Urnengang
Zurzibieter Grossfusion ist perfekt! Acht Gemeinden sagen ja, nur Mellikon lehnt ab

Im Zurzibiet gibt es eine neue Gemeinde mit über 7550 Einwohnern: Acht Ortschaften stimmen der Fusion zur neuen Gemeinde Zurzach zu. Einzig Mellikon lehnt den Zusammenschluss ab. Die Ammänner nahmen an einer Pressekonferenz Stellung zum Resultat.

Pirmin Kramer, Daniel Weissenbrunner
Drucken
Teilen
Fusion Rheintal+

Fusion Rheintal+

Claudio Thoma

Seit Sonntagmittag steht fest: Auf den 1. Januar 2022 schliessen sich Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen zur neuen Gemeinde Zurzach zusammen.

Mellikon hingegen stimmte Nein - und bleibt damit eigenständig. Die neue Gemeinde wird die flächenmässig grösste im Kanton Aargau sein. Die Einwohnerzahl wird über 7550 betragen.

Gross ist die Freude bei Heiri Rohner, Gemeindeammann von Wislikofen und Sprecher des Fusionsprojekts "Rheintal+": "Es ist ein historischer Tag für das Zurzibiet. Es freut mich ausserordentlich, dass acht Gemeinden zugestimmt haben", sagte er an der Pressekonferenz in der Propstei Wislikofen.

Die Projektleitung und die Arbeitsgruppe hätten sehr gute Arbeit geleistet, so Rohner. "Die Strukturen, die vor 200 Jahren geschaffen wurden, sind einfach nicht mehr zeitgemäss. Den Weg, den wir heute eingeschlagen haben, ist ein guter Weg. Schade, dass Mellikon nicht dabei ist."

Das 220-Seelen-Gemeinde am Rhein wird eigenständig bleiben. Die Bevölkerung folgte zwar der Empfehlung des Gemeinderates; Rolf Laube aber, der Gemeindeammann, hatte sich für eine Fusion ausgesprochen.

Er versuchte gar nicht erst, seine Gefühlslage zu verbergen. "Ich bin persönlich sehr enttäuscht." In den letzten paar Wochen vor der Urnenabstimmung kursierten Flugblätter von beiden Lagern. Vermutlich habe das Argument der Gegner den Ausschlag gegeben, wonach die Mitbestimmung der Mellikoner Bürgerinnen und Bürger künftig stark abnehmen werde. "Ich bin überzeugt, dass wir profitiert hätten von einer Fusion."

Zu den Verlierern zählte auch Beat Rudolf, Gemeindeammann von Rietheim. Er und der Gemeinderat hatten sich gegen eine Fusion ausgesprochen - die Stimmbürger entschieden sich aber für einen Zusammenschluss. "Meine Gefühlslage ist wie das Wetter draussen - es regnet. Aber der Souverän hat entschieden, die Stimmbeteiligung war mit fast 62 Prozent hoch - ich respektiere das Resultat."

Rudolf hatte sich stark für ein Nein eingesetzt - das sorgte im Dorf für Gesprächsstoff. "Wer gegen den Strom schwimmt, ist uns unserer Gesellschaft bald nicht mehr erwünscht", kommentierte Rudolf am Rande der Pressekonferenz.

Mehr als zweieinhalb Jahre dauerte die vertiefte Prüfung von zehn Gemeinden aus dem Zurzibieter Rheintal. Am Sonntag waren nun mehr als 4300 Stimmberechtigte aus den neun übrig gebliebenen Gemeinden aufgerufen, über eine gemeinsame Zukunft zu entscheiden. Fisibach hatte sich im Mai dieses Jahrs des aus Prozess zurückgezogen.

Der Startschuss zum Projekt fiel Ende 2015. Elf Gemeinden (Siglistorf war zu Beginn ebenfalls dabei) sassen damals zusammen, um die Potenziale für eine verstärkte Zusammenarbeit auszuloten. Vorrangiges Ziel war ein Weg für mehr Bevölkerungswachstum. «Weil es für eine gesunde Entwicklung der Region überlebenswichtig ist», waren sich die Ammänner einig.

Eine mögliche Fusion stand zu diesem Zeitpunkt nicht im Raum. Man wollte die Bevölkerung nicht überfordern, sagte der externe Leiter Peter Weber, der die Führung später an Jean-Claude Kleiner übergab, dem schweizweit erfahrensten Fachmann in Sachen Gemeindezusammenführung. Kleiner betreute unter anderem die Fusion im Kanton Glarus. 2011 gingen 25 Orte in drei Gemeinden auf.

Aktuelle Nachrichten