Wislikofen
Versäumnis wird nachgeholt: Ortsteil Mellstorf erhält endlich sein eigenes Wappen

Der Ortsteil von Wislikofen besitzt bis heute kein offizielles Signet – das wird nun nachgeholt. Mit der Erstellung des Wappens wurde der Heraldiker Rolf Kälin beauftragt, der bereits das Sujet der neuen Gemeinde Zurzach entworfen hatte.

Daniel Weissenbrunner
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Blick auf den Wislikofer Ortsteil Mellstorf. (Archivbild)

Blick auf den Wislikofer Ortsteil Mellstorf. (Archivbild)

Nadja Rohner

Am 1. Januar 2022 schliessen sich Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rümikon, Rietheim und Wislikofen aus dem Zurzibieter Rheintal zur mit 2619 Hektaren flächenmässig grössten Gemeinde im Aargau zusammen. Die zuständige Kommission arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Umsetzung. Unter anderem sind Vernehmlassungen am Laufen. Etwa, mit wie vielen Stimmen die neue Gemeinde künftig im Planungsverband Zurzibiet Regio vertreten sein wird. Die Kommission beschäftigt sich aber auch mit unvorhergesehenen Themen.

Beispielsweise, dass der Wislikofer Ortsteil Mellstorf als einziger kein eigenes Wappen besitzt. «Aus diesem Grund hat der Gemeinderat Wislikofen kurzerhand beschlossen, noch vor dem Zusammenschluss ein Ortswappen für Mellstorf erstellen zu lassen», sagt Ammann Heiri Rohner.

Seit 1899 gehört der Ortsteil Mellstorf – der bis dahin eigenständig war – zur politischen Gemeinde Wislikofen. «Wir reden aber heute noch von Mellstorfern und Wislikofern», sagt Rohner. «Gegen aussen tritt man jedoch klar als eine Gemeinde auf.»

AZ

Auch Wislikofen gehörte zu den Nachzüglern

Mit der Erstellung des Wappens wurde der Heraldiker Rolf Kälin beauftragt, der bereits das Sujet der neuen Gemeinde Zurzach entworfen hatte. Dass eigenständige Gemeinden über kein eigenes Wappen verfügen, sei nicht aussergewöhnlich, sagt Kälin im Mitteilungsblatt «Strichpunkt». Dies trifft auch auf Wislikofen zu, das sich erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts um ein eigenes Wappen bemühte.

Man befand sich damals in guter Gesellschaft. Viele Schweizer Gemeinden legten sich erst für die Landesausstellung 1939 in Zürich ein Wappen zu. «Weil man dort bei der offiziellen Beflaggung mit allen Schweizer Gemeindewappen nicht abseitsstehen wollte», sagt Rolf Kälin. Für Mellstorf habe für die Erstellung eines eigenen Wappens kein Anlass bestanden.

Dieses Versäumnis soll nun nachgeholt werden: Eine Arbeitsgruppe aus den beiden Ortsteilen werde, sagt Heiri Rohner, in Kürze damit beginnen, Vorschläge auszuarbeiten, um sie anschliessend mit Rolf Kälin zu besprechen. Rohner rechnet damit, dass man Mitte des nächsten Jahres der Bevölkerung Varianten vorlegen könne. Ob der Entscheid dann mittels Befragung oder Abstimmung erfolge, müsse noch abgeklärt werden. Klar ist hingegen, dass wie üblich das Staatsarchiv; das fertige Wappen begutachten wird und dem Regierungsrat danach zur Genehmigung vorschlägt.

Was die Mellstorfer brennend interessieren dürfte: Welcher geschichtliche Hintergrund soll ins Wappen einfliessen? Anregungen könnte dazu das «Historische Lexikon der Schweiz» liefern, in dem der Ortsteil erwähnt wird. Im Mittelalter stand Mellstorf unter der Verwaltung des Obervogts von Klingnau. Der Bischof von Konstanz und das Kloster St.Blasien (Schwarzwald) besassen hier Lehenshöfe, heisst es. Die Eidgenossen teilten Mellstorf später dem Amt Ehrendingen zu. 1671 entstand eine Trotte. 1789 wurde an deren Stelle eine neue Kapelle (Sebastian- und Fridolin-­Patrozinium, Altar von Johann Friedrich Buol aus Kaiserstuhl) errichtet. Die Mellstorfer gehörten zur katholischen Pfarrei von Schneisingen und wechselten 1832 zu derjenigen von Wislikofen.

Einzigartig mit hohem Wiedererkennungswert

Laut Rolf Kälin ist das Regelwerk relativ breit gefächert. Das Wappen solle sicher dem Ausschliesslichkeitsgrundsatz entsprechen. «Das heisst, es soll nach Möglichkeit einzigartig in der öffentlich-rechtlichen Wappenlandschaft sein. Die Mellstorfer wollen sicher nicht, dass sie nach paar Minuten Autofahrt ihr neues Wappen an einer fremden Gemeinde- oder Ortsfahne wiedererkennen müssen.»

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