Zurzach
Fusion im neuen Jahr: Eine Gemeinde mit zwölf Gotteshäusern

Eine Auswahl davon, was die neun Ortschaften in und ums Rheintal am 1. Januar 2022 mit der Fusion in die neue Gemeinde Zurzach einbringen.

Rosmarie Mehlin
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Das Verena-Münster in Bad Zurzach.

Das Verena-Münster in Bad Zurzach.

Sandra Ardizzone

Wenn in der Silvesternacht der letzte Glockenschlag von St. Agatha verklingt, steht die Kirche von Baldingen auf einen Schlag in der Gemeinde Zurzach – und mit ihr fünf weitere Kirchen und sechs Kapellen. Mit dem Verena-Münster, der Oberen und der reformierten Kirche und der Kirchlibuck-Burgkapelle, hat die Ortschaft Bad Zurzach in der neuen Gemeinde den grössten Anteil an Gotteshäusern.

Dies auch, da die Loretokapelle auf dem Achenberg zwar zur Kirchgemeinde Klingnau gehört, aber genau betrachtet auf Bad Zurzacher Boden steht. In den Ortschaften Mellstorf mit der St. Sebastians- und der Schlosskapelle sowie in Kaiserstuhl mit der Kirche St. Katharina und der Friedhofskapelle, stehen je zwei Gotteshäuser. Die fünfte Kirche der Gemeinde Zurzach ist St. Oswald in Wislikofen. Die Kapelle in der Ortschaft Böbikon ist dem Heiligen Laurentius gewidmet, jene in Rümikon der Heiligen Anna.

Die Kapelle im Dorfzentrum von Rümikon.

Die Kapelle im Dorfzentrum von Rümikon.

Michael Hunziker

Sollte in der Silvesternacht – von Corona gestattet – zwischen Kaiserstuhl und Rietheim die eine oder andere Rakete gen Himmel zischen, um die «Geburt» der grössten Gemeinde im Kanton zu feiern, liegen sehr viel mehr als neun Monate «Schwangerschaft» dahinter. Über 30 verschiedene Arbeitsgruppen haben in zahllosen Sitzungen aus einer enormen Vielfalt von grösseren und kleinen Bausteinen, alten Zöpfen und frischen Bedürfnissen ein neues Gemeinwesen gebaut. Und wie in Badens neuem Thermalbad «Fortyseven» auch nach der Eröffnung noch Mängel behoben werden müssen, hat auch die neue Gemeinde noch einige offene Pendenzen.

Über 400 Latifundien

So hat etwa die siebenköpfige Arbeitsgruppe «Liegenschaften» ein Inventar erstellt, welches dem Gemeinderat nun als Grundlage für die Findung einer Strategie im Umgang mit den Liegenschaften und Grundstücken dient. Die neue Gemeinde hat, ohne Strassenparzellen, total 405 Grundstücke – bebaute, unbebaute, ausserhalb der Bauzone liegende und Wald-Parzellen. 207 Grundstücke sind im Eigentum der Einwohnergemeinde, deren 198 in jenem der Ortsbürgergemeinde, die rund 450 stimmberechtigte Ortsbürgerinnen und Ortsbürger umfasst.

Zudem bringen die neun Ortschaften 132 Liegenschaften ein mit einem so genannten «Wiederherstellungswert» von insgesamt 187 Millionen Franken. «87 der Liegenschaften sind im Besitz der Einwohnergemeinde, in den nun zudem vom aufgelösten Verband «Regibad» auch dieses übergeht. 26 der Liegenschaften sind im Eigentum der Ortsbürgergemeinde, 15 in jenem der Wasserversorgung und je eine gehört dem Verband ARA und dem Kanton Aargau – weil das Bus-Wartehüsli an der alten Dorfstrasse in Rekingen auf einer Parzelle der Kantonsstrasse steht,» erklärt Pascal Felber, Leiter der Abteilung Hochbau.

Einige dieser Latifundien können ohne viel Aufwand direkt weiter betrieben werden, andere wiederum benötigen strategische Entscheide, wie etwa die seit rund fünf, respektive sechs Jahren leerstehenden Liegenschaften des ehemaligen Restaurants «Rose» in Baldingen und jene des 2015 verstorbenen Eisenwarenhändlers Paul Bächle in Bad Zurzach.

Die lehrstehende Liegenschaft des ehemaligen Restaurant «Rose» in Baldingen.

Die lehrstehende Liegenschaft des ehemaligen Restaurant «Rose» in Baldingen.

Beat Kirchhofer

Die neue Gemeinde Zurzach: Reich an Beizen

18 Restaurants, vier Cafés, eine Bar, ein Döner-Kebab-Lokal und ein asiatisches Take-Away : Das macht Zurzach so schnell keine andere Gemeinde mit weniger als 8000 Einwohnern nach. Wobei die folgende Aufzählung eine Momentaufnahme und nicht zwingend abschliessend ist. Während Baldingen, Böbikon und Rekingen Beizen mässig seit kurzem oder bereits schon lange Brachland sind, findet man in Bad Zurzach ein Dutzend Restaurants. In alphabetischer Reihenfolge sind dies «Achenberg», «BarBar», Emilio’s Bistro, «Höfli», Parkhotel, «Post», Gasthaus Sodi, Trattoria Schwert, Therme Bistro, «Tierpark», «Waage» und Zurzacherhof. Dazu sind im Flecken mit Mor, Maier Santé und dem Ausschank im «sels shop» beim Bahnhof vier Cafés angesiedelt, ferner können in der «Roxy Bar» gemütliche Stunden verbracht sowie im Zurzi-Imbiss Hunger und Durst gestillt werden. Ausserhalb dem (ehemaligen) Bezirkshauptort finden sich mit der «Alten Post» und dem «Kreuz» zwei Restaurants in Kaiserstuhl sowie mit dem «Klosterstübli» und der «Probstei» zwei solche in Wislikofen. In Rümikon bittet das «Bahnhöfli» und in Rietheim die «Krone» zu Tisch und in Rekingen bietet «Sawat’s Thaiküche» authentisches Essen als Take-Away an.

Während für mehrere Objekte, darunter das ehemalige Schulhaus von Böbikon, bereits Interessenten bekannt sind, steht die Zukunft der einstigen Schulhäuser von Kaiserstuhl, Baldingen, Rümikon oder der Gemeindeverwaltung Rietheim noch in den Sternen.

Gut Ding will Weile haben

Der Gemeinderat beschäftigt sich nun mit der Suche nach den optimalen Lösungen. «Eine finanzielle Belastung durch laufende Kosten und notwendige Sanierungen dieser Objekte ist zwar gegeben, aber sie ist nicht über die Massen hoch und kann in der Anfangsphase gestemmt werden», betont der vollamtliche Gemeindeammann Andi Meier. Bis das wichtigste Instrument für die Entwicklung der Gemeinde, die Bau- und Nutzungsordnung BNO, unter Dach und Fach ist, wird es, laut Ammann Andi Meier, noch mindestens drei bis vier Jahre dauern «Das erscheint lange, ist aber für eine neu zusammengeschlossene Gemeinde von dieser Grösse eine sportliche Vorgabe.

Der Zurzacher Gemeindeammann Andi Meier.

Der Zurzacher Gemeindeammann Andi Meier.

Alexander Wagner

Es ist zwar das Ziel, dass die neue BNO mit allem was dazugehört möglichst bald als Planungsinstrument zur Verfügung steht. Der Prozess ist jedoch enorm komplex und soll mit Weitsicht geplant und entschieden werden, was seine Zeit braucht.» Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon und Wislikofen hatten letztmals 1998 eine neue BNO verabschiedet gehabt. In Rietheim war dies im Jahr 2000, in Rümikon 2004. Jene von Rekingen stammt aus dem Jahr 2019 und in Kaiserstuhl wurde die neue BNO erarbeitet, ist aber noch nicht rechtskräftig.

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