Zurzach
Jodlerfest mit 20'000 Besuchern: «Absage kommt nicht in Frage» – der OK-Präsident erklärt die Hintergründe und Massnahmen

Ohne Nordwestschweizerisches Jodlerfest keine Qualifikation für das Eidgenössische: Wie sich die Organisatoren vorbereiten, welche Coronamassnahmen gelten könnten und auf was sie hoffen.

Stefanie Garcia Lainez
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Vertreter der Trägerschaft des Jodlerfestes mit Präsident Kurt Schmid (2. v. r.) vor dem Verenamünster in Bad Zurzach: Die katholische Kirche gehört zu den drei Austragungsorten der Jodlerwettbewerbe.

Vertreter der Trägerschaft des Jodlerfestes mit Präsident Kurt Schmid (2. v. r.) vor dem Verenamünster in Bad Zurzach: Die katholische Kirche gehört zu den drei Austragungsorten der Jodlerwettbewerbe.

zvg

Das Wettiger Fäscht vom Juni wurde vergangene Woche abgesagt, die Organisatoren haben für das Aargauer Kantonalturnfest in Wettingen eine Zertifikatspflicht eingeführt. Die Pandemie und vor allem die Omikronwelle erschweren oder verunmöglichen die Durchführung von grossen Veranstaltungen.

Auch im Juni steigt im Zurzacher Ortsteil Bad Zurzach ein grosses Volksfest: Am Nordwestschweizer Jodlerfest, das mit seiner 32. Ausgabe erstmals überhaupt im Zurzibiet gastiert, werden vom 10. bis 12. Juni rund 20 000 Besucherinnen und Besucher erwartet. «Eine Absage kommt nicht in Frage», sagt OK-Präsident Kurt Schmid. «Wir sind aber gut auf verschiedene Szenarien vorbereitet.»

Der Trägerverein rechnet mit 1500 Alphorn- und Büchelbläsern, Fahnenschwingerinnen und Jodlern aus den Kantonen Aargau, Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Land, die an rund 250 Wettvorträgen antreten. Die meisten wollen am Eidgenössischen Jodlerfest von 2023 in Zug teilnehmen.

Das können sie aber nur, wenn sie sich zuvor am Jodlerfest des Unterverbandes qualifizieren, also in diesem Jahr in Zurzach. Wer die Noten gut oder sehr gut erhält, darf ans Eidgenössische. «Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir das Jodlerfest in Zurzach durchführen», sagt Kurt Schmid.

Das Fest könnte auch mit den aktuellen Bestimmungen durchgeführt werden

Dafür braucht es aber wegen der Coronapandemie eine noch bessere organisatorische Vorbereitung als sonst. Er versichert: «Wir könnten das Fest auch unter den aktuellen Bestimmungen durchführen.»

  • So würde in diesem Fall das Jodlerdörfli auf dem grossen Parkplatz beim Thermalbad − in nächster Nähe zum Testcenter − abgesperrt und Eintritt nur mit einem Zertifikat gewährt werden.
  • In den Innenräumen würde zusätzlich 2G+ umgesetzt und Maskenpflicht gelten. So auch an den Jodel-Konzerten in der reformierten und im Verenamünster sowie im Gemeindezentrum Langwies.
  • Die Jodlerinnen und Jodler müssten allenfalls mit Masken über die Berge und das schweizerische Landleben singen. Auch die Fahnenschwingerinnen und -schwinger müssten sich mit Maske in der Halle der Mineralquelle messen.

«Das macht aber nicht Spass und wir zählen darauf, dass die Bestimmungen im Juni gelockert sind.»

Nach den heutigen Bestimmungen dürfte die Zertifikatspflicht für die Teilnehmenden sein: «Nicht alle werden geimpft sein», sagt Kurt Schmid. Immerhin erklingen die Alphörner draussen auf dem Chilebückli. Und er ist zuversichtlich, dass sich die Lage bis dann entschärft.

Profitiert das Jodlerfest vom «Coronakoller»?

Was die Anmeldungen betrifft, könnte das Jodlerfest von einem «Coronakoller» profitieren wie das Kantonalturnfest in Wettingen vom Juni: Nach den vielen Absagen von Wettkämpfen vermeldeten die Organisatoren einen Teilnehmerrekord.

Das hält Kurt Schmid für möglich. Er gibt aber auch zu bedenken, dass die Nachwuchsförderung während der Pandemie gelitten habe. «Das führt zu einer Lücke.» Hinzukommt, dass die Vereine wegen Corona weniger proben und auftreten konnten, was sie wiederum davon abhalten könnte, sich beim Jodlerfest anzumelden − aus Angst, eine schlechte Klassierung zu erhalten.

Teilnahme am Jodlerfest auch ohne Note möglich

Um diese Hemmschwelle zu senken, können die Vereine nun auf Wunsch ohne diesen Druck auftreten. «Sie erhalten einen Jurybericht, aber keine Note», sagt Kurt Schmid. «Damit kommen wir auch wieder zurück zum ursprünglichen Brauchtum, bei dem die Teilnahme und das gemeinsame Singen und Spielen im Vordergrund stand.»

Insgesamt geht er von weniger Anmeldungen aus als unter normalen Umständen. Wie viele teilnehmen, steht in wenigen Wochen fest, wenn die Anmeldefrist abläuft. «Wir sind auf jeden Fall gespannt.»

Die Vorbereitungen seien dank des breitabgestützten OKs und der vielseitigen Unterstützung bestens auf Kurs, sagt Kurt Schmid weiter. So sei die Unterstützung im Zurzibiet so gross, dass der Trägerverein auf gutem Weg sei, die Ausgaben von weit über 500'000 Franken dank Sponsoring decken zu können. Bei den 300 Helferinnen und Helfern läuft die Suche noch.

Fest steht bereits, dass im Rahmenprogramm auch Zurzibieterinnen und Zurzibieter auftreten: So probt Kurt Schmid seit über einem Jahr mit seiner Alphorngruppe − die zuvor noch nie Alphorn spielten und am Jodlerfest auftreten werden.

Kurt Schmid (links) trat 2006 am Zentralschweizerisches Jodlerfest in Einsiedeln mit Ueli Moser und Hans König als Trio Unteres Aaretal auf.

Kurt Schmid (links) trat 2006 am Zentralschweizerisches Jodlerfest in Einsiedeln mit Ueli Moser und Hans König als Trio Unteres Aaretal auf.

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Anfang Februar startet auch das Jodlerchor-Projekt, bei dem man ebenfalls ohne Vorkenntnisse mitmachen kann und mit einem Auftritt im Juni belohnt wird. Ausserdem wird sich die Schule Zurzach mit Projekten beteiligen, in denen sich die Schulkinder mit dem Schweizer Brauchtum auseinandersetzen. «Es könnte durchaus sein, dass am Jodlerfest Fahnen schwingende Kinder auftreten», sagt Kurt Schmid.

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