Kaiserstuhl
Trotz Regen: So hat die kleinste Stadt der Schweiz ihre Brunnen gefeiert

Kaiserstuhl ist in 23 Jahren erst die vierte Gemeinde im Aargau, die den 30'000 Franken dotierten Brunnenpreis gewinnt. Am Samstag feierte die Stadt die Preisverleihung des Brunnenpreises 2020 der Ernst und Hanna Hauenstein-Stiftung. Auch Petrus zeigte sich grosszügig und garantierte volle Brunnentröge.

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Kaiserstuhl Preisverleihung Brunnenpreis 2020
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Die Spielgemeinschaft Kaiserstuhl – Hohentengen.
Ammann Ruedi Weiss (links).
Zu Beginn der Feierlichkeiten regnete es - Petrus füllte die Brunnentröge.
Prof. Peter Ulrich von der Ernst und Hanna Hauenstein-Stiftung führte in einer blumigen Laudatio viele Gründe auf, warum Kaiserstuhl die Ehre des 24. Brunnenpreises der Stiftung zuteil wurde.
Präsident des Stiftungsrates, Max Grazzi.
Rolf E. Jeker, ein weiteres Mitglied des Stiftungsrats.
Dieser Schüler belegte den 1. Rang beim Zeichenwettbewerb.
Die Schüler freuen sich.

Kaiserstuhl Preisverleihung Brunnenpreis 2020

Ruedi Weiss

Pünktlich erfolgte der feierliche Auftakt zum Brunnenfest am Widderplatz durch die Spielgemeinschaft Kaiserstuhl–Hohentengen. Stadtammann Ruedi Weiss freute sich, dass nach einem langen Corona-bedingten Unterbruch endlich wieder ein Anlass für die Bevölkerung stattfinden kann und erinnerte die Besucher an die Abstandsregeln des BAG. Er hiess die zahlreich erschienenen Einwohner, Besucher und Ehrengäste herzlich willkommen und zeigte sich erfreut, dass sie sich vom Wetter nicht hatten abhalten lassen.

Prof. Peter Ulrich von der Ernst und Hanna Hauenstein-Stiftung führte in einer blumigen Laudatio viele Gründe auf, warum Kaiserstuhl die Ehre des 24. Brunnenpreises der Stiftung zuteil wurde. Um das zweite Dutzend vollzumachen, hätte man nach einem Ort gesucht, welcher dem Wirken der Stiftung die Krone (Corona) aufsetzt, und da sei der Kraftort Kaiserstuhl als flächenmässig kleinste Stadt der Schweiz mit seinem Charme genau passend. Dass es seine historischen Brunnen sorgfältig erhalten und deren Zahl auf heute acht Brunnen ergänzt habe, zeichne das Städtli mit 400 Einwohnern besonders aus.

Beim Friedhofsbrunnen startet die rund einstündige Stadtführung zu den Brunnen, die bald angeboten wird. Der schlichte, fast quadratische Brunnen aus den 1970er-Jahren vor der Friedhofskapelle ist unauffällig, ganz im Gegensatz zur früheren Wallfahrtskapelle mit ihrem hohen Treppengiebel, die in der Zeit um 1530 erstellt wurde.
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Das Wasser des Brunnens beim Turm (dem grössten Wehrturm des Kantons) stammt aus Deutschland: Erst seit dem Bau der Eisenbrücke mitsamt Wasserleitung über den Rhein zwischen 1885 und 1891 kann die Ortsbürgergemeinde Kaiserstuhl ihre Quelle auf der deutschen Rheinseite nutzen.
Der Kaltschmidbrunnens am Rande der Umfahrungsstrasse aus 1962 ist dem heute nicht mehr so bekannten Kaiserstuhler Söldnerführer und Hauptmann Hans Kaltschmid gewidmet. Er kämpfte 1515 in Marignano und 1531 im zweiten Kappelerkrieg. Vermutlich wurde er den Adligen zu mächtig: Nach der Neureglementierung des Söldnerwesens wurden seine Güter eingezogen. Kaltschmid wanderte nach Holland aus. Der Trog des Brunnens ist ein Findling aus Bündner Granit.
Als 2001 der Aussenraum der Schule neugestaltet wurde, kreierte der Kaiserstuhler Kunstschmied und Metallbauer Hamper von Niederhäusern einen Brunnen mit einem Wasserrad. Da die Wasserschlachten der Schüler zuweilen ausarteten, so heisst es in der neuen Broschüre zu den Brunnen, verschwand das Wasserrad aber wieder.
Man erzählt sich, so die neue Broschüre, dass die Reiter am Pfingstausritt jeweils ihre Pferde am Brunnen in der Rheingasse tränkten, während sie sich im gegenüberliegenden «Pöstli» einen «Kafi fertig» genehmigten.
Der wohl modernste unter den acht Brunnen ist der Promenadenbrunnen aus 2006: ein Kubus mit einem Tuffsteinkörper und einem glänzenden Edelstahlmantel, bei dem man das Wasser per Knopfdruck sprudeln lassen kann. Er steht am Rheinufer, wo einst Holz lagerte und heute Kaiserstuhler nach einem kühlen Bad im Fluss in der Sonne liegen.
Der Herman-Suter-Brunnen aus 1963 erinnert an einen der bedeutendsten Schweizer Komponisten und Chordirigenten. Der Spätromantiker verbrachte seine ersten fünf Lebensjahre in Kaiserstuhl, wo den kleinen Hermann wohl nicht nur das musikalische Elternhaus, sondern auch der benachbarte Pater Ambrosius Widmer prägte, einst Kapellmeister im Kloster Rheinau. Mit der Gestaltung der Brunnenfigur, ein singender Bub aus Bronze war der bedeutende Wettinger Bildhauer Eduard Spörri (1901– 1995).
Ruth Michel Richter (v. l.) und Ruedi Weiss verfassten die Texte der neuen Broschüre, Konrad Richter machte die Fotos.
Bereits im 13. Jahrhundert versorgte an der Stelle des heutigen Widderbrunnen ein Brunnen die Menschen mit frischem Wasser. Er hiess damals «Oberer Brunnen», der «Untere Brunnen» stand in der östlichen Rheingasse, existiert heute aber nicht mehr. 1615 erhielt der Mellinger Brunnenmeister Jakob Stern den Auftrag, den brüchigen «Oberen Brunnen» zu ersetzen.
Ein Foto aus dem Archiv des ehemaligen "Unteren Brunnens".

Beim Friedhofsbrunnen startet die rund einstündige Stadtführung zu den Brunnen, die bald angeboten wird. Der schlichte, fast quadratische Brunnen aus den 1970er-Jahren vor der Friedhofskapelle ist unauffällig, ganz im Gegensatz zur früheren Wallfahrtskapelle mit ihrem hohen Treppengiebel, die in der Zeit um 1530 erstellt wurde.

Henry Muchenberger

Der Präsident des Stiftungsrates, Max Grazzi, bemerkte bei seiner Preisverleihung, dass das fehlende Budget der Stadt nicht erlaubt hätte, die Brunnensanierungen rechtzeitig zum Brunnenfest fertigzustellen. Deshalb war eine Corona-gerechte, berührungslose Geldübergabe bereits im Frühling vorgezogen worden und die schönen Brunnenanlagen strahlen inzwischen in neuem Glanz und sind wieder dicht.

Rolf E. Jeker, ein weiteres Mitglied des Stiftungsrats, bedankte sich beim Autorenteam der Broschüre «Kaiserstuhler Brunnengeschichten», ebenfalls Teil des Stiftungspreises, und überraschte dieses mit einer gebundenen Fassung aller 24 bisherigen Preisträger.

Nach der Preisübergabe an die Sieger eines Zeichenwettbewerbs der 2. Klasse in Weiach schloss Stadtammann Weiss mit seinem Dank an die Stiftung für den grosszügigen Preis. Die Ehrung erfülle die Stadt mit Freude und Stolz, werde aber gleichzeitig als Verpflichtung zur Pflege von Brunnen und einer sicheren Wasserversorgung wahrgenommen. Das saubere Wasser als kostbares Grundnahrungsmittel und Voraussetzung von Leben und Wachstum sorge als Löschmittel für unsere Sicherheit und erfreue die Kinder bei Sport und Spiel.

Darüber hinaus erinnert Wasser an die Bedeutung von grenzüberschreitender Zusammenarbeit, ohne die Kaiserstuhl weder über eigenes Quellwasser, eigene Reservoire noch über eine Abwasserentsorgung verfügen würde.

Mit dem Dank an alle, welche diese Werte achten und damit ihren Beitrag an unser künftiges Zusammenleben leisten, schloss Stadtammann Weiss den formellen Teil ab.

Nach einer weiteren musikalischen Darbietung der Spielgemeinschaft gingen die Besucher zum gemütlichen Teil des Brunnenfestes bei inzwischen trockenem Wetter über. (az)

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