Corona-Virus

Abschottung vor Virus aus China verschärft – Schweizer reisen aus

Desinfektion nach der Beerdigung eines Coronavirus-Opfers in Wuhan, Zentralchina.

Desinfektion nach der Beerdigung eines Coronavirus-Opfers in Wuhan, Zentralchina.

Im Kampf gegen das Coronavirus haben China und das Ausland ihre Massnahmen verschärft. In der Schweiz waren bis Freitagabend keine Fälle bekannt, allerdings wollen einige Schweizer China verlassen.

Die US-Regierung gab eine Reisewarnung für China aus, Singapur und die Mongolei wollen keine Chinesen oder Reisende aus China mehr ins Land lassen. Peking kündigte am Freitag ausserdem an, alle ins Ausland gereisten Bewohner der besonders betroffenen Provinz Hubei zurückzuholen.

Den chinesischen Behörden zufolge infizierten sich bis Freitag fast 10'000 Menschen auf dem chinesischen Festland mit dem neuartigen Erreger 2019-nCoV, hinzu kommen mehr als hundert Fälle in über 20 weiteren Ländern, darunter erstmals auch in Grossbritannien, Schweden und Russland. Deutschland meldete am Freitag einen sechsten Fall: das Kind eines aus China zu einer Schulung Angereisten.

Bei der tödlichen Sars-Epidemie in den Jahren 2002 und 2003 hatten sich weltweit über 8000 Menschen infiziert, rund 800 starben damals.

An dem neuartigen Coronavirus starben bislang offiziell 213 Patienten, allesamt in China. Mehr als 100'000 Menschen stehen in China zudem wegen möglicher Symptome der Lungenkrankheit unter ärztlicher Beobachtung.

WHO: Internationaler Gesundheitsnotstand

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Donnerstagabend den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, was eine stärkere länderübergreifende Koordination ermöglichen soll. Zur Begründung wies sie auf die Ausbreitung des Erregers ausserhalb der Volksrepublik hin: "Grösste Sorge" sei, dass sich das Virus auf Länder mit weniger gut ausgestatteten Gesundheitssystemen ausbreite.

Regierungen, Behörden und Unternehmen gehen jedoch schon weiter: Das US-Aussenministerium rät nun von Reisen in die Volksrepublik ebenso dringlich ab wie von Reisen nach Afghanistan, in den Irak und in den Iran. Es appellierte an Bürger, die sich derzeit in China aufhalten, vorzeitig auszureisen. Immer mehr Staaten empfehlen ebenso wie Deutschland, von nicht notwendigen Reisen nach China abzusehen.

Italien ruft nationalen Notstand aus

Nach der Bestätigung von zwei ersten Infektionsfällen rief Italien den nationalen Notstand aus. Die Massnahme erlaubt die rasche Bereitstellung von Geldern und besondere Schutzmassnahmen gegen eine Weiterverbreitung des Virus. In Indonesien wurden mehr als 40.000 Arbeiter eines unter chinesischer Kontrolle stehenden Industriekomplexes vorsorglich unter Quarantäne gestellt.

China, das bereits mit drastischen Abschottungsmassnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus ankämpft, kündigte an, ins Ausland gereiste Bürger aus Hubei "so rasch wie möglich" mit Chartermaschinen zurück in die Provinz zu fliegen. Als Grund nannte eine Sprecherin des Aussenministeriums "praktische Schwierigkeiten", mit denen Bürger aus Hubei und besonders der dortigen Millionenmetropole Wuhan im Ausland konfrontiert seien.

BAG: Schweiz ist vorbereitet

Die Schweiz bereite sich seit Anfang Januar intensiv vor, sagte der Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), Pascal Strupler. In enger Zusammenarbeit mit den Kantonen seien die nötigen Massnahmen ergriffen worden, um Verdachtsfälle rasch identifizieren und abklären zu können. Auch seien Vorkehrungen getroffen worden, um bei bestätigten Erkrankungen die medizinische Versorgung gewährleisten zu können.

In der Zwischenzeit wurde der Schweiz Zugang zum Frühwarn- und Reaktionssystem (EWRS) der Europäischen Union gewährt.

Unterdessen gehen die Evakuierungen der Ausländer aus Wuhan weiter: Ein Flugzeug mit rund 200 Franzosen aus der Millionenstadt landete am Freitag in Südfrankreich, einer der Passagiere wurde mit Symptomen der Krankheit in eine Klinik gebracht. Eine zweite Maschine mit 83 Briten und 27 anderen Ausländern landete kurze Zeit später auf einer britischen Luftwaffenbasis 120 Kilometer westlich von London.

In Köln startete am Freitagmittag eine Bundeswehrmaschine, um mehr als hundert Deutsche zurückzuholen. Sie sollen im Laufe des Samstags wieder in Frankfurt landen.

Frankreich fliegt Schweizer aus

Frankreich sei bereit, die Schweizerinnen und Schweizer in einem zweiten Flug mitzunehmen, hiess es aus dem Aussendepartement (EDA) in Bern. 14 Personen hatten sich wegen einer Rückreise bei der Schweizer Botschaft in Peking gemeldet.

Der Flug soll voraussichtlich in der Nacht auf Sonntag stattfinden. In Frankreich dann sollen die Evakuierten 14 Tage in Quarantäne verbringen. Das gilt auch für die Piloten und das Personal.

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