Wer mit Alexander Stubb mithalten will, muss früh aufstehen. Sehr früh sogar. Schon um 4.30 Uhr sei er auf der Matte gestanden, schrieb der finnische Ex-Premier am Dienstag seinen 370 000 Followern auf Twitter. Die Botschaft: Er ist mehr als bereit für das, was er am Nachmittag im Strassburger EU-Parlament ankündigen sollte. Der 50-Jährige schmeisst sich ins Rennen um die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Stubb ist Vize-Präsident der Europäischen Investmentbank (EIB) in Luxemburg und war bis 2015 während rund eines Jahres finnischer Regierungschef. Die interne Ausmarchung der europäischen Christdemokraten (EVP) dürfte Anfang November zwischen ihm und dem CSU-Mann Manfred Weber stattfinden, dem EVP-Chef im EU-Parlament.

Dabei gilt der Finne als Underdog. Weber ist in Brüssel bestens vernetzt und kann auf Unterstützung der einflussreichen deutschen Abgeordneten und Kanzlerin Angela Merkel zählen. Trotzdem wäre es unklug, den smarten Finnen mit den schnittigen Anzügen zu unterschätzen. Stubb gilt als ebenso kompetent wie ehrgeizig. In seiner Freizeit läuft er Marathon und Triathlon. 2016 beendete er erfolgreich den Ironman in Hawaii. Stubb doktorierte an der London School of Economics und spricht neben Finnisch und Schwedisch auch fliessend Englisch, Französisch und Deutsch.

Stubb ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Politisch gilt er als gemässigter Konservativer etwas links der Mitte. Im Gegensatz zu Weber weiss Stubb sich klar zu umstrittenen Figuren wie dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán abzugrenzen. Bei den Werten in der EU sei er nicht zu Diskussionen bereit, so Stubb. Zu einem möglichen Ausschluss Orbáns von den europäischen Christdemokraten sagte er unmissverständlich: «Entweder man ist mit uns oder andernorts».

Um seiner Kandidatur Schwung zu verleihen, hat Stubb jetzt erst einmal fünf Wochen unbezahlten Urlaub für eine Tour durch diverse EU-Länder genommen. Die Puste wird ihm sicher nicht ausgehen.