USA

Brandstifter und Biedermänner: Das sind die Männer, die das Kapitol stürmten

Es waren Anhänger der QAnon-Politsekte, Lokalpolitiker und Geschäftsleute, die versuchten, die US-Demokratie aus den Angeln zu heben.

Die Bilder gingen um die Welt. Sie zeigen einen weissen Mann, gekleidet in einem Pullover der Politsekte QAnon, der einen dunkelhäutigen Polizisten der Capitol Police am Mittwoch gegen 14.15 Uhr im Capitol vor sich hertreibt. Der Polizist fuchtelt mit einem Schlagstock, und der Mann, der an der Spitze einer Meute steht, scheint immer wütender zu werden.

Er treibt den Polizisten stetig weiter. Dass sich der Pöbel buchstäblich wenige Meter vom Eingang des Senats entfernt befand, scheint der Mann nicht zu wissen – obwohl die Meute doch die Absicht hatte, die Senatoren - und Vizepräsident Mike Pence, der am Mittwoch die Sitzung des Senats leitete - zu konfrontieren.

Der Mann, der sich an der Spitze des Pöbels befand, heisst Doug Jensen. Er ist 41 Jahre alt, stammt aus Des Moines (Iowa) und er arbeitete bis zu seiner fristlosen Entlassung für eine lokale Baufirma. Seit dem frühen Samstagmorgen befindet sich Jensen in Haft; ihm droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe, auch weil er die Anweisungen des Polizisten ignorierte.

Jensen ist einer von Hunderten, die am Mittwoch das Kapitol stürmten und versuchten, die Zertifizierung des Wahlsiegs von Joe Biden, dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten, zu stoppen. Fünf Menschen starben. Und nicht nur in Amerika fragt man sich seit den schockierenden Ereignissen auf dem Capitol Hill, wer denn diese Menschen waren, die glaubten, sie könnten Präsident Donald Trump im Amt halten.

Trumps Schamane sitzt ebenfalls in Haft

Die Antwort ist nicht einfach. Das Beispiel Doug Jensen zeigt, dass sich im Pöbel zahlreiche Extremisten befanden. Menschen wie Jake Angeli, den «QAnon Schamanen», der nach dem Sturm aufs Kapitol im Gespräch mit dieser Zeitung damit prahlte, wie seine Mitstreiter die Volksvertreter vertrieben hätten. Angeli wurde am Samstag ebenfalls verhaftet. Oder Tim Gionet, der auf den sozialen Medien unter dem Namen «Baked Alaska» sein Unwesen treibt und rechtsradikale Parolen verbreitet.

Bereits in Haft befindet sich auch ein gewisser Cleveland Meredith aus dem Bundesstaat Georgia, auch er ein Anhänger der QAnon-Sekte, der die Absicht hegte, die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, zu erschiessen.

Erschreckender aber ist, wie viele Biedermänner sich am Mittwoch in der Menge befanden, die zuerst Trump zujubelte und dann die Polizeibarrikaden überstieg. Derrick Evans, 35 Jahre alt, stammt aus dem Nest Prichard in West Virginia, offizielle Einwohnerzahl 527. Im Dezember hatte Evans, ein Republikaner, nach seiner Wahl ins Staatsparlament von West Virginia seinen Amtseid abgelegt.

Am Mittwoch filmte er sich, wie er sich Zutritt ins Capitol verschaffte, und dabei notabene einen Helm trug. «Derrick Evans ist im Kapitol», sagte er mehrmals. Evans wurde mittlerweile ebenfalls verhaftet; am Samstag gab er seinen Rücktritt als Volksvertreter bekannt.

Veteranin der Luftwaffe im Kapitol erschossen

Seinen Job verloren hat auch Bradley Rukstales, bis am Freitag Geschäftsführer des Internet-Unternehmens Cogensia in Schaumburg (Illinois). Der 52 Jahre alte Geschäftsmann zeigte sich am Tag nach dem Sturm auf das Kapitol tief bestürzt über «die schlimmste persönliche Entscheidung», die er jemals gefällt habe. Auch ihm droht nun eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Auch Kriegsveteranen befanden sich unter den Aufrührern. Ashli Babbitt war eine von ihnen. Die 35 Jahre alte Frau diente jahrelang in der Luftwaffe und der Nationalgarde, und war vorübergehend Teil einer Einheit, die im Krisenfall das Kapitol in Washington beschützen würde. Am Mittwoch wurde sie von einem Polizisten erschossen, als sie im Kapitol versuchte, die Türe zu einem Komplex aufzubrechen, in dem sich das Büro von Nancy Pelosi befindet. Auf Twitter hatte Babbitt, eine Anhängerin von Donald Trump, zuvor einem Bekannten auf die Frage, «Wann werden wir endlich auf die Siegesstrasse zurückkehren», geantwortet: Am 6. Januar 2021, dem Tag, an dem sie starb.

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