AKW Beznau
Verdoppelt: Reaktor-Stillstand kostet Axpo nun 100 Millionen Franken

Der erste Reaktorblock des AKW Beznau bleibt länger ausser Betrieb, als Betreiberin Axpo gehofft hatte. Bisher ging das Unternehmen von 50 Millionen Franken für den Stillstand aus. Heute rechnet es mit Kosten von 100 Millionen.

Fabian Hägler
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Block 1 des AKW Beznau wird wohl erst im neuen Jahr wieder in Betrieb gehen, Block 2 im Dezember nach der Revision.

Block 1 des AKW Beznau wird wohl erst im neuen Jahr wieder in Betrieb gehen, Block 2 im Dezember nach der Revision.

/KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA

Gut einen Monat lang wurde im Aargau kein Atomstrom produziert: Das AKW Leibstadt ging am 10. August für die Jahresrevision vom Netz, der erste Reaktorblock von Beznau ist wegen Unregelmässigkeiten im Druckbehälter seit März ausser Betrieb, der zweite Beznau- Reaktor wurde am 17. August abgeschaltet – neben der Revision steht eine Untersuchung auf Schwachstellen an. Gestern wurde das AKW Leibstadt nach 38-tägiger Revision wieder hochgefahren.

Bis auch Beznau wieder Strom produziert, dürfte es hingegen länger dauern. Bereits im August teilte das eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) mit, Beznau 1 könne wohl erst im nächsten Jahr wieder in Betrieb gehen. Damals widersprach die AKW- Betreiberfirma Axpo, man gehe davon aus, dass der Reaktor schon im Oktober wieder ans Netz gehe.

Axpo lenkt zähneknirschend ein

Inzwischen rechnet auch Axpo-Chef Andrew Walo damit, dass sich dies verzögert. «Wir sehen heute einen Termin Ende Februar 2016 als realistisch an», sagte Walo am Mittwoch in der «Rundschau». Doch warum dauerte es einen Monat, bis die Betreiberfirma zum selben Schluss kam wie die Aufsichtsbehörde? Axpo-Sprecher Antonio Sommavilla sagt: «Das Ensi hat vor kurzem zusätzliche Forderungen gestellt, das führt zu einer Anpassung der Fristigkeiten.»

Aus unternehmerischen Gründen hätte sich die Axpo eine raschere Inbetriebnahme gewünscht, «umso mehr, als aus unserer Sicht und nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen keine sicherheitstechnischen Vorbehalte gegen den Weiterbetrieb der Anlage bestehen». Selbstverständlich werde man den zusätzlichen Forderungen der Aufsichtsbehörde aber nachkommen.

Ausfallkosten verdoppeln sich

Dass der erste Reaktorblock länger stillsteht als geplant, schmerzt die Axpo auch finanziell. Bisher ging das Unternehmen, das erst am Montag einen Abschreiber von 1,2 Milliarden Franken bekannt gegeben hatte, von 50 Millionen Franken für den Reaktor- Stillstand aus. «Nun kommen weitere 50 Millionen hinzu, die verzögerte Inbetriebnahme von Block 1 zieht insgesamt Kosten von rund 100 Millionen Franken nach sich», sagt Sommavilla.

Auf den Zeitplan für die Revision des zweiten Reaktors habe die Forderung des Ensi keinen Einfluss, hält der Sprecher fest. Allerdings sind die Messungen in Block 2 noch nicht durchgeführt worden, sie sind für Ende Oktober oder Anfang November geplant. Wenn keine Unregelmässigkeiten gefunden werden, geht Sommavilla davon aus, «dass wir Block 2 in der zweiten Hälfte Dezember wieder in Betrieb nehmen können».

Motion für unabhängige Experten

Bereits Ende Juli hatte Greenpeace verlangt, für die Untersuchungen an den Reaktordruckbehältern ein unabhängiges Expertengremium einzusetzen. Nun werden auch kantonale Politiker aktiv: In einer Motion, die am Dienstag im Grossen Rat eingereicht wurde, fordern SP, Grüne, EVP und GLP den Regierungsrat auf, einen Bericht zur
Sicherheit des Atomkraftwerks Beznau erstellen zu lassen. Im Sinn einer Zweitmeinung zu den Einschätzungen des Ensi sollte der Bericht von unabhängigen, im besten Fall gar internationalen Experten, verfasst werden.

Ensi und Axpo kündigten bereits im Juli an, sie würden die Untersuchungen nicht alleine führen. Sowohl die Atomaufsichtsbehörde, als auch die Kraftwerksbetreiber wollen für die Beurteilung externe Fachleute beiziehen.