Die neusten Krawallszenen in den Nobelvierteln der französischen Hauptstadt erinnern an frühere Volksrevolten auf dem Pariser Kopfsteinpflaster. Rechte «Gelbwesten» mobilisieren gegen die Steuererhöhung, linke gegen die Privilegien der Eliten.

Das führt – wie am Wochenende passiert – zu einem für den Mittepolitiker Macron gefährlichen Schulterschluss. Ultrarechte und Ultralinke gingen vereint zur Sache. Auch die Wut der friedlicheren «Gelbwesten» konzentriert sich auf den Präsidenten.

In Wahrheit hat sie viel tiefere Gründe: Frankreich leidet stärker als andere Länder unter einer exzessiven Steuer- und Abgabenlast von 46 Prozent – zugleich aber auch an einer massiven sozialen Ungleichheit zwischen den Pariser Eliten und der Landesprovinz. Es ist letztlich dieser Missstand, der die Bewegung befeuert.

Entsprechend widersprüchlich sind die Forderungen nach weniger Steuern und mehr Sozialhilfe. Das kennt man von den «Cinque Stelle» in Italien und anderen populistischen Strömungen. Der Bauch rebelliert gegen den Kopf.

Wie schwer es ist, in den komplexen und globalisierten Gesellschaften Antworten zu finden, zeigt Macrons Umfragesturz. Selbst wenn er den «Gelbwesten»-Protest auszusitzen vermag, wird ihn dieser politisch weiter schwächen.

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