sich auf die Stimmung in einem Land übertragen kann, hat man 2019 etwa in Deutschland gesehen. Die Zitteranfälle der 65-jährigen Angela Merkel versetzten das halbe Land in Aufruhr.

Doch Amerika muss nicht nach Deutschland schauen, um vor den Tücken alternder Politiker gewarnt zu werden. Auch im eigenen Land gibt es prominente Stimmen, die nebst der existierenden Altersuntergrenze für US-Präsidenten (sie müssen mindestens 35 sein) auch eine Altersobergrenze fordern. «Ich hoffe, sie führen das bald ein», sagte kürzlich der 95-jährige Ex-Präsident Jimmy Carter. Seinen Job, so Carter, hätte er mit 80 sicher nicht mehr machen können.

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