Deutsche Bahn

Der Lokführer-Streik ist ein Machtkampf auf Kosten der Pendler

Laut Angaben der Deutschen Bahn fährt nur jeder dritte Fernzug, im Regionalverkehr sollen – je nach Region – lediglich 15 bis 60 Prozent der Verbindungen aufrechterhalten werden.

Laut Angaben der Deutschen Bahn fährt nur jeder dritte Fernzug, im Regionalverkehr sollen – je nach Region – lediglich 15 bis 60 Prozent der Verbindungen aufrechterhalten werden.

Abermals legt ein Streik den Bahnverkehr in Deutschland lahm. Der Stillstand auf der Schiene kostet Millionen. Auch der Bahnverkehr aus der Schweiz ist betroffen.

Die Deutschen sind eigentlich ein geduldiges Volk, Gewerkschaften sind in ihrem Kampf um Arbeitsbedingungen einflussreich, gelegentliche Streiks gehören irgendwie dazu – ob bei den Piloten oder eben bei der Bahn. Doch die jüngste Arbeitsniederlegung der Lokführer strapaziert die Nerven der Pendlerinnen und Pendler – weil sich die Geschichte wiederholt.

Es ist bereits der siebte Streik innerhalb von zehn Monaten, der im Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL losgebrochen worden ist. Seit Dienstagnachmittag und bis morgen früh um 9 Uhr wird der Güterverkehr bestreikt, seit gestern und bis heute Abend um 21 Uhr der Personenverkehr.

Laut Angaben der Deutschen Bahn fährt nur jeder dritte Fernzug, im Regionalverkehr sollen – je nach Region – lediglich 15 bis 60 Prozent der Verbindungen aufrechterhalten werden.

Züge nach Deutschland fallen aus

Der Streik in Deutschland hat auch Auswirkungen auf den Fernverkehr aus der Schweiz nach Deutschland. Ab Schaffhausen in Richtung Stuttgart oder Bregenz (A) Richtung München fahren bis heute Abend keine Züge, wie SBB-Sprecher Reto Schärli auf Anfrage der Nordwestschweiz erklärt.

Ebenfalls verkehrt auf der Strecke Basel-Köln etwa jeder zweite Zug nicht. «Generell fällt ab Basel rund die Hälfte der Verbindungen nach Deutschland aus», sagt Schärli. Für Reisen nach München haben die SBB zusammen mit der Deutschen Bahn Fernbusse bereitgestellt. „Wer die Reise wegen des Streiks in Deutschland nicht antreten kann und sein Ticket im SBB-Reisebüro gekauft hat, kann das Ticket zurückgeben und bekommt den Fahrpreis zurück.“

Zu Einschränkungen oder gar Ausfällen kommt es laut Schärli auch im Güterverkehr. Die SBB rechnen wegen Mehrbelastung in der Streckenplanung mit Mehrkosten. „Quantifizieren lassen sich diese heute allerdings nicht“, so Schärli weiter.

Der Streik verursacht aber vor allem in Deutschland selbst hohe Kosten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet in der Zeitung „Bild“ alleine wegen des 66-stündigen Streiks beim Güterverkehr mit Einbussen für die Unternehmen von mehr als 100 Millionen Euro. 

Will Weselsky mehr Macht?

Hintergrund der Arbeitsniederlegung ist ein offenbar kaum enden wollender Streit im Tarifkonflikt. Am Sonntag waren Gespräche zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn abermals gescheitert. Der Chef der GDL, Claus Weselsky, warf der Deutschen Bahn vor, sie vermeide «Festlegungen in zentralen Fragen der Tarifverhandlungen wie der Teufel das Weihwasser.»

Die GDL, die als Spartengewerkschaft bisher nur die Lokführer vertrat, strebt unter anderem auch für die Mitglieder des Zugpersonals sowie für die Lokrangierführer einheitliche Tarifverträge und gleiche Löhne an. Kritiker werfen Weselsky vor, es gehe ihm weniger um die Mitarbeiter des Zugpersonals, als vielmehr um den Ausbau der eigenen Macht als GDL-Chef.

Denn Zugpersonal und Rangierführer sind heute bei der konkurrierenden Gewerkschaft EVG organisiert. Weselskys Forderung, die deutschlandweit 3000 Lokrangierführer, welche Züge bloss im Bahnhofsbereich in Wartungshallen fahren oder Zugwaggons zusammenkoppeln, seien in gleicher Höhe zu bezahlen wie die Lokführer, wird von der Deutschen Bahn strikte zurückgewiesen. Weselsky wirft der Bahn vor, sie missbrauche die Rangierführer als „billigen Jakob.“

Die Pendlerinnen und Pendler organisieren sich derweil selbst. Laut der Nachrichtenagentur sda verzeichnen Fernbus-Unternehmer in den letzten Tagen 70 Prozent mehr Buchungen.

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