Elysée

Fünf Parlamentarier und der Kulturminister infiziert: Das Corona-Virus befällt Frankreichs Machtzentrum

Mitglieder der Regierung von Emmanuel Macron sind bereits infiziert - trifft es auch den Präsidenten?

Mitglieder der Regierung von Emmanuel Macron sind bereits infiziert - trifft es auch den Präsidenten?

Frankreich stellt sich eine bange Frage: Was, wenn Präsident Macron infiziert würde? Sein Kulturminister ist bereits soweit.

Frankreich ist das nach Italien am zweitstärksten vom Corona-Virus betroffene Land Europas. Die Staatsführung in Paris unternimmt derzeit alles zur Eingrenzung. Doch nun wird sie selber angesteckt. Und die Sorge ist gross, da die Schalthebel der Macht in Paris nahe beieinander liegen; die Ministerien, die nationalen Parlamentskammern und natürlich auch der Elysée-Palast situieren sich auf engstem Raum zwischen Eiffelturm und dem Louvre.

Dort greift der Virus rasch um sich, seitdem ein Abgeordneter positiv getestet wurde. Der Virusherd war offenbar die Bar der Nationalversammlung. Mittlerweile sind fünf Parlamentarier der höchsten Kammer infiziert. Jetzt hat es auch die Exekutive erwischt: Am Montagabend musste Kulturminister Franck Riester bekanntgeben, dass er nach einem leichten Fieber positiv getestet worden sei; am Dienstag kam auch Justizministerin Nicole Belloubet in Erwartung eines Testresultates in Quarantäne.

Und der Staatschef ? Offiziell wurde Emmanuel Macron bisher nicht auf den Virus getestet, genauso wenig wie Innenminister Christophe Castaner oder Transportministerin Elisabeth Borne, die in der wöchentlichen Regierungssitzung bisher neben Riester sassen.

Panik am französischen Regierungssitz

Trotzdem herrscht im Elysée-Palast ein Anflug von Panik. Denn Riester kam bei den Regierungssitzungen auch Macron körperlich nahe. Der Präsident versucht sich nun so gut es geht zu schützen. Er schüttelt keine Hände mehr und vergibt weder Wangenküsschen noch Orden. Termine ausserhalb des Elysées sowie Besuche sagt er so weit wie möglich ab; wie am Dienstag bei einer Aussprache auf höchster EU-Ebene ersetzt er sie durch Videokonferenzen.

Wenn Macron im Elysée Sitzungen leitet - etwa den regelmässigen Verteidigungsrat zum Thema Corona - , wird der Raum vor- und nachher desinfiziert. Dasselbe gilt für jeden Kugelschreiber, jeden Notizblock und jeden Gegenstand, den der Präsident in die Hand nimmt. Sein Begleitpersonal führt im Köfferchen für einmal nicht den Atomcode mit, sondern Desinfektionsgel, das dem Präsidenten nach jedem Kontakt verabreicht wird.

Der Präsident ohne Schutzmaske

Emmanuel Macron trägt bisher - zumindest auf öffentlichen Bildern - keine Schutzmaske. Angesichts des landesweiten Mangels daran fragen sich die Franzosen, ob das Elysée insgeheim nicht über eine Reserve FFP2-Masken verfüge. Einerseits betonte das Elysée in einem Communique, für die Regierungsmitglieder gälten „die gleichen Regeln wie für alle Franzosen“; bei Ansteckung müssten sie zwei Wochen in die private Quarantäne.

Andererseits erklärte eine Präsidialsprecherin aber auch, die Regierung habe zum „obersten Ziel, die Kontinuität des Staates zu gewährleisten“. Muss Macron also besser geschützt werden als ein normaler Bürger - oder reicht die republikanische „Egalité“, die Gleichheit, bis ins Elysée?

Das Präsidialamt hat zwar Weisung an die Elysée-Berater und -beamten herausgegeben, in Zukunft im „Binom“, also in Zweierteams zu arbeiten, um die Kontinuität im Fall einer Ansteckung zu garantieren. Einer bleibt aber ohne „Binom“: Für Emmanuel Macron wäre ein Doppelgänger natürlich undenkbar. Eine Weisung im Elysée ist ungeschrieben: Der Präsident darf auf keinen Fall infiziert werden.

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