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Home Schooling, Fiebermessen, Maskenpflicht: So startet das Ausland ins neue Schuljahr

Schutzmaske und Desinfektionsmittel gegen das Virus: eine Schülerin im texanischen Godley bereitet sich auf den Unterricht vor .

Schutzmaske und Desinfektionsmittel gegen das Virus: eine Schülerin im texanischen Godley bereitet sich auf den Unterricht vor .

Amerika ringt um den Präsenzunterricht, in Deutschland heisst es: Maske auf. Die Pandemie prägt den Schulalltag weltweit.

USA: Virtueller Start ins Schuljahr

New Yorks Stadtpräsident Bill de Blasio geht davon aus, dass die 1866 Grundschulen in der grössten amerikanischen Metropole nach den Sommerferien wieder geöffnet werden – und die 1,1 Millionen Schüler damit nicht nur die virtuelle Schulbank drücken. Die Verantwortlichen der nächstgrössten Bezirke in Los Angeles, Chicago und Miami teilen diesen Optimismus nicht. Sie starten das Schuljahr virtuell.

Zwei Drittel der grössten öffentlichen Schulbezirke entschieden sich, diesen Weg einzuschlagen – auch wenn sich das Weisse Haus auf den Standpunkt stellt, dass es besser wäre, Kinder wieder frontal zu unterrichten. Diese Woche behauptete Präsident Donald Trump, Kinder seien «nahezu immun» gegen das Coronavirus. Amerikas Mütter und Väter sind da anderer Meinung: 56 Prozent der von der «Washington Post» befragten Eltern sagten, es sei gefährlich, Kinder zur Schule zu schicken.
(Renzo Ruf aus Washington)

Spanien: Zittern vor dem Neustart

Das neue Schuljahr beginnt in Spanien erst im September. Doch viele Schulleiter zittern schon jetzt, wenn sie an den Start des Unterrichts denken. Denn Corona ist in Spanien schon wieder besorgniserregend auf dem Vormarsch. In keinem anderen europäischen Land werden derzeit so viele neue Infektionen registriert – nahezu 3000 neue Fälle melden die Behörden täglich. Trotzdem befahl Bildungsministerin Isabél Celaá: «Die Schulen müssen im September geöffnet sein.» Die Sicherheitsregeln der Regierung sollen dies möglich machen.

Darin wird empfohlen, dass Schüler und Lehrer jeden Morgen Fieber messen. Die Klassengrösse will man auf 15–20 Schüler reduzieren, um 1,5 Meter Sicherheitsabstand garantieren zu können; normalerweise sitzen in den Klassen doppelt so viele Schüler. Zudem wird die Maske zur Grundausstattung gehören. Pausen- und Schulzeiten werden gestaffelt.
(Ralph Schulze aus Madrid)

Dänemark und Schweden: Regelunterricht mit Abstand

Auch wenn Dänemark eine leicht steigende Zahl der Ansteckungen verzeichnet, ist ab dem Schulstart nächste Woche wieder normaler Unterricht für alle Stufen erlaubt. Ein Meter Abstand zwischen den Schülern ist nicht mehr Pflicht, sondern wird lediglich empfohlen. Damit ist auch mit Halbklassen- und Fernunterricht Schluss. Allerdings sollen sich verschiedene Klassen möglichst nicht mischen, deshalb zum Beispiel zu unterschiedlichen Zeiten Pause halten.

Schweden, das als eines der wenigen Länder die Grundschulen während der Pandemie offen gelassen hat, wird weiterfahren wie bisher: Mit Händewaschen und etwas Abstand. Neu dürfen auch Gymnasien und Berufsschulen ab der 10. Klasse wieder Normalbetrieb haben. Fernunterricht ist erlaubt, um die Anfangszeiten zu verändern; damit soll Gedränge im öffentlichen Verkehr vermieden werden.
(Niels Anner aus Kopenhagen)

Österreich: Normalbetrieb ab Herbst?

Geht es nach dem Bildungsministerium in Wien, so läuft ab Herbst alles wieder in normalen Bahnen. Flächendeckende Schulschliessungen soll es nicht mehr geben, wie es heisst. Bei einem Coronaausbruch an Bildungseinrichtungen sollen in Zukunft nur regionale Schliessungen erfolgen. Offen ist, ob es eine Maskenpflicht geben wird. Bei der Organisation von Schulen haben in Österreich die Länder viel mitzureden. So bereiten sich derzeit viele Regionen individuell auf Massnahmen vor.

In Wien etwa sollen nur Verdachtsfälle isoliert und bei bestätigten Coronafällen Quarantäne-Massnahmen eingeleitet werden. Der Grund: Gerade in Wien hatte die Schliessung der Schulen eine hohe Entfremdung zwischen Kindern und Bildungseinrichtungen zur Folge, besonders unter nicht Deutsch-Muttersprachlichen Kindern. In welchem Ausmass das ein Problem ist, lässt sich noch nicht abschätzen.
(Stefan Schocher aus Wien)

Deutschland: Präsenz- und Maskenpflicht

Bildung ist in Deutschland Sache der 16 Bundesländer, daher gibt es kein einheitliches Vorgehen zum Start des Unterrichts nach der Sommerpause. Grundsätzlich gilt nach den Sommerferien wieder Präsenzunterricht an den Schulen. Am Montag beginnt in Berlin und Brandenburg das neue Schuljahr. Je nach Bundesland gibt es strenge Regeln. Neben den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln gilt eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht auf Pausenhöfen und im Schulgebäude. Die Pflicht gilt nicht während des Unterrichtes.

Die strengsten Regeln hat Nordrhein-Westfalen mit seinen rund 2,5 Millionen Schülern: Im neuen Schuljahr muss an allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch im Unterricht eine Maske getragen werden. Die Regelung gilt vorerst bis Ende August. Auch in Grundschulen gilt ein Mund-Nasen-Schutz, allerdings nicht während des Unterrichts.
(Christoph Reichmuth aus Berlin)

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