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Ein Männlein floh im Walde – der «Schwarzwald-Rambo» ist gefasst

Oppenau (D): "Schwarzwald-Rambo" gefasst

Oppenau (D): "Schwarzwald-Rambo" gefasst

Der Mann, der sich fast eine Woche lang vor der Polizei im Schwarzwald versteckte, ist gefasst. Tagelang hatten die Ermittler mit einem Grossaufgebot nach dem Flüchtigen gefahndet. Spezialkräfte fanden ihn am frühen Freitagabend nach einem Hinweis von Zeugen in einem Gebüsch.

Eine Woche lang suchte die Polizei einen Bewaffneten im Schwarzwald. Nun ist Yves Etienne Rausch gefasst. Auf Twitter wird er gefeiert.

Bis vergangenen Sonntag hiess Yves Etienne Rausch eben Yves Etienne Rausch und war ein etwas sonderlicher 31-Jähriger aus der Kleinstadt Oppenau im Renchtal mit Schreinerlehre. Inzwischen hat ihn die «Bild»-Zeitung zum «Schwarzwald-Rambo» ernannt – und rund um seinen Heimatort suchten fünf Tage lang Polizei-Hundertschaften nach ihm. Am Freitagnachmittag fanden sie ihn. Nicht im Wald, sondern bei einem Gasthof namens «Bierhäusle». Bei seiner Festnahme wurde Rausch ebenso leicht verletzt wie ein Beamter des Sondereinsatzkommandos.

«Schwere räuberische Erpressung» nennt die Staatsanwaltschaft Offenburg, was sich nach Schilderung der Polizei am 12. Juli zutrug: Rausch sitzt vor einer Hütte im Schwarzwald und hantiert mit Pfeil und Bogen. Er wird beobachtet, die Polizei alarmiert, sie erscheint mit vier Beamten und fordert Rausch auf, die Waffen auszuhändigen, zu denen auch noch ein Speer und an einer Weste befestigte Patronen gehören. Rausch folgt. Als die Polizisten von ihm verlangen, nun die Hütte zu verlassen, zieht Rausch eine Pistole. Er richtet sie auf einen der vier – und fordert alle auf, ihre Dienstwaffen abzulegen. Die Bedrohten tun wie geheissen – Rausch sammelt die Pistolen ein und flieht in den Wald.

Er verletzte Mitbewohnerin mit einer Armbrust

Im Städtchen herrscht zunächst vor allem Angst. Die Medien versuchen herauszufinden, wer Yves Etienne Rausch eigentlich ist. Und hören, je nachdem ob sie mit seiner Mutter reden oder mit der Staatsanwaltschaft, unterschiedliche Antworten. Die Mutter sagt der «Bild» und RTL, ihr Sohn sei «kein gewalttätiger Mensch». Er habe sich in den Wald zurückgezogen «als Waldläufer» und dort «die Freiheit erleben» wollen. Ein Foto, das Rausch in einem Flecktarn-Anzug mit umgehängter Gasmaske zeigt, hält sie für eine Maskerade: «Das macht von Yves einen falschen Eindruck.» Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Weil er 2009 mit einer Sportarmbrust eine Mitbewohnerin lebensgefährlich verletzt hat, steht eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren in seinem Führungszeugnis.

In den sozialen Netzwerken wird Rausch als «Robin Hood vom Schwarzwald» gefeiert, es gründet sich ein «Yves Rausch Fanclub» – und die Polizei wird zum Ziel von Hohn und Spott. «Was könnt ihr überhaupt noch?», ätzt einer auf Twitter.

Die Antwort kommt am Freitagnachmittag. Nach Hinweisen von zwei Passanten findet das SEK Rausch in einem Gebüsch sitzend. Vor sich hat er die vier Pistolen aufgereiht, auf seinem Schoss liegt ein Beil, neben ihm ein Schriftstück. Die Polizisten sprechen ihn an. Dann greift das SEK zu.

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