Zurzibiet
«Was schädlich ist für Kinder, wird verboten»: Weshalb dieser Landwirt hinter den Agrarinitiativen steht

Zahlreiche Zurzibieter Landwirte schlagen Alarm und warnen vor den Folgen eines Ja zu den Agrarinitiativen. Der Full-Reuenthaler Bauer Hanspeter Meier hingegen befürwortet die Trinkwasser- und die Anti-Pestizid-Initiative.

Stefanie Garcia Lainez
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Biobauer Hanspeter Meier wirbt für ein zweifaches Ja am 13. Juni.

Biobauer Hanspeter Meier wirbt für ein zweifaches Ja am 13. Juni.

Alex Spichale/Archiv

«2x Nein zu den extremen Agrarinitiativen»: Diese Plakate stehen auf zahlreichen Bauernhöfen im Zurzibiet. So auch auf den Betrieben von fünf Ammännern, die um ihre Existenz bangen, sollte das Schweizer Stimmvolk die beiden Agrarinitiativen am 13. Juni annehmen. Auf dem Hof von Hanspeter Meier in Full-Reuenthal, den viele als «Biomeier» kennen, zeigt sich hingegen ein ganz anderes Bild: «Für eine pestizidfreie Schweiz» steht auf einem Transparent. Er sagt: «Ich stehe hinter den beiden Initiativen.»

Damit schert der 61-Jährige aus, auch gegenüber seinem Dachverband Bio Suisse. Im vergangenen Herbst fasste die Delegiertenversammlung die Ja-Parole zur Pestizid-Initiative. Diese fordert ein Verbot von synthetischen Pestiziden und des Imports von Lebensmitteln, die solche Pestizide enthalten. Zur Trinkwasserinitiative sagte der Dachverband vor knapp einem Monat allerdings Nein. Diese verlangt, dass Direktzahlungen nur noch an Landwirtinnen und Landwirte ausgerichtet werden, die Antibiotika weder regelmässig noch vorbeugend einsetzen, die pestizidfrei produzieren und die in der Lage sind, alle Tiere mit Futter zu ernähren, das sie auf ihrem Hof produzieren.

Der als Biomeier bekannte Landwirt unterstützt die Trinkwasserinitiative – aber nicht vorbehaltlos

Dass Bio Suisse die Trinkwasserinitiative ablehnt, findet Hanspeter Meier schade. Er kann den Entscheid aber nachvollziehen:

«Diese Initiative zielt auf die Bauern, straft sie und zeigt keine Lösungen auf.»

Auch sei der Passus mit der Eigenproduktion des Futters kaum anwendbar. Insbesondere für Bauern mit Legehennen, unabhängig davon, ob es sich um einen Bio- oder einen konventionellen Betrieb handle.

Dennoch wirbt der letztjährige Grossratskandidat (Grüne) Hanspeter Meier für ein Ja zur Trinkwasserinitiative. «Dieser Passus mit selbstproduziertem Futter ist aus Sicht der Initianten richtig und zeigt eine Problematik auf, die wir angehen müssen», sagt er. Denn durch das heute oftmals importierte Futter gelange Nitrat in unseren Kreislauf – über die Nahrung der Tiere ins Fleisch oder die Eier, danach in den Körper der Menschen und schliesslich von Tier und Mensch ausgeschieden wieder in den Boden und ins Wasser. Dies sei besonders problematisch, wenn das Futter von ausserhalb der Europäischen Union komme, wie beispielsweise Soja aus Brasilien. «Denn darin befinden sich besonders viele Rückstände des schädlichen Stoffes», sagt er und ergänzt: «Weniger Fleisch essen, insbesondere von Schweinen und Hühnern, ist zwingend. Mehr Gemüse tut gut und tut Gutes für die Natur und unsere Enkelkinder.»

Landwirt Hanspeter Meier baut Gemüse an und hat zwölf Kühe.

Landwirt Hanspeter Meier baut Gemüse an und hat zwölf Kühe.

Alex Spichale/Archiv

Das Argument von Bio Suisse, die Initiative würde auch die finanzielle Existenz mancher Biobetriebe gefährden, lässt Hanspeter Meier nicht gelten – abgesehen von jenen, die ganz auf Legehennen setzen würden. Zwar gebe es nach einer Annahme hoffentlich mehr Bio-Betriebe. Dass dies aber ein Überangebot und dadurch sinkende Preise verursache, glaubt er nicht:

«Eine Kuh in einem Biobetrieb gibt weniger Milch als in einem konventionellen Betrieb, wo sie mit viel Antibiotika und Kraftfutter gedopt wird.»

Unter dem Strich gebe es also kaum mehr Milch auf dem Markt. «Die Grossverteiler müssten hier mitziehen.»

In Frankreich gilt Parkinson als Berufskrankheit

Noch klarer bezieht Hanspeter Meier Stellung zur Anti-Pestizid-Initiative, bei der er mit dem Dachverband einer Meinung ist. «Was schädlich ist für die Kinder und den Boden, wird verboten – und zwar nicht nur für die Bauern, sondern für alle.» Eine Ablehnung der Initiative würde längerfristig die Steuerzahler mehr kosten. Er macht dabei auf Frankreich aufmerksam, wo im Zusammenhang mit der Anwendung von synthetischen Pestiziden Parkinson bei Landwirten als Berufskrankheit anerkannt ist. Betroffene können Geld aus einem Entschädigungsfonds fordern. Der Full-Reuenthaler ist deshalb überzeugt, dass Pestizide aus ökonomischen Gründen auch im Falle einer Ablehnung der Initiative früher oder später verboten werden. Zuwarten lohne sich deshalb nicht.

Unabhängig davon, wie das Stimmvolk am 13. Juni entscheide: Im Gegensatz zu anderen Zurzibieter Bauern bleibt für Hanspeter Meier alles beim Alten. Für sein Gemüse benutzt er als Biobauer ohnehin keine synthetischen Pflanzenschutzmittel. «Gut belüfteter und umgesetzter Mist genügt meinen Gemüsekulturen seit bald 40 Jahren», sagt der Landwirt. «Damit ernähre ich die Milliarden von Tierchen, welche meinen Boden fruchtbar machen.» Und auch seine zwölf Kühe fressen weiterhin Gras von der eigenen Weide. «Auch die langen Hecken helfen als Wohnraum zum Teil seltener Vögel, so dass die Schädlinge nicht allzu viel Schaden beim Gemüse anrichten.»

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