Coronavirus

3000 Hinterbliebene verklagen die spanische Regierung wegen «vorsätzlicher Tötung»

Beten (wie hier in einer Kirche im spanischen Pamplona) hilft nicht immer. Über 3000 spanische Familien ziehen jetzt vor Gericht, um die Coronakrise zu verarbeiten. (Bild: Keystone)

Beten (wie hier in einer Kirche im spanischen Pamplona) hilft nicht immer. Über 3000 spanische Familien ziehen jetzt vor Gericht, um die Coronakrise zu verarbeiten. (Bild: Keystone)

In Spanien sind Familienangehörige von Coronaopfern vor das Oberste Gericht gezogen. Ihr Ziel: Premier Sánchez.

Mit 228'000 Infektionen und fast 27'000 Toten ist Spanien eines der am schlimmsten von der Coronapandemie betroffenen Länder der Welt. Nach Meinung vieler Spanier und sämtlicher Oppositionsparteien ist daran auch die sozialistische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez schuld. Fehlendes Schutzmaterial, Kauf mangelhafter Schnelltests, Chaos und Fehlkoordination im Krisenmanagement. Spaniens konservativer Oppositionsführer Pablo Casado will erst nach der Pandemie politische Verantwortlichkeiten einfordern. Doch Hinterbliebene von Coronaopfern warten nicht mehr ab.

Seit Anfang der Woche sind verschiedene Sammelklagen am Obersten Gerichtshof in Madrid eingegangen. Insgesamt haben 3268 Familien Ministerpräsidenten Sánchez und sämtliche Regierungsmitglieder wegen «vorsätzlicher Tötung» im Zusammenhang den Coronaopfern angezeigt. Die Familien planen ein Verfahren wegen «Verhinderung der Hilfspflicht» einzuleiten. «Das Fehlverhalten der Politiker hat Tausende Virusopfer gefordert. Die Katastrophe wäre vermeidbar gewesen», erklärt Carmen Flores, Vorsitzende vom spanischen Patientenschutzverband.

«Unmenschlicher Umgang» mit Spaniens Senioren

Vor allem Angehörige von Coronaopfern aus Altenheimen befinden sich unter den Klägern, da die Heimbewohner viel zu spät und unzureichend beschützt worden seien. So richtet sich der Zorn der Hinterbliebenen nicht nur gegen die sozialistische Zentralregierung. Die spanische Patientenschutzorganisation zeigte auch die konservative Madrider Regionalregierung «wegen unterlassener Hilfeleistung und Totschlag» an.

Angesichts überlasteter Spitäler habe Regionalchefin Isabel Díaz Ayuso angeblich die Anweisung gegeben, an Covid-19 erkrankte Senioren nicht in die Kliniken einzuliefern, da ihre Überlebenschancen sowieso gering waren. Den alten Menschen die Behandlung zu verwehren, sei «unmenschlich» und «kriminell» gewesen, so Flores.

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