Böttstein
Wohnen im Grünen und am See: Das wird in ein paar Jahren Realität am Klingnauer Stausee

Im Gebiet Grossacher können Wohnungen für 700 und Arbeitsplätze für 300 Leute entstehen. Der revidierte Nutzungsplan sieht vor, dass durch das Quartier ein direkter und öffentlicher Zugang zum See führt.

Hubert Keller
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Ein neues Quartier entsteht: Die Entwicklungszone Grossacher am Stausee soll in Etappen bebaut und entwickelt werden.

Ein neues Quartier entsteht: Die Entwicklungszone Grossacher am Stausee soll in Etappen bebaut und entwickelt werden.

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Im Grossacher in Kleindöttingen könnte man jetzt schon bauen. Doch in der Nähe des Naturschutzgebietes am Stausee soll ein lebendiges, durchmischtes und vielfältiges Quartier für 700 Bewohner entstehen, das Rücksicht nimmt auf die besondere Lage.

Erreicht soll dies werden mit einer Teiländerung der Nutzungsplanung, zu der gegenwärtig das Mitwirkungsverfahren läuft.

«Die knapp 8 Hektaren grosse Zone stellt für unsere Gemeinde eine einmalige Entwicklungsreserve dar», sagte Gemeindeammann Patrick Gosteli an der Informationsveranstaltung am Mittwochabend.

«Unsere Gemeinde verfügt über ein Potenzial, das unter Berücksichtigung des restriktiven Raumplanungsgesetzes im Kanton wohl einmalig ist.» Rund 50 Personen hatten sich versammelt, um über Sinn und Zweck der Teiländerung der Nutzungsordnung zu erfahren.

Herausragenden Lage

Im Gebiet Grossacher können Wohnungen für 700 und Arbeitsplätze für 300 Leute entstehen. Die Lage zwischen Siedlungs-, Dekretsgebiet und Industriebgebiet ist aber speziell.

Für den Klingnauer Stausee und die naturnahen Gebiete in seiner Umgebung gelten Schutz- und Nutzungsbestimmungen, das zusammenhängende Wasser-, Röhricht- und Auenwaldgebiet darf nicht gestört werden.

Gerade wegen dieser herausragenden Lage habe die heute 4000 Einwohner zählende Gemeinde Böttstein alles Interesse an einer geordneten und qualitativ hohen Entwicklung, meinte Gosteli.

Den Löwenanteil der 8 Hektaren besitzen die Holcim (Schweiz) AG und die HIAG Immobilien Schweiz AG, eine weitaus kleinere Fläche gehört der Erbengemeinschaft Johann Keller (Kewa Rad).

Mit der Gesamtrevision der Nutzungsplanung vor 5 Jahren wurde die Grundlage für die Gebietsentwicklung geschaffen. Vertiefte Untersuchungen in den letzten Jahren hätten nun zu konkreten Vorstellungen geführt, wie das Gebiet mit Rücksicht auf die sensible Umgebung und in verträglichen Etappen überbaut werden könnte, sagte Gemeindeammann Gosteli.

Thomas Kovari, Stadt- und Raumplaner des Büros sapartners Zürich, erläuterte die «neuen Qualitäten», die das Gebiet Grossacher mit der Teiländerung der Nutzungsplanung erhalten wird.

Abgestimmt auf das Stausee-Dekret soll eine differenzierte bauliche Entwicklung erfolgen. In der Nähe zum See sind kleinere Wohneinheiten vorgesehen, die Bebauung soll auch weniger dicht sein. Die Fassadenhöhe darf 7,5 Meter nicht überschreiten. «Eine scharfe Kante zum Dekretsgebiet hin wird so vermieden», sagte Kovari.

Angrenzend an das Industriegebiet sollen aber auch grössere Baukörper möglich sein. Vor allem zu diesem Punkt entwickelte sich nach dem informellen Teil der Veranstaltung eine angeregte Diskussion.

In der ursprünglichen Nutzungsordnung galt nämlich pauschal eine Bauhöhe von 12 Metern, nun sollen punktuell auch 8 bis 10 Geschosse möglich sein. Dazwischen sind abschnittsweise 16 Meter hohe Bauten vorgesehen. Der gültige Zonenplan sieht einen Wohnanteil von 30 bis 70 Prozent vor; dieser wird auf 40 bis 80 Prozent erhöht.

Gosteli und Kovari machten darauf aufmerksam, dass bis 30 Meter hohe Wohnbauten bereits heute im unteren Aaretal gang und gäbe sind, zum Beispiel auf Klingnauer Seite, aber auch in Kleindöttingen selber im Gebiet Fahr.

Uferpark und Promenade

Der revidierte Nutzungsplan sieht vor, dass durch das Quartier ein direkter und öffentlicher Zugang zum See führt. Attraktive Grün- und Freiräume machen das Wohnen zum Erlebnis. Die Wohn- und Arbeitsplatzgebiete werden getrennt voneinander erschlossen.

Für die Fussgänger und Velofahrer entsteht entlang des Stausees eine Promenade, im Norden der Anlage ein naturnaher Uferpark. Ein zentraler begrünter Freiraum dient der Freizeit und als Puffer zwischen Gewerbe und Wohnen. Drei Grünstreifen ragen wie Finger ins Wohngebiet.

Gemeindeammann Patrick Gosteli möchte die Entwicklungszone Grossacher im November dieses Jahres der Gemeindeversammlung vorlegen. Doch so schnell wird wohl nicht gebaut. Die Holcim Kies und Beton AG darf bis September 2021 Kies abbauen, bis Ende 2023 muss das Werk zurückgebaut sein.

Aber auch für die Zeit danach ist von Zeiträumen bis 2033 die Rede. «Wir könnten einen Bevölkerungszuwachs dieser Grösse in kurzer Zeit gar nicht verkraften», betonte unter anderem auch der für Energie und Fernwärmeversorgung zuständige Gemeinderat Bruno Rigo.

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