US-Wahlen

Joe Biden oder Donald Trump: Wem Putin, Xi und Co. die Daumen drücken

Die Wahl in den USA hat auch für ihre Staaten eine besondere Relevanz: Russlands Präsident Wladimir Putin (l) und Chinas Staatschef Xi Jinping.

Die Wahl in den USA hat auch für ihre Staaten eine besondere Relevanz: Russlands Präsident Wladimir Putin (l) und Chinas Staatschef Xi Jinping.

Der US-Präsident macht aus seiner Bewunderung für autoritäre Herrscher keinen Hehl. Doch die autoritären Herrscher in Moskau und Peking sind Trump enttäuscht.

In einer Woche wird in den USA gewählt. Mit besonderem Interesse dürften die Präsidenten Russlands und Chinas auf die Abstimmung blicken. Nur: Für wen schlagen die Herzen der Staatschefs nach vier Jahren Donald Trump? Für den Amtsinhaber, oder doch für Herausforderer Joe Biden? Zumindest einer hat eine eindeutige Präferenz: Der Brasilianer Jair Bolsonaro.

Putin sieht Trump als das «kleinere Übel»

«Die Beziehungen zwischen unseren Ländern sind niemals schlechter gewesen», hatte der amerikanische Präsident Donald Trump per Twitter mitgeteilt, bevor er sich zu einem Händedruck mit Russlands Präsident Wladimir Putin aufgemacht hatte. Vor zwei Jahren war das, in Helsinki. Ein «historisches» Treffen auf neutralem Boden hatten es beide Seiten später genannt. Herausgekommen war dabei die Bestätigung, dass die Beziehungen tatsächlich schlecht seien, die Begegnung aber «ein Schritt in eine bessere Zukunft» sei.

Die Besiegelung der «schlechten Beziehungen» in Helsinki 2017: US-Präsident Trump und der russische Präsident Wladimir Putin beim Handschlag. (Bild: Keystone)

Die Besiegelung der «schlechten Beziehungen» in Helsinki 2017: US-Präsident Trump und der russische Präsident Wladimir Putin beim Handschlag. (Bild: Keystone)

Die «Zukunft» ist seitdem nicht besser geworden. Die russische Hoffnung, mit Trump werde einiges leichter als mit Obama, hatte sich schnell zerschlagen. Moskau begriff bald, dass auf Trump kein Verlass ist, mag da «die Chemie» zwischen den beiden Präsidenten «bestens» sein, wie Moskau stets betont. Die Polarisierung ist nie verschwunden.

Der Kreml bezeichnet Amerika stets als russophob und weist alle amerikanischen Vorwürfe in Richtung Moskau, allen voran, Hacker hätten im Namen der russischen Regierung Daten abgegriffen und Trump so erst ins Weisse Haus gebracht, als «Unsinn» ab. In den USA herrscht ein starker parteiübergreifender Konsens, Russland als Gegner zu sehen: die Republikaner auf geopolitischer Ebene, die Demokraten aus geopolitischen, vielmehr aber noch aus ideologischen Gründen.

Joe Biden hält Russland für die grösste Bedrohung der Vereinigten Staaten, wie der Präsidentschaftskandidat vor wenigen Tagen in einem Interview sagte. Moskau zeigte sich empört.

Präsidentschaftskandidat Joe Biden traut Russland nicht. Hier beim Interview mit CBSNews/60 MINUTES. (Bild: Keystone)

Präsidentschaftskandidat Joe Biden traut Russland nicht. Hier beim Interview mit CBSNews/60 MINUTES. (Bild: Keystone)

Der Krawallmacher Trump ist für die Russen das kleinere Übel. Dass dieser die Allianzen im Westen aufmischt, imponiert Moskau. So sehen sie die Hegemonie der USA geschwächt, die Einheit des Westens untergraben. Trumps «Chaos» hilft dem Kreml, damit sich Russland wieder als Grossmacht fühlen kann.

Doch auch Biden gewinnen die Russen einiges ab, auch wenn dieser Putin 2016 als Diktator bezeichnet hatte und in Moskau seitdem als Hauptgegner des Kremls gilt. Denn der 77-Jährige hält an der Verlängerung des New-Start-Abkommens, der Grenzen für strategische Atomwaffen setzt und im Februar ausläuft, fest. Im Gegensatz zu Trump.

Bolsonaro drückt dem «Amigo» die Daumen

Wenn Jair Bolsonaro über sein Verhältnis zu Donald Trump befragt wird, hellt sich sein sonst oft mürrisches Gesicht auf. «Ich bin sein grösster Fan und will, dass er wiedergewählt wird», sagt der ultrarechte brasilianische Präsident über seinen besten «Amigo» auf dem amerikanischen Kontinent. Der Polterer im Weissen Haus ist Bolsonaros engster Verbündeter, sein Bruder im Geiste und im Handeln.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro würde sich über eine Wiederwahl Donald Trumps sehr freuen. (Bild: Keystone)

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro würde sich über eine Wiederwahl Donald Trumps sehr freuen. (Bild: Keystone)

Joe Biden hat in Brasilien keine Lobby. Spätestens seit er in der TV-Debatte mit Trump Ende September Sanktionen gegen die Regierung in Brasilia wegen ihrer Amazonas-Politik gefordert hat, ist er bei Bolsonaro durchgefallen.

«Trump und ich haben uns in den vergangenen Jahren drei Mal getroffen, ich kann ihn immer anrufen, wenn mir etwas auf den Nägeln brennt», brüstet sich Bolsonaro gerne. Brasilien sei heute einer der grössten Verbündeten der USA ausserhalb der Nato, behauptet er. «Unsere Beziehungen werden sich in den kommenden Jahren noch deutlich vertiefen.»

Sollte Trump gewinnen, werde dieser die Allianz mit Brasilien noch ausbauen, sagen Experten voraus. Aber selbst mit einem künftigen US-Präsidenten Biden werde die Realpolitik die Oberhand behalten, vermutet der Politologe Oliver Stuenkel vom Think-Tank «Fundaçao Getúlio Vargas». Denn beide Seiten wollten die gegenseitigen Handelsinteressen nicht gefährden. Die USA sind nach China der grösste Importeur brasilianischer Waren. Und aus geopolitischer Sicht ist Brasilia ein wichtiger Akteur, um Chinas Einfluss in Lateinamerika zu verlangsamen.

In Peking wird Trump geächtet

Zwar zeigt Donald Trump immer wieder Sympathien für autoritäre Staatsführer á la Wladimir Putin, doch vom Politikertypus hat der US-Präsident rein gar nichts mit Chinas Parteichef Xi Jinping gemein: Chinas starker Mann ist im Tonfall besonnen, im Umgang weder Macho noch Protzer. In anderen Worten: das Gegenteil von Trump.

Dieser wird tatsächlich unter Pekings Parteikadern zutiefst geächtet – etwa, weil er die Volksrepublik rhetorisch und wirtschaftlich angegriffen hat wie kaum ein zweiter Präsident vor ihm. Auf der anderen Seite steht Joe Biden, der von Xi Jinping noch im Jahr 2013 als «Lao Pengyou» bezeichnet wurde – «alter Freund». Doch bei näherer Betrachtung ist die Angelegenheit wesentlich ambivalenter.

Chinas Parteichef Xi Jinping und Joe Biden kennen sich bereits aus dessen Zeit als Vizepräsident. Im Bild: Besuch des chinesischen Machthabers auf einer US Army Base in 2015. (Archivbild: Keystone)

Chinas Parteichef Xi Jinping und Joe Biden kennen sich bereits aus dessen Zeit als Vizepräsident. Im Bild: Besuch des chinesischen Machthabers auf einer US Army Base in 2015. (Archivbild: Keystone)

Trumps verbale Angriffe á la «China-Virus» und vor allem sein Missmanagement der Coronapandemie lassen viele Chinesen an den Vorzügen einer westlichen Demokratie zweifeln. Die Vereinigten Staaten, einst Leuchtturm der freien Welt, haben in China massiv an Faszination eingebüsst.

Doch auch auf politischer Ebene hat Trump mit seinen Provokationen gegen jahrzehntealte Alliierte in der Region ein Vakuum hinterlassen, das Peking gerne für sich nutzen möchte. Wenn der US-Präsident etwa in Südkorea droht, seine dort stationierten Militärtruppen abzuziehen, wird Seoul künftig die Verlässlichkeit des Verbündeten in Washington überdenken.

Für China ist Trump ein geopolitisches Geschenk. Zudem hat die Staatsführung keine Illusionen darüber, dass der Konflikt mit Amerika über die wirtschaftliche Hegemonie auch unter Biden weitergehen würde.

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