Österreich

Balkan-Rückkehrer bringen das Virus ins Land - Wien spricht Reisewarnung aus

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz: Seine Regierung hat die Reisewarnungen für den Balkan verschärft.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz: Seine Regierung hat die Reisewarnungen für den Balkan verschärft.

Die Regierung verhängt eine Reisewarnung für Kroatien. Der nahende Schulbeginn sorgt in Österreichs Hauptstadt für rote Köpfe.

Erstmals seit April ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Österreich auf über 200 gestiegen. Und während in Wien der nahende Schulbeginn die Köpfe rauchen lässt, wurde vielerorts bereits eine ferienbedingte Forderung laut: Die nach einer Reisewarnung für Kroatien. Am Freitag wurde eine solche nun verhängt.

Laut den Zahlen gab es dagegen kaum Argumente: Denn je nach Region gehen geschätzte 50 bis 80 Prozent der registrierten Neuinfektionen in Österreich derzeit auf Rückreisende vom Balkan zurück. Allein in Tirol waren das Landesbehörden zufolge 20 Neuinfektionen, die direkt auf einen Kroatien-Urlaub zurückzuführen waren.

Besonders in Wien leben viele Menschen mit Verwandtschaft in den Balkanstaaten. Ebenso in der Steiermark, Salzburg, Oberösterreich,Tirol und Vorarlberg. An Tirols Grenze zu Italien wurden zuletzt verstärkte Gesundheitskontrollen eingeführt. Das, nachdem registriert worden war, dass Kroatien- und Balkan-Heimkehrer vermehrt die Ausweichroute über Tirol gewählt hatten, um bereits verschärften Gesundheitskontrollen an den Grenzen zu Slowenien und Ungarn auszuweichen.

Gesundheitsminister nennt Entwicklung «alarmierend»

Zugleich war die Kritik an der Regierung gewachsen, die Grenzen aus wirtschaftlichen Gründen viel zu lax zu kontrollieren. Vor allem in Wien, das keine Aussengrenzen hat, wuchs der Unmut. Für Kroatien galt bis zuletzt laut österreichischem Aussenministerium nicht die höchstmögliche Reisewarnstufe, wie im Fall aller anderen Westbalkan-Staaten. Für Kroatien galt Stufe vier. Vor «nicht unbedingt notwendigen Reisen» wurde abgeraten.

Für alle anderen Westbalkan-Staaten galt bereits Stufe sechs: Eine klare «Reisewarnung». Gesundheitsminister Rudolf Anschober nannte die letzten Zahlen auch «alarmierend» und stellte «Nachschärfungen» bei den Reisewarnungen in Aussicht. Epidemiologen warnen, dass die Mischung aus Urlaubsrückkehrern und Schulbeginn zu einem rasanten Anstieg an Neuinfektionen Anfang September führen könnte. Die dominierende Herausforderung für die Behörden ist dabei vor allem das Bestreben, es keinesfalls erneut zu einer flächendeckenden Schliessung von Schulen kommen zu lassen.

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