Ägypten

Ein Toter bei Zusammenstössen am Jahrestag des Mursi-Sturzes

Anhänger der Muslimbruderschaft demonstrieren in Kairo

Anhänger der Muslimbruderschaft demonstrieren in Kairo

Bei Zusammenstössen am ersten Jahrestag des Sturzes von Präsident Mohammed Mursi ist in Kairo ein Mensch ums Leben gekommen. Das Opfer starb in der Nähe der Pyramiden am Stadtrand von Kairo durch Schüsse.

Dies berichtete das staatliche Nachrichtenportal "Al-Ahram Online" am Donnerstag. Es sei unklar, wer die Schüsse abgegeben habe. Die Polizei setzte an drei Orten der Hauptstadt Tränengas ein, um Proteste von Dutzenden Anhängern des früheren Staatschefs aufzulösen.

Nach Massendemonstration gegen Mursi hatte das ägyptische Militär am 3. Juli 2013 den freigewählten islamistischen Präsidenten gestürzt. Die Gegner des Ex-Staatschefs sprachen nach der Absetzung von einem legitimen Akt zur Rettung der Demokratie. Seine Anhänger sehen in dem Sturz dagegen einen Putsch.

Tahrir-Platz abgeriegelt

Ägyptens Regierung hatte vor dem Jahrestag die Sicherheitsmassnahmen verschärft, um Proteste von Mursi-Anhängern zu verhindern. Soldaten kontrollierten am Donnerstag nach Angaben ägyptischer Medien die Hauptzufahrtsstrassen in Kairo.

Auch die U-Bahn wurde zusätzlich gesichert. Sie war in der vergangenen Woche Ziel mehrerer Bombenanschläge. Zudem wurde der Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt abgeriegelt, wie die Nachrichtenagentur Mena berichtete.

Todes- und Haftstrafen

Gegen Mursi und andere führende Muslimbrüder laufen derzeit Prozesse. Hunderte ihrer Mitglieder wurden in den vergangenen Monaten zum Tode und zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Regierung hatte die Bewegung Ende vergangenen Jahres als "Terrororganisation" verboten. Sie macht die Muslimbrüder für Anschläge im Land verantwortlich. Die Islamisten weisen die Vorwürfe zurück.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International teilte am Donnerstag mit, es gebe starke Beweise dafür, dass sich die Menschenrechtslage seit dem Sturz Mursis massiv verschlechtert habe. Die Zahl der Fälle von willkürlichen Festnahmen und ungezügelter Folter sowie von Todesfällen in Polizeigewahrsam sei stark angestiegen.

Seit Juli vergangenen Jahres seien 80 Menschen in Haft gestorben und mehr als 40'000 festgenommen oder angeklagt worden, berichtete Amnesty unter Berufung auf ägyptische Menschenrechtler.

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