Frankreich

Einladung zum Nationalfeiertag: Macron ehrt die Schweiz für ihre Nothilfe in der Coronakrise

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (l) mit Bundesrat Alain Berset: Am Dienstag wird der Schweizer erneut in Paris erwartet.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (l) mit Bundesrat Alain Berset: Am Dienstag wird der Schweizer erneut in Paris erwartet.

An französischen Nationalfeiertag ist auch Bundesrat Alain Berset dabei. Macron dankt der Schweiz für ihre Nothilfe in der Coronakrise.

Symbole sagen mehr als tausend Worte. Dass Alain Berset an diesem Dienstag auf der Pariser Ehrentribüne für die traditionelle Militärparade des 14. Juli Platz nehmen wird, ist vielleicht bedeutsamer als so manches Diplomatentreffen zum Thema Rahmenabkommen. Eine offizielle Einladung Frankreichs zur Teilnahme am «Quatorze Juillet» zeugt von aufrichtiger Dankbarkeit für die Schweiz und Goodwill seitens eines der einflussreichsten Länder in der EU.

Nach Paris eingeladen sind die Vertreter von Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz. Ihre Regierungen hatten im April dem französischen Gesuch nach Aufnahme von Coronakranken stattgegeben. In der Schweiz folgten mehrere Kantone dem Ersuchen der Elsässer Departementsvorsteherin Brigitte Klinkert. Und mit Aargau, Schaffhausen, Thurgau oder Zürich waren darunter nicht nur direkte Nachbarn Frankreichs wie Jura oder die beiden Basel.

«Rettbare» Patienten für Schweizer Spitäler

27 Elsässer Patienten wurden so mit französischen Rettungshelikoptern in Intensivstationen Schweizer Spitäler transportiert. Nach Deutschland kamen 120, nach Luxemburg elf und nach Österreich drei lebensbedrohte Coronakranke. Die Schweiz machte zur einzigen Bedingung, dass es sich um «rettbare» Personen handeln sollte – damit die Intensivbetten nicht für Patienten aus der Schweiz blockiert würden. Die Gesundheitsbehörden des Kantons Aargau betonten öffentlich, dass die Behandlung eigener Patienten weder bettenmässig noch medizinisch beeinträchtigt würden. Damit hatten sie nachträglich auch recht.

Die Einladung für Berset an den Quatorze Juillet illustriert, wie wichtig die Schützenhilfe aus dem Ausland für Frankreich war. Die französische Armee musste in Mulhouse, einem Epizentrum der Krise, ein Notlazarett einrichten; einzelne Patienten wurden mit dem TGV in andere Regionen verlegt. In einzelnen Spitälern konnten trotzdem nicht mehr alle Patienten über 80 Jahren beatmet werden, wie unabhängige Beobachter feststellten. Für die Elsässer Ärzte war die Abnahme jedes Patienten durch benachbarte Länder eine Erleichterung.

Frankreich von Coronakrise hart getroffen

Wie froh Frankreich darum war – während Italien keine entsprechende Aufnahmegesuche an Nachbarländer stellte –, zeigt sich auch darin, dass die Zeremonien zum Quatorze Juillet allgemein im Zeichen des Pflegepersonals stehen. Wegen der Coronakrise musste Macron auf das obligate Défilé über die Champs-Elysées verzichten; an ihre Stelle tritt eine «stehende» Parade auf dem Concorde-Platz mit dem Überflug von Militärgeschwadern. Danach wird Macron seine ausländischen Gäste zum Mittagessen im Elysée-Palast laden.

Unter den Ministerpräsidenten deutscher Bundesländer und dem österreichischen Gesundheitsminister wird der frankophone Berset nicht untergehen, zumal er Macron seit einem offiziellen Besuch in Paris im Jahr 2018 persönlich kennt. Seine Anwesenheit in Paris macht auch klar, dass die Aufnahme von Intensivpatienten nicht nur eine medizinische Hilfe in höchster Not darstellte, sondern, wenn man so will, auch einen eidgenössischen Beitrag zur europäischen Personenfreizügigkeit.

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